Harsche Attacke gegen die Main-Arbeit

Offenbach - Für Langzeitarbeitslose, die sich bei Offenbachs Hartz-IV-GmbH Main-Arbeit schlecht behandelt fühlen, ist die Fraktion der Linken offensichtlich die willkommene Klagemauer. Von Thomas Kirstein

Horst Schultheiß und Johannes Günther fassen die Beschwerden zu deutlichen Vorwürfen zusammen: Mitarbeiter der Main-Arbeit hintertrieben die Arbeitsaufnahme, indem sie Gesetze restriktiv auslegten und fast die Grenze zur Behördenwillkür überschritten.

Ihre anonymen Beispiele: Einem Hartz-IV-Bezieher seien Reisekosten für ein Vorstellungsgespräch verweigert worden; der Sachbearbeiter habe dem möglichen Arbeitgeber auch gesundheitliche Probleme des Kandidaten verraten.

Einem anderen seien 100 Euro für Berufskleidung verweigert worden, ohne die er einen Job als Honorarkraft nicht habe antreten können - mit dem Hinweis, als jetzt Selbständiger könne er einen Kredit aufnehmen. Wer eine feste Anstellung gefunden habe, bekomme umgehend Hartz IV gestrichen und müsse bis zum ersten Lohn auf Pump leben. Außerdem beklagen Schultheiß und Günther andauernde „Kontrollen bis in den Intimbereich (Hausbesuche, Oberservierung, Überprüfung von Bankbelegen und Vorräten)“.

Für den Chef der Main-Arbeit, Dr. Matthias Schulze-Böing, sind die generellen Vorwürfe der Linken haltlos - um bei 12 000 Hilfsempfängern durchaus mal möglichen Einzelfällen nachgehen zu können, müsse man ihm Namen nennen. Grundsätzlich sei die Gewährung von Eingliederungshilfen - 18 Millionen im Jahr - im Sinne der Antragsteller geregelt: Reisekosten gebe es, wenn das Vorstellungsgespräch Erfolg versprechend erscheine.

Wir prüfen allerdings, ob die Sache Hand und Fuß hat“, sagt Schulze-Böing. Auch für Berufsbekleidung und Arbeitsmittel werde nach vorgebenen Sätzen gezahlt, wenn der Schritt in die Selbständigkeit anstehe und der Bedarf nachgewiesen sei.

Es bleibt keiner ohne Mittel im Regen stehen“, widerspricht der Main-Arbeit-Geschäftsführer dem Vorwurf, willentlich würden Finanzierungslücken zugemutet. „Unsere Kunden bekommen so lange Hilfeleistungen, bis sie über Geld verfügen.“

Schulze-Böing nennt es „höchstes Ziel der Main-Arbeit“, Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Da es aber um öffentliche Mittel gehe, müsse Kontrolle - „diskret und sensibel“ - sein: Wenn es um Zuschüsse für eine Wohnung oder eine Erstausstattung gehe, seien die Angaben zu überprüfen; sich Bankbelege vorlegen zu lassen, sei sogar gesetzliche Verpflichtung.

Die Linken unterstellen der Main-Arbeit, sie sehe ihre Daseinsberechtigung darin, Dokumentationen über ihre Klientel zu erstellen, Gelder einzusparen und einen grauen Markt mit Billigkräften auszustatten. Das nennt Matthias Schulze-Böing polemisch: „Unsere Grundlinie ist eine deutlich andere.“

Rubriklistenbild: © dpa

  • 0Kommentare
  • 0 Google+
    schließen

Kommentare