Zehnte Ausgabe des Comedy-Abends

Komische Nacht: Horst Schneider ohne Unterhose

Offenbach - Ein Jubiläum feierte am Mittwoch Abend die Komische Nacht. Zum zehnten Mal wurde Offenbach von Comedians heimgesucht, die im Rotationsverfahren mehrere Lokalitäten für Kurzauftritte nutzten. Von Claus Wolfschlag 

Sven Stickling (Bild unten) kreierte bei der komischen Nacht mit dem Publikum im Filmklubb eine Geschichte in der OB Horst Schneider böse Absichten verfolgt. Der aus Marokko stammende Benaissa berichtet humorvoll über die Unterschiede zwischen Marokko und Deutschland.

2012 hatte die Veranstaltungsreihe begonnen und wurde seitdem zur Erfolgsnummer. Auch am Mittwoch war der Besucherandrang in den acht Veranstaltungsräumen unverkennbar. Selbst der etwas versteckt in einem Hinterhof gelegene „Filmklubb“ am Isenburgring war bis auf den letzten Platz besetzt. Sogar auf einer Stiege mit Blick auf den Hinterkopf der Künstler saßen Gäste eng gedrängt. „Wir sind zum zweiten Mal dabei. Offenbar haben unsere Räumlichkeiten den Veranstalter überzeugt“, äußerte Betreiberin Nicole Werth. Nachdem sich die Besucher mit Speisen und Getränken eingedeckt hatten, startete der Poetry-Slammer Sven Stickling. Aus zuvor gesammelten Zetteln mit Zuschauerzitaten kreierte Sticking schließlich eine Offenbacher Geschichte. In dieser ist eine Lehrerin auf dem Weg zum Rathaus, als plötzlich „Bösewicht“ Horst Schneider aus einem Gebüsch springt und ruft: „Ich habe keine Unterhose an.“ Die Stadt wird von seinen sinistren Zielen schließlich durch das im Lili-Tempel meditierende und Kekse futternde Streichholzkarlchen gerettet.

Erfahrungen aus dem Dasein „mit Migrationshintergrund“ lieferte danach der Comedian Benaissa, dessen Familie aus Marokko stammt. Benaissa lobte die deutsche Ordnung, die er auf marokkanischen Straßen und Märkten stets vermisse. Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten dort als Vorschläge, Preisschilder existieren nicht. Die angebliche Levis-Hose entpuppe sich als „Elvis 501“, das Elvis-T-Shirt hat den Aufdruck „Levis Presley“. Da sein Name scheinbar so schwer auszusprechen war, wurde Benaissa von seiner Lehrerin gerne „Vanessa“ gerufen: „Obwohl ich auf der Grundschule der einzige Junge mit Schnurrbart war.“

Es folgte Jochen Prang, der sich über unpünktliche Züge, Vollverschleierte und „Checker“ in Jogginghosen ausließ. Oft hielten sich die Freundinnen solcher „Checker“ sehr kleine Schoßhunde: „Da habe ich immer Angst, dass das Tier von einem aggressiven Spatz gerissen wird.“ Ob die Hunde auch ihr Geschäft in den Handtaschen verrichten, in denen sie manchmal herumgetragen werden, fragte er sich: „Dann greifst du rein, willst dir Labello über die Lippen ziehen, und am Ende war es nur Bello.“

Zauberkünstler Bene Reinisch berichtete danach von seinen Problemen mit dem Finanzamt. Dort wollte man seinen Beruf nicht anerkennen: „Sie zersägen Jungfrauen? Dann sind sie kein Künstler, sondern Handwerker.“ Nach einigen Gags schritt Reinisch zur Praxis, verwandelte einen Löffel in seinem Mund in eine Gabel, tauschte eine Spielkarte mit seiner Assistentin durch Telepathie und ließ eine Bananenschale in einem Handtuch verschwinden.

Den Abschluss des Abends im „Filmklubb“ bildete Frank Eilers, der weniger auf ein vorgefertigtes Programm, als vielmehr vor allem auf die Interaktion mit dem Publikum setzte. Als sich eine Besucherin auf die Frage meldete, wer schon einmal auf einer „Dildoparty“ gewesen wäre, und dann noch antwortete, sie sei dort „durch Zufall reingerutscht“, waren die letzten Lacher des Abends gesichert.

Veranstalter Kai Schmidt zog eine positive Bilanz: „Die Kunst ist, die richtige Mischung zu finden. Es muss für jeden etwas dabei sein. Heute war das nicht so extrem, aber wir hatten schon öfter sehr unterschiedliche Reaktionen auf einzelne Auftritte. Im einen Lokal kam ein Künstler bei Wirt und Publikum überhaupt nicht an, während er an einem anderen Ort gut funktionierte. Das hat mit den unterschiedlichen Lokalitäten und der jeweils anderen Zusammensetzung der Zuschauer zu tun. Aber stets findet dort auch der Topf den richtigen Deckel unter den fünf Auftritten.“

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Rubriklistenbild: © Wolfschlag

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