Umweltamt kennt Abhilfe-Maßnahmen

Grundstück nach Unwetter geflutet: Garten gleicht Reisfeld

+
Die Einhausung des Bieberbachs (Mitte) ist so stark von Moos bewachsen, dass sie kaum noch erkennbar ist. Links vom Flusslauf befindet sich das Grundstück der Mahrs, das nach dem Unwetter am Wochenende einem fernöstlichen Reisfeld ähnelt.

Bieber - Unwetter: Das bedeutet Blitz, Donner, Regen. Sehr viel Regen. Beim Gewitter in der Nacht zu Montag hat das ewige Nass von oben auch in Bieber Schaden angerichtet. Etwa bei der Familie Mahr an der Seligenstädter Straße. Doch die machen nicht die Naturgewalten allein dafür verantwortlich. Von Sarah Neder 

Wo einmal Grün war, ist jetzt Nass. Seengleiche Pfützen, aus denen Grasspitzen herausragen, machen sich im Garten an der Seligenstädter Straße 18a breit. „Bei uns sieht’s aus wie auf einem Reisfeld in Japan!“, schimpft Bernd Mahr. Der starke Regen Sonntagnacht hat sein Grundstück und das der benachbarten Gärtnerei komplett geflutet. Die Massen sind auch ins Haus eingedrungen. Noch den ganzen nächsten Tag muss er Wasser aus dem Keller pumpen. Der 58-Jährige hat die Nase voll: „Das ist eine enorme Sauerei!“ Mahr meint damit aber nicht das Unwetter vom vergangenen Sonntag, nicht den Regen, der den Bieberbach, der neben seinem Haus entlang fließt, zum Überlaufen gebracht hat. Was den Bieberer wütend macht, ist eine nach seiner Ansicht marode Einhausung des Flüsschens, das sein Grundstück vom benachbarten trennt

„Seit 50 Jahren wurde die nicht erneuert“, behauptet Mahr, der an der Seligenstädter Straße aufgewachsen ist. Seitdem ist „die Bach“ von Zementplatten umgeben. Eine links, eine rechts, eine obendrauf. Die mit Gummi gefüllten Fugen seien löchrig, schildert der Anwohner. Wenn der Pegel steigt und gegen die Platten drückt, spritze der Fluss fontänenartig aus seinem Betonbau. „Das erinnert an das Wasserspiel im Eißnert-Park“, vergleicht Mahr. Und fordert: Die Stadt solle endlich handeln. Ein gefluteter Garten ist für die Familie, die ein Bekleidungsgeschäft in Bieber betreibt, nichts Neues. Zwei bis drei Mal im Jahr, sagt Mahr, stehe sein Grundstück unter Wasser. Anrufe beim zuständigen Dienstleister ESO blieben ohne Folgen. „Da werden einfach nur Zuständigkeiten hin- und hergeschoben“, vermutet Mahr. Er fühlt sich im Stich gelassen.

Wir haben beim ESO nachgefragt, allerdings konnte dort gestern keine verbindliche Auskunft gegeben werden. Vom städtischen Umweltamt hingegen kommt eine Bewertung. Laut Amtsleiterin Heike Hollerbach liegt die betroffene Liegenschaft im ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet der Bieber. Der Fluss werde durch die Einhausung eingeschränkt, jedoch spiele deren Zustand dabei keine Rolle. „Beim Hochwasser kommt es zur Überlastung des Querschnitts, das Wasser breitet sich in der Senke aus“, erläutert Hollerbach. Beim „hundertjährlichen Hochwasser“ (das ist ein Hochwasserstand, der theoretisch nur einmal in hundert Jahren erreicht werden soll) würde der gesamte Bereich zwischen der Seligenstädter Straße, der Bahnlinie, In den Bruchgärten und In den Lindengärten überschwemmt. Dabei ist mit Wasserständen über einem Meter zu rechnen.

In der Vergangenheit gab es laut Hollerbach überwiegend negative Eingriffe. Durch die Begradigung des Bieberbachs wurde die Fließgeschwindigkeit und somit die Überschwemmungsgefahr, insbesondere für die in zweiter und dritter Reihe liegenden Anwesen erhöht. „Wir beschäftigen uns mit dieser Hochwasserproblematik als untere Wasserbehörde“, klärt die Amtsleiterin über die Verantwortlichkeiten auf. Dazu zähle (als langfristiges Ziel) die Aufstellung des Konzeptes „Integriertes Regenwassermanagement für Planung und Verwaltung“ aus dem Konzept „Mensch und Natur“ und – für die Behörde ganz wichtig – die Berücksichtigung der wasserrechtlichen Belange während der Bauleitplanung sowie bei einzelnen Bauvorhaben. Stichworte sind dezentrale Regenwasserrückhaltung und Abflussdrosselung.

Und gibt es Lösungen für die von Überschwemmungen betroffenen Bieberer? Ja, kündigt Hollerbach an: Durch Renaturierung wird der Hochwassergefahr entgegengewirkt; der Abflussquerschnitt wird verbreitert, die Fließgeschwindigkeiten werden langsamer; der Abfluss aus dem Einzugsgebiet wird durch die Flächensicherung verzögert, durch zusätzliches Retentionsvolumen wird das Wasser in der Fläche zurückgehalten. Das alles soll zur Folge haben, dass die Überflutungshöhe abnimmt und Hochwasser verzögert auftritt. Zudem wird bei Neubauten auf Möglichkeiten zur Versickerung geachtet, damit das Kanalnetz nicht mehr so überlastet wird.

Brände und Überschwemmungen nach Gewitter (mit Leserbildern)

Kommentare