EZB will Europäische Schule dort ansiedeln

Hallen-Projekt am Kaiserlei gerät unter Druck

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Offenbach/Frankfurt - Die Frage nach einer städtebaulichen Verbindung zwischen Offenbach und Frankfurt gewinnt an Dynamik. Das unsichere Projekt einer Multifunktionshalle am Kaiserlei gerät nicht nur durch die Suche Frankfurts nach einem alternativen Standort unter Druck, jetzt wurde bekannt, dass die Europäische Zentralbank (EZB) hier ihre Schule ansiedeln will. Von Michael Eschenauer

Der Chef des Frankfurter Liegenschaftsamtes, Alfred Gangel, bestätigte gestern das Interesse der Europäischen Zentralbank an einem stadteigenen Grundstück an der Gerbermühlstraße. Grund sei der Platzmangel der Europäischen Schule in Frankfurt-Niederursel. Hier werden 1500 Schüler unterrichtet, trotz diverser Erweiterungen reicht das einst für 900 Kinder und Jugendliche konzipierte Gebäude hinten und vorne nicht mehr. Bei der EZB selbst hält man sich mit einer Stellungnahme zurück. Ein künftiger Schulstandort sei Sache der Stadt, die EZB hier kein Akteur. Allerdings eigne sich das Gebiet am Kaiserlei wegen der Nähe zur Bank sehr gut. Er sei seit etwa einem halben Jahr in ständigem Kontakt mit der EZB bei diesem Thema, so Liegenschafts-Leiter Gangel. Immerhin sei die Stadt dafür verantwortlich, der Zentralbank für ihre Bildungseinrichtung ein geeignetes Grundstück anzubieten. Dem Vernehmen nach werden auch weiter entfernte Standorte, zum Beispiel in Friedberg diskutiert.

„Die EZB-Belegschaft in Frankfurt wächst ohne Ende“, sagte Gangel. Die Bank werde mittelfristig wohl einen Bedarf an 2500 Plätzen in ihrer Schule haben. Als Zeithorizont für den Neubau wird 2020/2021 genannt. Laut dem Liegenschaftsamts-Chef besteht für das fragliche Frankfurter Gelände noch kein Planungsrecht, auch müsse die Belastung durch Fluglärm geprüft werden. Eigentumsrechtliche Fragen bilden keine Stolpersteine, denn das fünf Hektar große Areal gehört stadtnahen Stiftungen. Die Anbindung an den Nahverkehr über S-Bahnhalte an Mühlberg und Kaiserlei ist gut. Wenige Meter entfernt quert die neue Osthafenbrücke den Main, der Komplex der Europäischen Zentralbank befindet sich ebenfalls in der Nachbarschaft.

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Ursprünglich sollte das Grundstück in Höhe der Offenbacher Staustufe zwischen Strahlenberger, beziehungsweise Gerbermühlstraße und Bahntrasse für die Multifunktionshalle freigehalten werden. Dazu wäre ein etwa gleichgroßes Pendant auf Offenbacher Gemarkung notwendig. Nach den Kommunalwahlen im März war die neue Koalition in Offenbach aus CDU, Grünen, Freien Wählern und FDP auf Distanz zu dem Vorhaben gegangen. Nach Gangels Auskunft gibt es zwei interessierte Investoren für das Projekt der Multifunktionshalle.

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Von seiten Offenbachs werden die Pläne begrüßt. „Die Ansiedelung wäre ein großer Standortgewinn für die Stadt und das gesamte Umland, sagte gestern Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Es sei in der jüngsten Vergangenheit von dritter Seite sogar ein Grundstück in Offenbach angeboten worden. Es sei aber zu klein gewesen.

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Europäische Schulen sind als internationale Einrichtungen der EU-Regierungen entstanden. Vorgesehen sind sie zunächst für den Nachwuchs von EZB-Beschäftigen. Ihr hohes pädagogisches Niveau macht sie aber auch für Eltern interessant, die nicht bei der Zentralbank arbeiten. Federführend bei der Errichtung von Bildungseinrichtungen für die Beschäftigten europäischer Einrichtungen in Deutschland ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Es zahlt die Baukosten, kann aber auch Aufgaben delegieren.

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