Offenbach zeigt sich wieder einmal von seiner besten Seite

Ein harmonisches Bild beim Lichterfest im Büsingpark

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Offenbach - Pah! Von wegen schmuddelige kleine Schwester. Die Filmemacher des ZDF („Mein Land, dein Land“) hätten vielleicht vorher mal das Offenbacher Lichterfest besuchen sollen. Dann wäre dieser blöde Seitenhieb möglicherweise unterblieben. Von Martin Kuhn

Die Stadt bekehrt mit dieser stilvollen Festivität vermutlich nicht alle Nörgler, erbittet indes einen zweiten Blick. Und der lohnt sich. Samstag, 18 Uhr und ein paar wenige Minuten. Das kleine Organisationsteam um Regina Preis und Michèle Latzke wirkt nicht gestresst, aber angespannt. „Etwas weniger Betrieb und entspannter als in den Vorjahren“, bescheinigen sie, Handy und Walkie-Talkie stets griffbereit für Rückfragen. Die entscheidende Frage bei einer solchen Festivität: Klappt alles? Ja. Alles bestens. Die angekündigten Einlasskontrollen funktionieren geräuschlos und stressfrei. Ja, viele scheinen froh, dass etwas genauer in die Taschen geschaut wird. Auch die stärkere Präsenz der Ordnungshüter wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Wie gesagt: Ein entspannter Abend. Am Ende auch für Regina Preis und Michèle Latzke. „Nach der Pause ausverkauft“, lautet die Kurznachricht aufs Handy. Das haben sich alle Protagonisten verdient, ehrlich!

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Alles auf Rot Weiß. Auch, oder erst recht, beim Offenbacher Lichterfest. Am Ende ist das Motiv des Fan-Museums wohl das am häufigsten fotografierte des Abends.

Aber wer sind die Stars des Abends? Mal ein Blick auf die Vereine geworfen, die sich mit 70.000 Windlichtern präsentieren und den Büsingpark illuminieren. So trauen sich die Offenbacher Kolpingelfer - getreu dem Motto des Abends „Männersachen“ - an ein eher anspruchsvolles (Männer-)Motiv – einen Pfau. Man(n) ist nicht ganz zufrieden mit dem ersten Versuch: „Der linke Flügel ist etwas verkümmert... und das ist nicht politisch gemeint!“ Das hätte sicher einige Offenbacher Sozialdemokraten getroffen, die wie viele andere an einem schönen Sommerabend lediglich das Lichterfest samt Ambiente genießen wollen – allen voran Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber.

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Und andere Männersachen? Die OFC-Handballer fügen ihrem Logo eine erfrischende Hopfenkaltschale hinzu, der Gesangverein Just Harmonists hat einen überdimensionierten „Bunny“ gestaltet, die Verkehrswacht Auto, Zigarre und Fußball integriert. Sehr schön auch der Turnverein (siehe Bild rechts oben!), der sich wohl vom berühmten Brüsseler „Manneken Pis“ inspirieren ließ. Wobei doch jeder weiß, dass sich heutzutage auch das wasserlassende Männlein setzen sollte...

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Alles feine Hingucker. Auf solche „Extras“ verzichtet das Kickers-Fan-Museum, das an diesem Abend erstmals zweigeteilt auftritt - Logo an gewohnter Stelle (Berliner Straße), Getränkestand immerhin noch in Sichtweite (Kaiserstraße). Zoff? „Nein“, sagt Thorsten Frank. „Uns kriegt man nicht auseinander - und auch nicht los!“ Es ist ein Schwur auf den Verein, der in der jüngeren Vergangenheit wenige Konstanten hat. Und eine davon sind auf jeden Fall die Anhänger. Ihr Schriftzug ist nach Einbruch der Dunkelheit das flammende Fotomotiv schlechthin. Das liegt auch daran, dass das Team um Thorsten Frank und Natascha Michera vis-à-vis eine (gesicherte) Doppel-Stufenleiter aufstellt. Eine prima Idee, die gern angenommen wird. Ansonsten schließen sie sich Fan-Shop-Inhaber Stefan Weigand an, der für den OFC wirbt: „Komm’ doch mal wieder hoch - am Freitag ist das erste Heimspiel...“

Bilder zum Lichterfest im Offenbacher Büsingpark

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Und nach dem Aufbau folgt das Entzünden. Da sind einige Techniken auszumachen. Viele entzünden die Kerzen mit Einweg-Feuerzeug, wobei das Reibrad nach dutzenden Versuchen für Schmerzen sorgt („Ich hab’ kein Tennisarm, sondern ’nen Zippodaumen!“). Weitaus schonender sind da die langen Stabfeuerzeuge. Perfekt organisiert der Oldie-Club: Ein gutes Dutzend entzündet, per Tablett gehen jeweils gut 30 Kerzen raus zum Duo, das vorgefertigte und verschraubte Schablonen bestückt. Das Club-Motto „Wer beatet mehr?“ ist für den Abend schnell beantwortet: Keiner!

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Jetzt aber doch mal zur Musik, für viele Höhepunkt des Abends, für einige Beiwerk zum geselligen Beisammensein. Unbenommen, dass da eines der profiliertesten deutschen Klassik-/Crossover-Orchester auf der Bühne sitzt. Der Klangkörper präsentiert die Spezies Mann mit viel Verve – Superman und Heulsuserich, Partyhengst und Philosoph. Maßgeschneidert der Auftakt mit Robbie Williams’ „Let me entertain you“, punktgenau die Zugabe mit Boney M.s „Daddy Cool“. Bekanntes fürs Auditorium, das - üblicherweise nicht in der Klassik daheim - ganz nebenbei in Kontakt mit Richard Wagner und Wolfgang Amadeus Mozart gerät und mitunter sogar aufhorcht. Eine bessere Werbung für das Orchester und seine „Capitol Classic Lounge“ gibt es kaum.

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