Gitarrist Rick Vito begeistert in Offenbach

Slide-Zauber in der Sandgasse

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Rick Vito und Josef Kirschgen in der Sandgasse.

Offenbach -  Ein Glas- oder metallröhrchen auf dem kleinen Finger gleitet über die Saiten, und die E-Gitarre wimmert und weint, mal aggressiv, mal elegisch: Ein Meister dieser Slide oder Bottleneck genannten Spielweise ist der Amerikaner Rick Vito, in den Siebzigern an der Seite von Bluesvater John Mayall, in den späten Achtzigern Teil der zweiten Auflage von Fleetwood Mac. Von Thomas Kirstein 

Dass der heute 66-Jährige einer der ausdrucksstärksten Bluesgitarristen sei, bestätigt sich am Mittwochabend in Offenbacher Clubatmosphäre. Das Konzert reiht sich ein in zahlreiche denkwürdige Konzerte, mit denen Rockveteranen die Sandgasse 26 geadelt haben. Die Lucky Devils aus hiesigen Landen begleiten den Meister: Josef Kirschgen aus Köln trommelt präzise wie ein Uhrwerk, den soliden Bass bedient Marc Inti aus Frankfurt. Rick Vito ist auch ein anständiger Sänger mit ausreichend Blues in der Stimme. Was er aber seiner Gitarre (einem nach ihm benannten Modelle der Marke Reverend) entlockt, ist von selten gehörter Vielfalt und fern von selbstverliebtem Gefuddel. Unüberhörbar, aber fern jedes Plagiatsverdachts, ist der Einfluss von Peter Green.

Es macht alles viel Spaß mit fetzigen Nummern und solchen, die erhabene Stimmung bereiten: Bei der herzergreifenden Vito-Variante von „Looking For Somebody“ flennt die Klampfe im ausgedehnten Solo derart, dass vor der Bühne das spätere Mittelalter ins Knutschen gerät. Hits der zweiten Fleetwood-Mac-Generation gibt’s an diesem Abend nicht, dafür wird das Publikum mit einer schwebenden Version des Instrumental-Klassikers „Albatros“ in die Offenbacher Nacht entlassen. Der Seufzer „Ach, wie schön kitschig“ ist als Ausdruck von Verzauberung zu verstehen.

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