Auch durch empfindliche Strafen kaum zu verhindern

Illegaler Sperrmüll ein ständiges Ärgernis

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Am Hauptbahnhof türmt sich seit Tagen der Sperrmüll: „Ein Unding“, schimpft ein Pendler, der jeden Morgen den sich stetig wandelnden Berg passiert. Um die Beseitigung kümmert sich offenbar keiner; offiziell ist es Privatgelände: Eigentümer ist die Bahn.

Offenbach - Und täglich grüßt der Sperrmüllberg. Das Gefühl, in einer Art Endlosschleife gefangen zu sein, haben Berufspendler, die den Hauptbahnhof nutzen. Dort, etwas abseits vom Haupteingang in Richtung der Bushaltestellen, türmt sich seit gut zwei Wochen Sperrmüll. Was offenbar keinen kümmert. „Die Sache ist nicht ganz einfach“, heißt es von städtischer Seite. Von Martin Kuhn 

„Was, bitte schön, ist denn das Problem?“, fragt ein Leser, der sich jeden Morgen über die behördliche Untätigkeit ärgert. Und ergänzt aus seiner Beobachtung: „Der Berg wächst täglich ein bisschen mehr.“ Heißt: Da wäre umgehend eine Entsorgung notwendig. Das wissen auch Stadtdienstleister ESO und Ordnungsamt, die involviert sind, aber einschränken: „Offiziell sind wir gar nicht zuständig. Das ist Privatgelände.“ Erkennbar ist das tatsächlich nicht. Anliegern und Pendlern ist das egal. „Hauptsache, das Zeug kommt weg“, heißt es an der Bismarckstraße. Die sogenannte Müll-Feuerwehr könnte indes überfordert sein: „Aufgrund der Menge muss da gegebenenfalls eine andere Lösung gefunden werden“, so ESO-Sprecher Oliver Gaksch.

Illegale Ablagerungen sind ein Dauerärgernis und längst kein Kavaliersdelikt. Bei ESO und Stadtverwaltung klingelt mehrmals täglich das Telefon – im Idealfall die sogenannte Müll-Hotline. Am anderen Ende der Leitung meldeten Anwohner regelmäßig wilde Müllhaufen – mal ein Terrarium, mal ein Mofa, öfters einen Lattenrost samt Matratze. Insgesamt gingen im vergangenen Jahr beim Ordnungsamt gut 7000 Meldungen über Abfallablagerungen auf öffentlichen und privaten Flächen ein. Dann ist zunächst das Ordnungsamt an der Reihe, das drei Außendienstmitarbeiter damit beschäftigt, illegalen Deponierern auf die Spur zu kommen: Anlieger befragen, Abfall durchsuchen. Nicht selten mit Erfolg. In etwa 15 bis 20Prozent der Fälle wird ein Verursacher ermittelt.

Bei geringfügigen Verstößen – Einzelteile wie Koffer oder Kissen – wird ein Verwarngeld in Höhe von bis zu 55 Euro aufgerufen. Bei größeren Mengen werden aber auch Bußgelder in drei- bis vierstelliger Höhe erlassen. Das summiert sich. Allein im vergangenen Jahr wurden 82 Verwarn- und Bußgelder in Höhe von nahezu 23.000 Euro gegen Müllsünder verhängt. Zum Vergleich: 2005 wurden 62 Bußgeldverfahren in Höhe von 7686 Euro eingeleitet.

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Und wenn man nur schnell etwas dazu legt? „Nach der lokalen Abfallsatzung ist es fremden Personen verboten, Gegenstände zu dem vorhandenen Sperrmüll zu stellen“, heißt es. Und das wird ebenfalls teuer. Die Höhe des Bußgelds wird in jedem Einzelfall individuell berechnet, da es keinen gesetzlichen Bußgeldkatalog gibt, der fixe Beträge vorschreibt. Da spielt auch das Verhalten der Beschuldigten eine Rolle: Ist die Person einsichtig?

Wenig Verständnis hatten die bisherigen Ordnungsdezernenten – erst Paul-Gerhard Weiß (FDP), dann Felix Schwenke (SPD). Daran dürfte sich auch unter Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) wenig ändern. Schließlich bezahlt die Beseitigung illegalen Sperrmülls jeder mit – über die regulären Müllgebühren. Dabei ist die „reguläre Entsorgung“, so ESO-Sprecher Oliver Gaksch, denkbar einfach: Sperrmüll über einen vereinbarten Abfuhrtermin, Bau- und Renovierungsabfälle im Wertstoffhof.

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