Integration als Gesamtpaket

Intensivklassen-Turnier wird von DFB ausgezeichnet

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Der ehemalige Offenbacher Fußballprofi Jimmy Hartwig, hier mit einigen Schillerschülern und deren Lehrer Murat Akin, war ein gefragtes Fotomotiv beim Fußballturnier der Intensivklassen an der Bachschule.

Offenbach - Das zweite Fußballturnier der Intensivklassen an der Bachschule stand im Zeichen eines besonderen Ereignisses. Für den Sieg beim Integrationspreis von Deutschem Fußball-Bund und Mercedes-Benz wurde der Schule vor vielen Gästen ein Kleintransporter Vito übergeben. Von Christian Wachter 

Mit dabei war auch ein Offenbacher, der Fußball gelebt hat wie kaum ein anderer. Jimmy Hartwig, Integrationsbotschafter beim Deutschen Fußballbund (DFB), erntet schallendes Gelächter, als er einen Mann mit Krückstock imitiert. „Siezt mich doch net, da fühl ich mich gleich so steinalt. Ich bin der Jimmy“, ruft er den Schülern zu, die ihn umringen. Der ehemalige Fußballer, der seine Karriere bei Kickers Offenbach begann und mit dem Hamburger SV den Europapokal der Landesmeister gewann, ist einer der Gäste an der Bachschule beim zweiten Fußballturnier für Intensivklassen. Das sind Klassen, die ausschließlich mit Schülern besetzt sind, die erst seit kurzem in Deutschland leben. Das Besondere: Nicht nur die Tore zählen, sondern auch der Fair-Play-Gedanke. Wer weniger Tore schießt, aber zum Beispiel Mädchen in seiner Mannschaft auflaufen lässt und viel abspielt, kann als Sieger vom Platz gehen, selbst wenn er weniger Tore schießt. Und so geht es für die Mannschaften nach jedem Spiel zur Analyse mit einem Teamer vom Fair-Play-Forum, eine Kooperation von Hessischer Sportjugend und Hessischem Fußballverband. Dieser erklärt den Teams, wie viele Fair-Play-Punkte sie erhalten.

Schon im vergangenen Jahr fand das Turnier an der Bachschule statt und war ein voller Erfolg. Das blieb auch in der Chefetage des deutschen Fußballs nicht unbemerkt: Für Veranstaltungen wie diese wurde die Schule im März (wir berichteten) mit dem 1. Platz beim Integrationspreis des DFB und Mercedes-Benz in der Kategorie Schule ausgezeichnet. Ausschlaggebend waren auch weitere Projekte, etwa, dass die Schule Fußball-AGs in Intensivklassen anbietet. Dafür gibt es den Hauptpreis: Einen Mercedes Vito im Wert von 56.000 Euro.

Jimmy Hartwig und weitere Gäste

Übergeben wurde der Neunsitzer beim diesjährigen Turnier. Aus diesem Anlass kamen neben Jimmy Hartwig noch weitere Gäste an die Bachschule. Etwa Werner Koch (Staatssekretär des Inneren und für Sport), Rolf Hocke (Präsident des Hessischen Fußball Verbands), Volker Eggeling (Mercedes Benz) und Stefanie Schulte (DFB).

Hartwig ist besonders angetan von dem, was er sieht, lässt kaum eine Gelegenheit aus, um mit den jungen Fußballern zu scherzen. „Als Kind war ich einer der ganz wenigen dunkelhäutigen Kicker in Offenbach, schön, dass sich was geändert hat. Fußball vereint, da ist alles andere unwichtig“, sagt er mit Blick auf die beiden Spielfelder. „Da kommen bei mir auch wieder die Erinnerungen an meine Kindheit in der Kirschenallee hoch.“ Für Neu-Offenbacher: Eine Straße im ehemals wenig vorzeigbaren Marioth-Gelände (heute Waldheim-Süd). SolcheAktionen zeigten, wie schön Multi-Kulti sein könne.

Werner Koch ist ganz Hartwigs Meinung: „Jungen und Mädchen aus 52 Nationen spielen zusammen in gemischten Mannschaften Fußball. Hier wird das Miteinander gelebt, hier lernen die Schüler respektvoll miteinander umzugehen.“ So würden Tugenden geschult, die weit über das Spielfeld hinaus wichtig seien und wichtige Verhaltensmuster für das spätere Leben lieferten.

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Der Mercedes Vito wird samt symbolisch übergroßem Schlüssel von Volker Eggeling übergeben. Man sei froh, solche Projekte unterstützen zu können und sehe eine wichtige Verbindung zwischen Fußball und Respekt, so das Mitglied der Geschäftsleitung vom Mercedes- Benz. Froh ist dementsprechend auch die Schulleiterin Veronika Schneider. Auch, wenn noch nicht klar ist, wie und ob das Auto in den schulischen Alltag integriert werden soll. „Wir sind stolz, gerade mit so einem relativ kleinen Projekt den ersten Platz belegt zu haben. Wir leben Integration als Gesamtpaket.“

Bei den Schülern muss das gefruchtet haben. Fragt man in die Runde, wie sie das Turnier fanden, hört man neben Geschichten über Tore und Siege auch noch etwas anderes. „Wir haben fast alle Fair-Play-Punkte geholt“, sagt der Bachschüler Mohammed aus Pakistan. „Das liegt daran, dass wir so gut zusammen gespielt haben“, ergänzt sein Freund Yalmaz, ebenfalls aus Pakistan. Ohne die Initiative eines Schülers hätte es das Turnier indes wohl gar nicht gegeben. Die Intensivklassenlehrerin und Initiatorin Katerina Plavou erzählt: „Die Idee, so etwas zu organisieren, kam von einem Schüler aus meiner Klasse und hat uns so gut gefallen, dass wir uns an die Arbeit gemacht haben.“

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