Einige leuchtende Ideen

HfG-Absolventen zeigen ihre Diplom-Arbeiten

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Anna-Michele Hamanns Leuchtenserie Linouk befasst sich mit dem Thema der materialabhängigen Veränderung der Lichtatmosphäre. Hans Hess hingegen wirft die Frage auf, wie wir künftig essen.

Offenbach - Produktgestaltung war einmal. Jetzt heißt es Design. Die Hochschule für Gestaltung (HfG) hat ihren Fachbereich umbenannt. Sechs Diplomanden stellen an der Hochschule vor, was sie ausgetüftelt und gestaltet haben. Von Claus Wolfschlag 

Klein, aber fein. So darf die Diplompräsentation des Fachbereichs Design an der HfG bezeichnet werden. Lediglich sechs Diplomanden werden verabschiedet. Das führt zu einer gemütlichen Veranstaltung im ansprechenden und historischen Ambiente der linken Kapelle des Isenburger Schlosses. Zudem haben Bakterien und Viren im Vorfeld ihre eigenen Künste in der Hochschule gezeigt und die Zahl der Besucher reduziert. Nicht nur ein Diplomand ist erkrankt, auch HfG-Präsident Bernd Kracke liegt mit einer Erkältung im Bett, und Vize-Präsident Peter Eckart ist von Schüttelfrost geplagt.

So übernimmt Professor Markus Holzbach die Ansprache und stellt gleich eine zentrale Frage in den Raum: „Was ist Zukunft? Wie sehen die Möglichkeiten von Design aus?“ Unter Rückgriff auf Erkenntnisse des Schweizer Architekten Peter Zumthor bezeichnet Holzbach die Hochschule als „Ort des Experimentierens“. Hier denke man in Bildern und schöpfe gleichzeitig aus der Erinnerung.

Nun ist es keine innovative Erkenntnis, dass die Entwicklung von neuen Produkten und Design immer etwas mit Zukunft zu tun haben. Konkret konzentrieren sich die Diplomanden vor allem auf die Zukunft des Lichts. Anna-Michèle Hamann schafft die ansprechende Leuchtenserie „Linouk“. Der Realisierung voran gehen Lichtstudien und Formfindungsprozesse zu unterschiedlichen Materialen, die bestimmte Stimmungen erzeugen können. Hamann beschäftigt sich mit der Absorption und Reflexion von Licht. Danach sammelt sie unterschiedliche Glasobjekte, Karaffen, Vasen und lässt sie in einer Glasbläserei zuschneiden. Ein Verbindungsmodul aus Kupfer oder Messing dient als Halterung des Stromkabels. Fünf Lampen in verschiedenen Farben sind entstanden, die jeweils einen unterschiedlichen Schattenwurf erzeugen.

Auch Marc Schömann entwickelt eine Leuchte. Das kleine Gerät, das auf den ersten Blick wie ein größerer Lockenwickler wirkt, hat’s aber in sich. Die interaktive Arbeitsplatzbeleuchtung kombiniert ein intensives LED-Licht mit der Steuerung durch Gestik und Sprache. So kann sensorisch die Lichtintensität dirigiert werden.

Rundgang durch die Hochschule für Gestaltung

„Am Anfang war das Licht“, stellt Julia Haase fest. Es sei ein konstanter Bestandteil der Welt. Zum natürlichen Licht geselle sich aber zunehmend das künstliche als Zeichen der Zivilisation. Anhand von drei bildlichen Arbeiten versucht Haase die Bedeutung von Sonnenlicht, Straßenlaternen und Wohnraumlampen darzustellen. Zuerst zeigt sie einen von ihr aufgenommenen Nachthimmel – mit 41 Sterne und 44 Flugzeugen als Lichtquellen. Dann präsentiert sie ein Bild der Frankfurter Skyline. Deren Helligkeitswerte sind als Graphik dargestellt. Zuletzt dokumentierte sie ihren eigenen Tagesrhythmus in Lichtintensitäten. „Auch am Ende wird Licht bleiben“, äußert sie prophetisch.

Zwei Arbeiten interessieren sich weniger für LEDs und Watt, sondern für andere Gesichtspunkte des täglichen Lebens. Marlies Kolodziey hat mehrere Raumobjekte geschaffen, durch die sie Privatsphäre symbolisieren will. „Ich bin gerne in der Wohnung von anderen Leuten, mag aber nicht, wenn andere bei mir sind“, gibt sie zu. „Zuhause“ sei für sie der Ort, wo man ungerichtet bei sich sein könne. Hans Hess hingegen wirft die Frage auf, wie wir künftig essen. Seine Präsentation eines spartanischen Küchengeschirrs wird theoretisch unterfüttert. So erwähnt er kritisch den hohen Fleischkonsum. Doch genau betrachtet hatte Hess’ Set wenig mit der Ernährungsproblematik zu tun. Ein Brett, ein chirurgisches Tablett mit Werkzeugen zum Zubereiten von Speisen. Schalen aus Eschenholz, Speckstein und Kupfer. Solch schlicht-schöne Gebrauchsgegenstände benötigen eigentlich gar nicht viel an Zukunfts-Theorie...

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