Kleiner Junge von Auto angefahren

Helfen versenkbare Poller gegen Raser am Wilhelmsplatz?

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Zwischen Bars und Beschickern: Gerade an Markttagen ist der Wilhelmsplatz ein Besuchermagnet. Auf der Suche nach einem Parkplatz nutzen viele Autofahrer die Durchgangstraßen des Platzes. Damit könnte bald Schluss sein. Oberbürgermeister Horst Schneider bringt eine Sperrung für den Verkehr ins Spiel.  

Offenbach - „So kann es nicht weitergehen!“ Nachdem vergangene Woche am Wilhelmsplatz ein kleiner Junge von einem Auto angefahren wurde, mehren sich die Stimmen, dass sich an der Verkehrsführung rund um den belebten Platz etwas ändern muss. Oberbürgermeister Horst Schneider schließt eine Sperrung für Autos nicht aus, stellt aber Bedingungen. Von Steffen Müller 

Das Problem gibt es schon lange. Autos, die zu schnell durch die Verbindungsstraßen am Wilhelmsplatz fahren. Mit einem mobilen Blitzeranhänger möchte die Stadt der Lage Herr werden. Doch die Pläne im Rathaus gehen offenbar weiter. Ein Unfall am vergangenen Dienstagabend, bei dem eine 41-jährige Opelfahrerin auf Höhe der Bar „Tarantino“ einem siebenjährigen Jungen über den Fuß gefahren war und ihn leicht verletzte, könnte der entscheidenden Anstoß für eine Sperrung gewesen sein. Auf Anfrage unserer Zeitung teilte Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) mit, dass er für eine Sperrung sei, „sofern auch die neue politische Mehrheit ein solches Vorhaben befürwortet und das Gesamtkonzept für die Verkehrsführung rund um Marktplatz und Wilhelmsplatz passt.“ Voraussetzung für die Schließung sei eine gründliche Prüfung. „Es muss zunächst geklärt werden, wie viele Anwohner, Marktbeschicker und Gastronomen tatsächlich für eine solche Sperrung wären. Sie müssen weiterhin Zugang zu ihren Liegenschaften oder zum Platz haben.“ Als einzige technische Lösung kommen für Schneider per Chipkarte oder Funk betriebene versenkbare Poller in Betracht, die eine Durchfahrt für die Anlieger ermöglichen.

Solche Bodenschwellen sind derzeit keine Option, um die Geschwindigkeit am Wilhelmsplatz zu regulieren.

Mit seinem Vorschlag löst der Oberbürgermeister bei Beschickern, Anwohnern, Gastronomen und den politischen Lagern gemischte Reaktionen hervor. Die Marktleute sprechen sich mehrheitlich gegen eine Sperrung aus. „Dann ist der Markt tot“, befürchet beispielsweise der Obst- und Gemüsehändler Bernd Benner. „Dann wird es schwierig für die Besucher, hier her zu kommen. Wir können von den Kunden nicht erwarten, dass sie ins Parkhaus fahren.“ Zuspruch bekommt Benner von einer Marktbesucherin. „Wenn es schwieriger werden würde, den Wilhelmsplatz mit dem Auto zu erreicht, würde ich vielleicht nicht mehr auf den Markt kommen“, sagt eine Kundin aus Seligenstadt. Die Familie Mack aus Rödermark, die beinahe jeden Samstag mit dem Fahrrad nach Offenbach kommt, würde dagegen eine Sperrung befürworten. „Wir kommen auch immer wegen dem Ambiente. Eine reine Fußgängerzone wäre nicht verkehrt“, sagt das Ehepaar.

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Bei den Gastronomen ist die Meinung zwiegespalten. „Einerseits besteht die Gefahr, dass die Kunden wegbleiben, andererseits ist es für unsere Gäste auch angenehm, wenn sie draußen sitzen können und keine Autos vorbeifahren“, sagt Sophia Freymann, die in der Brasserie „Beau d’Eau“ kellnert und beim Servieren schon einige kritische Situationen mit Pkw- aber auch Fahrradfahrern überstehen musste. Für Youssef El Machit, der mit Kompagnon Giuseppe Morleo rund um den Wilhelmsplatz vier Lokale betreibt, ist klar, dass die aktuelle Verkehrssituation so nicht bleiben kann. „Die jetzige Lösung reicht nicht aus. Da muss sich die Stadt Gedanken machen.“ Den Platz für Autos zu schließen, hält er aber für keine Alternative. „Sinnvoller als komplett zu sperren wäre, den Verkehr ordentlich zu beruhigen“ Er favorisiert Blumenkübel oder Bodenschwellen, damit Autofahrer gezwungen werden, langsamer zu fahren.

Die irrsten Autofahrer der Welt

Diese schnelle Lösung kommt für die Stadt jedoch nicht in Frage. „Vor einer Änderung der Gesamtverkehrsführung am Marktplatz ist das nicht vorstellbar“, teilt Pressesprecher Fabian El Cheikh mit. Heißt: Vor dem Beginn der ohnehin geplanten Umbauarbeiten am Marktplatz, die voraussichtlich von März 2018 bis November 2019 dauern sollen und den Wilhelmsplatz mit einschließen, ändert sich gar nichts. Bis auf Weiteres können Raser nur mit Blitzern ausgebremst werden.

Die Abstimmung ist beendet.
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Was hilft gegen Raser am Wilhelmsplatz?
Straßensperrung und versenkbare Poller für Anlieger.
44.62%
Bodenschwellen oder Blumenkübel reichen völlig.
39.84%
Blitzer müssen her!
9.16%
Wer rasen will, rast. Da helfen keine Gegenmaßnahmen.
6.37%

Wahrscheinlich in ihrer September-Sitzung wird sich die Stadtverordnetenversammlung mit einem neuen Verkehrskonzept für die Innenstadt auseinandersetzen. Ob dieser Vorschlag tatsächlich eine Sperrung der Durchgangsstraßen am Wilhelmsplatz in Betracht zieht, ist noch völlig unklar. Und selbst wenn eine Schließung für den Verkehr angeregt wird, muss das Parlament erst noch zustimmen.

Dass es hier zu einer Einigung kommt, scheint fraglich, die neue Koalition ist gespalten. Während Grünen-Bürgermeister Peter Schneider mit einer Sperrung sympathisiert („Der Platz ist zu schön, um ihn mit Autos herabzuwürdigen“), herrscht bei der FDP Skepsis. „Es darf kein Verkehrsirrgarten entstehen. Die Innenstadt muss mit dem Auto erreichbar bleiben“, sagt der Fraktionsvorsitzende Oliver Stirböck und fügt an: „Das Problem am Wilhelmsplatz muss gelöst werden. Es ist aber fraglich, ob das durch eine Sperrung klappt.“ Die CDU hält sich zurück und möchte abwarten, wie das endgültige Verkehrskonzept für den Wilhelmsplatz aussieht.

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