Verfahren ist mit Regierungsbehörden abgestimmt

Kontinuierliche Sanierung im Hafen

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Ein (Foto-) Flug über die Offenbacher Hafeninsel ist selbst Profis nicht jeden Tag möglich. Folglich ist der aktuelle Baufortschritt auf diesem Bild vom Herbst 2015 nicht abgebildet - was die eindrucksvolle Perspektive nicht schmälert.

Offenbach - In Offenbach entscheidet sich die Zukunft der Stadt am Wasser. Nicht allein, aber zu einem guten Stück. Wo einst intensive Hafen- und Industrienutzung urbanes Leben eher unmöglich machten, wächst eine nicht geahnte Urbanität. Von Martin Kuhn

Das wurde im Hafen erst möglich durch eine Altlastensanierung, die kontinuierlich weiter läuft. Der Hafen wurde nahezu 100 Jahre industriell genutzt. Die Insel diente vor allem als Lager- und Umschlagplatz für Mineralölprodukte. Auf der Landseite, aufgrund der Nutzungsgeschichte häufig als „Feststoffseite“ bezeichnet, waren metallverarbeitende Betriebe ansässig. Klar, dass sich im Untergrund einiges angesammelt hat, was heute die Umweltbehörden auf den Plan ruft und fachgerecht zu entsorgen ist. Dass es Altlasten gibt steht „unzweifelhaft fest“, betont Daniela Matha, Geschäftsführerin der Stadtwerke-Tochterfirmen OPG, Mainviertel, GBO, GBM und GBM Service.

Beim aktuellen „Bauboom“ (Hafengold, Luv & Lee, Grundschule und vieles mehr) geht mitunter vergessen, dass die Grundlage dafür ein ausgeklügeltes und mit den Aufsichtsbehören abgestimmtes Sanierungsverfahren ist. Der jüngste „Bodenfund“, als ein Leser in einer Baugrube eine stinkende Mischung aus Sand und Öl dokumentierte, die nach seiner Beobachtung „einfach wieder zugeschüttet wurde“, ist Anlass, bei Daniela Matha nachzufragen.

Fakt ist: Mit dem Verkauf des Grundstücks geht die Verantwortung auf den Bauherren über. Der ist freilich an alle Auflagen und Vorgaben gebunden. In diesem Fall hat er vielleicht nicht ganz glücklich agiert, gleichwohl habe es keine Bedrohung für Anwohner und Passanten gegeben. Aber wie werden künftige Mieter geschützt vor Boden-Altlasten? „Wir müssen zwei Pfade unterbinden“, erläutert die Diplom-Bauingenieurin. „Vom Boden dürfen keine Gefahrstoffe ins Grundwasser gelangen; und sie dürfen nicht auf den Menschen übergehen.“

Alles zum Hafen in Offenbach

Ersteres ist technisch aufwendig. Um für den Hafen überhaupt ein Sanierungs- und Entwicklungskonzept aufzustellen, war eine detaillierte Sondierung nötig: Mit Hilfe von gut 13.000 Boden-, 160 Bodenluft- und 4000 Grundwasser-Analysen wurde ein ganzheitlicher Sanierungsplan erstellt. Um das überhaupt stemmen und das Areal entwickeln zu können, hat die Mainviertel GmbH die Grundwassersanierung fürs gesamte Areal übernommen. In Betrieb ging die Anlage vor acht Jahren, seitdem läuft sie kontinuierlich.

Entscheidend für die weitere Entwicklung des rund 26 Hektar großen Areals: Die im Erdreich liegenden Altlasten werden erst bei den jeweiligen Bauvorhaben angepackt. Heißt auch in dem aktuellen Fall: Jeder Kubikmeter Aushub kommt per Laster auf ein sogenanntes Bereitstellungslager (selbstverständlich mit Wiege-Protokollen), wird untersucht und auf einer Deponie entsorgt. Die Kosten übernimmt die Stadtwerke-Tochter. „Somit garantieren wir dem Investor die größtmögliche Kostensicherheit“, sagt Daniela Matha.

Das bedeutet jedoch: Was nicht für einen Neubau ausgebaggert wird, bleibt im Boden... „Richtig; am Ende sind das etwa zehn Prozent“, so die Geschäftsführerin, die betont, dass diese Vorgehensweise explizit mit dem Regierungspräsidium abgestimmt ist und alle rechtlichen Vorgaben erfüllt. Die Ursprungs-Idee, vor Entwicklung das gesamte Erdreich im Hafen abzutragen (geschätzte Kosten: ungefähr 100 Millionen Euro), wurde seinerzeit als nicht realisier- und wohl auch finanzierbar verworfen.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

Jene restlichen Schadstoffe können im Boden bleiben, da sie „an das Bodenkorn gebunden“ sind; dafür sorge der lehmige Offenbacher Untergrund. Und damit die Gefahr für Menschen auszuschließen ist, kommen am Ende mindestens 80 Zentimeter Boden obendrauf – sozusagen als weitere Trennschicht. Die ehemaligen Mieter des Hafens sind übrigens nicht finanziell heranzuziehen, da sie nach den damaligen Standards saniert haben. Nicht zu vergessen: „Sie hatten seinerzeit Industrieflächen gemietet, und sie haben solche zurückgegeben – und nicht etwa solche für eine Wohnbebauung, so dass für eine höherwertige Bebauung wie wir sie heute haben, in jedem Fall Kosten bei den Stadtwerken entstanden wären“, so Matha.

Und die Mainviertel-Chefin zieht ein positive (Zwischen-) Bilanz: „Das Gute ist, dass mit diesem Entwicklungskonzept die Kosten für die gesamte Gebietsentwicklung für die Stadtwerke bei zirka 80 Millionen Euro liegen wird und diese durch die Grundstücksverkäufe nahezu gedeckt werden.“

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