Denkmalschutz und Anbau vereint

Eine Zukunft fürs hübsche „Hexenhaus“

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Das Gärtnerhaus der „Löwenruhe“ ist ein markanter Blickfang in der Frankfurter Straße.

Offenbach - Das Gärtnerhaus der „Löwenruhe“ ist ein markanter Blickfang in der Frankfurter Straße. Manche Offenbacher kennen es seit ihrer Kindheit als „Hexenhäuschen“, was da in der westlichen Frankfurter Straße wie ein Stückchen Hessenpark wirkt. Von Thomas Kirstein

Niedlich duckt es sich hinter dicken Platanen und verschafft sich doch vor der modern aufragenden Kulisse des Deutschen Wetterdiensts Aufmerksamkeit: weil es mit seinem ländlichen Fachwerkstil so gar nicht ins Offenbacher Westend passen mag, wo sich Gründerzeit-Villen und Nachkriegs-Wohnbauten mischen. Manche Offenbacher kennen es seit ihrer Kindheit als „Hexenhäuschen“, was da in der westlichen Frankfurter Straße wie ein Stückchen Hessenpark wirkt. Das 1887 erbaute ehemalige Gärtnerhaus eines herrschaftlichen Anwesens namens „Löwenruhe“ aus dem 19. Jahrhundert ist ein für Offenbach ungewöhnliches Kleinod und steht deswegen auch unter Denkmalschutz. Kein Wunder also, dass Nachbarn aufhorchen, wenn sie Wind von anstehenden Veränderungen bekommen.

Sie liegen auch völlig richtig mit ihrer Vermutung, dort gehe es nicht allein um Sanierung, sondern auch um Erweiterung. Gekauft hat das winzige Häuschen mit seinen knapp 70 Quadratmetern Wohnfläche in vier kleinen Zimmern ein Offenbacher Ehepaar.

Im Internet findet sich das Gärtnerhaus mit seinem rund 700 Quadratmeter großen Grundstück auf Maklerseiten aus dem Jahr 2010: Damals waren 398.000 Euro als Kaufpreis aufgerufen; versprochen wird dabei eine bei der Stadt positiv aufgenommene Voranfrage für einen Anbau. Das Wohlwollen der städtischen Bauaufsicht für Erweiterungspläne gilt weiter, wie der auch für den Denkmalschutz zuständige Amts-Vize Jürgen Lehmann bestätigt. „Die neuen Eigentümer möchten es selbst nutzen und denkmalgerecht erhalten“, berichtet er. Dass ein rückwärtiger, einstöckiger Anbau mit 40 Quadratmeter genehmigt werde, in dem eine Küche und ein Wohnraum Platz finden, sei ein Weg, das Kleinod dauerhaft zu erhalten: Ohne Erweiterungsmöglichkeit wäre es äußerst schwer, jemanden zu finden, der sich mit den „Hutzelkämmerchen“ zufrieden gibt und die Substanz erhält.

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Die jetzigen Besitzer des Grundstücks, auf das locker ein Fünffamilienhaus passen würde, sind für Denkmalschützer Lehmann also ein Glücksfall: „Wir mussten da überhaupt nicht um den Erhalt kämpfen.“ Der künftige Anbau soll sich zurücknehmen, so tun, als sei er gar nicht da – von der Frankfurter Straße mit ihren mächtigen Platanen aus werde man schon genauer hingucken müssen, heißt es. Aber es wird nicht historisierend gebaut, es entsteht nichts, was sich krampfhaft dem „Hexenhäuschen“ anpassen will. „Das wäre kitschig“, sagt Lehmann.

Geplant sei ein flacher Bungalow, mit viel Glas, glatter dunkler Oberfläche, verrät die neue Eigentümerin: „Sehr modern.“ Über das alte Häuschen schwärmt sie: „Super Bausubstanz, was wir innen machen müssen, sind eigentlich eher kosmetische Arbeiten.“ Draußen, im von der Vorbesitzerin gepflegt gehaltenen Garten, sind bereits vier Eiben gefällt, die dem Anbau im Weg standen; Ersatzpflanzung folgt.

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