Bund Offenbacher Künstler wird in diesem Jahr 90

Inmitten der Künstlerkolonie

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Papierarbeiten und Plastiken von Josef A. Kutschera sind derzeit in der BOK-Galerie zu sehen.

Offenbach -  Altes Zollamt, dritte Etage: Konstanze Schneider, frisch gewählte Vorsitzende des Bundes Offenbacher Künstler (BOK) und gleichzeitig Offenbachs First Lady, stellt ihre Handtasche in den Nebenraum und begrüßt die Vereinsmitglieder, die sich in dem kleinen Ausstellungsraum eingefunden haben. Von Lisa Berins 

Gerade wird die Ausstellung „Flächenaddition“ gezeigt. Nebenbei laufen schon die Vorbereitungen für den 90. Geburtstag des BOK. Obwohl draußen graue Wolken den Himmel verhängen, strahlt der kleine Raum in fast grellem Weiß. An den Wänden hängen Papierwerke des aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden Künstlers Josef A. Kutschera; Faltungen aus Pergamentpapier und Papierstreifen, die geometrische Figuren bilden. Der Künstler variiert mit Achsen und Proportionen, erschafft optisch Räumlichkeit. Den kleineren Plastiken in der Mitte des Raums ist die Vorliebe des Künstlers zu klaren Formen und zum Spiel mit Symmetrie und Asymmetrie anzusehen. „Galerie Salon 13“, so der Name des BOK-Ausstellungsraums, sei nicht nur für Offenbacher Künstler reserviert, sagt Uta Schneider, Vereinsmitglied und selbst Künstlerin. Es solle ein offener Raum sein – auch für Externe oder für jüngere Künstler. Doch an ihnen mangelt es im Verein. Und das, obwohl es – dank Hochschule für Gestaltung und einer lebendigen Kreativwirtschaft – durchaus Nachwuchs vor Ort gäbe.

„Vielleicht finden sie die Organisationsform altmodisch“, überlegt Uta Schneider; die Vereinsarbeit, das Beständige. „Ich denke, die Jüngeren finden eher in kurzfristigeren Formen zusammen.“ Dennoch werde überlegt, wie man das Interesse jüngerer Künstler wecken könnte. „Ich finde, es ist ein Vorteil, dass wir uns hier inmitten einer Künstlerkolonie befinden“, sagt Vorsitzende Konstanze Schneider. Im Gebäude des ehemaligen Zollamts arbeiten Kreative in den Studios und Ateliers, im Erdgeschoss befindet sich ein Ausstellungsraum der HfG.

Um Besucher anzulocken und ein abwechslungsreiches Programm zu bieten, wolle der BOK auch mit 90 häufig wechselnde Ausstellungen zeigen: Nach der Finissage der Kutschera-Schau am Samstag, 25. Juni, wird die neue Ausstellung schon fünf Tage später, am 30. Juni, mit einer Vernissage eröffnet. „Badehaus“ ist ihr Titel.

Andreas Masche und Ursula Zepter haben sich dafür im ehemaligen Sozialgebäude der Hoechst-AG, dem sogenannten Badehaus, an der Friedhofstraße in Offenbach umgesehen, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. „Wir haben Eindrücke gesammelt und Aufnahmen gemacht“, erzählt Ursula Zepter. Hauptsächlich seien daraus Zeichnungen entstanden, die stark in der Farbigkeit reduziert sind.

Für Zepter ist es eine Rückkehr zur Zeichnung – und auch in ihre Kindheit. „Ich bin in der Gegend aufgewachsen und fand das Gebäude immer geheimnisvoll und aufregend“, sagt sie. Gemeinsam mit BOK-Kollege Andreas Masche, der sich auf die Monotypie konzentriert hat – eine alte Drucktechnik, mit der man nur ein Original produzieren kann – sei somit eine Hommage „an die Architektur, an die Geschichte, die Entstehung und die jahrzehntelange Nutzung“ entstanden.

Seinen 90. Geburtstag will der Bund Offenbacher Künstler im Dezember mit einer Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte feiern. Was nicht heißt, dass der Bund danach Geschichte ist.

BOK Galerie Salon 13 (Zollamtstudios, Frankfurter Straße 91) ist Do bis Sa von 17-20 Uhr geöffnet, Finissage von „Flächenaddition“ mit einer Lesung von Karin Nedela am 25. Juni, 19 Uhr. Eröffnung von „Badehaus“ am 30. Juni, 19 Uhr.

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