Große Gefühle im Retro-Look

t-Raum: "Liebe Second Hand"

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Aufflammende Liebe und nervige Kinder: In „Liebe Second Hand“ finden zwei Seelen zueinander. Vielleicht.

Offenbach - Möbel, Klamotten, Porzellan – einige Sachen haben Second Hand einen ganz besonderen Charme. Eine Retro-Aura, einen Used-Look. Bei anderen Gegenständen hört die Vintage-Liebe auf. Bei Klobürsten zum Beispiel. Von Lisa Berins 

Und wie ist’s mit der Liebe selbst? Ist sie Second Hand zu gebrauchen? Kann man große Gefühle noch einmal auftragen?Diesen Fragen geht das Offenbacher Theater t-Raum in seinem letzten Stück der Saison nach: „Liebe Second Hand“ ist eine Beziehungskiste mit fünf Figuren – alle gespielt von Sarah Baumann und Frank Geisler, was alleine schon eine logistische Herausforderung ist, der man äußerst gespannt zuschaut. In Rekordzeit wirft sich der eine hinterm Vorhang in neue Klamotten – während der andere vorne tänzelnd versucht, das Publikum abzulenken. Die Verwandlungskünste der Schauspieler machen selbst Generationssprünge möglich: Mit wippendem Schritt kommt Frank Geisler im grauen Jogginganzug und mit „coolem“ Kopftuch als Teenie-Sohn aufs Parkett – Mimikry gelungen, Publikum totgekichert.

Aber zur Geschichte: Marion und Bernhard treffen sich nach 22 Jahren zufällig in einem Kaufhaus wieder. Ehe sie sich versehen, flammt ihre alte Liebe wieder auf. Mit ihrem Mantel wirft Marion in Bernhards Wohnung auch die Schüchternheit ab. Sie: taff, kokett, Bernhard: eigentlich immer auf dem Sprung, um ein neues Getränk ranzuholen. Beide: verheiratet. Zwischen Campari-Soda, Weißweinschorle und Gespritztem kommt man schnell zum Punkt: Die Trennung vor mehr als zwanzig Jahren – sie ist für beide ein immer noch nicht abgeschlossenes Kapitel.

In Rückblenden erfährt man, dass Bernhard seine heiße, kurze Affäre Marion sitzenließ, weil seine Frau schwanger war. Die Verlassene flüchtete nach Afrika und lernte dort ihren zukünftigen Mann Georg kennen, mit dem sie vier Kinder hat. Auch Bernhard zeugte eifrig und verdingte sich als braver Familienvater. Bis jetzt. Gerade, als Bernhard mit der alten Liebe Marion im Bett liegt, kommt eines seiner mittlerweile erwachsenen Kinder bei Daddy die Lage checken. Marion flüchtet auf den Balkon – eine von mehreren Versteck-Szenen, die mit klamaukigem Tür-auf-Tür-zu-Humor Lacher generiert. Gut kommen auch die Slapstick-Bettszenen an, in denen der tollpatschige Bernhard durch körperliche Wehwehchen vom Liebesakt abgehalten wird.

Auf Schatzsuche - Vintage-Mode ist eine Reise durch die Zeit

Die Geschichte, die vom englischen Bühnenautor und Schauspieler Derek Benfield (1926-2009) stammt, ist eine leichte Sommerkomödie, die äußerst amüsant und mit viel Selbstironie auf die Bühne gebracht wird. Da braucht man kein aufwendiges Bühnenbild: Ein Holzstuhl und eine Wäschetonne, aus der allerlei Zeugs geholt wird, reichen als Requisiten sowie ein Schild, das je nach Farbe anzeigt, ob wir uns in Bernhards oder Marions Wohnung befinden (Regie: Alexandra Odri). Nach gut zwei Stunden Spielzeit gibt es dann eine mehr oder weniger eindeutige Antwort auf die anfangs gestellte Frage: Kann man alte Liebe für einen zweiten Gebrauch aufwärmen? Ja, äh nein, oder: vielleicht. Irgendwie ist’s wie mit einem alten, durchgesessenen Vintage-Sofa. Etwas unbequem, aber ja ganz schön anzuschauen, zumindest für den Moment ...

„Liebe Second Hand“ im t-Raum in Offenbach, nächste Vorstellung am Samstag, 20 Uhr. Weitere Termine im August, September und Oktober. Tickets unter 069 80108983 oder per Mail: info@of-t-raum.de.

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