Interreligiöses Kunstprojekt im Martin-Luther-Park vereint Bibel, Tora und Koran

Heilige Schriften an einem Ort

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Was auf dieser Fotomontage noch Fiktion ist, wird am 31. Oktober 2017 Realität. Auf dem Steinsockel vor dem Weiher im Martin-Luther-Park wird dann die neue Steinskulptur eingeweiht. Die drei Bücher sollen die Heiligen Schriften der Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum symbolisieren.

Offenbach - Wenn sich am 31. Oktober 2017 der Reformationstag zum 500. Mal jährt, gibt es in Offenbach einen besonderen Grund zum Feiern. Von Steffen Müller 

Dann nämlich wird im Martin-Luther-Park eine Buchskulptur eingeweiht, die den vakanten Platz der 2011 gestohlene Kupferbibel auf dem Steinsockel vor dem Weiher einnimmt. Allerdings wird die neue Bibel nicht als solche deklariert werden. Und aus Kupfer ist sie auch nicht. „Bei der neuen Skulptur aus Stein liegen drei Bücher übereinander. Es handelt sich um ein interreligiöses Kunstprojekt“, erklärt Leonore Blume von Praeludium. Der Förderverein war gemeinsam mit dem Evangelischen Dekanat Offenbach die treibende Kraft für eine neue Skulptur im Luther-Park.

Dass die drei Bücher aus Stein sind, ist eine logische Folge aus der Vergangenheit. Denn zwei Mal wurde die Kupferbibel, die 1984 von dem Bürgeler Künstler Karl-Heinz Oppl gestiftet wurde, bereits von Metalldieben gestohlen. Nach dem ersten Diebstahl 2007 wurde sie 2009 ersetzt. Wieder fertigte Oppl das Modell, stellt nur die Materialkosten in Rechnung. Doch 2011 wurde auch die neue Bibel gestohlen. Seitdem ist der Sockel vor dem Weiher im Luther-Park verwaist. „Die Gefahr vor einem weiteren Diebstahl war zu groß“, begründet Blume die Entscheidung, auf eine weitere Kupferbibel zu verzichten.

Nun also die Steinskulptur, die nicht nur in einem anderen Material, sondern auch in einer neuen Optik erscheint. „Die drei Bücher symbolisieren die Schriften der großen Weltreligionen, Bibel, Koran und Tora“, erklärt Blume. Eine Zuordnung, welches Buch welche Religion repräsentiert, wird es nicht geben. „Für jede Religion ist ihre Heilige Schrift die wichtigste. Wir wollen und können hier keine Vorschriften machen.“ Als Künstler konnte die renommierte Stein-Bildhauerin Anna-Marie Kubach-Willmsen aus Bad Münster gewonnen werden. Das Projekt finanziert sich aus Spenden. Bisher sind 30 000 Euro gesammelt worden.

Mit der neuen Skulptur soll ein Zeichen gesetzt werden. Blume wünscht sich, dass der Luther-Park zu einem Platz wird, an dem Christen, Muslime und Juden zusammenkommen, um gemeinsam eine Andacht zu halten oder sich einfach nur treffen und austauschen. Gespräche darüber finden bereits statt. Auch über eine gemeinsame Einweihungsfeier am Reformationstag 2017 wurde bereits diskutiert. Allerdings ist die Reaktion vor allem von Seiten der muslimischen Gemeinden reserviert. „Hier herrscht eine abwartende Haltung. Es ist schwierig, einen echten Austausch zu bekommen. Das muss im Laufe der Zeit durchbrochen werden“, sagt Blume. „Muslime haben vielleicht eine andere Auffassung von kulturellen Denkmälern“, mutmaßt Dekanin Eva Reiß, die einmal pro Jahr eine Andacht im Luther-Park hält.

„Das Schriftliche aus den Heiligen Büchern eint unsere Religion“, bedauert Reiß, dass der gegenseitige Austausch nicht wie gewünscht stattfindet. „Aus der Tora haben die Christen Glaubenselemente übernommen und Jesus taucht auch im Koran auf. Wir alle beziehen uns aufeinander und haben gemeinsame Wurzeln.“

An der Skulptur gefällt Reiß aber nicht nur die gemeinsame Verbindung der Religionen, sondern auch, dass ein Bezug zu Offenbach besteht. „Die Stadt eignet sich aufgrund ihrer Geschichte für Buchprojekte.“ Zur Erinnerung: 1799 wurde in Offenbach erstmals ein Lithografie-Druck kommerziell angewendet, durch den auch die Vervielfältigung von Büchern vereinfacht wurden.

  • Am Samstag, 8. Oktober, bietet das Evangelische Dekanat einen Ausflug in das Museum und den Steinskulpturenpark der Bildhauerin Anna-Marie Kubach-Willmsen nach Bad Münster an. Dort kann sich ein Überblick über den Schaffensprozess des Kunstprojekts verschafft werden. Anmeldung bis Freitag, 9. September, beim Evangelischen Dekanat unter der Nummer 069/888406 oder ev.dekanat.offenbach@ekhn-net.de

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