Leiterin Birgit von Hellborn über das Jubiläum

Interview: Offenbacher Stadthalle feiert heute 50. Geburtstag

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Birgit von Hellborn ist Geschäftsführerin der Stadthalle. Sie empfiehlt Gästen, sich die Ausstellung mit Plakaten und Tickets aus vergangenen Zeiten anzusehen.

Offenbach - Die Stadthalle feiert heute ihren 50. Geburtstag mit der Kultserie „Beat Beat Beat“. Seit elf Jahren ist Birgit von Hellborn für die kulturellen Geschicke an der Waldstraße zuständig. Im Interview erzählt sie von Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Musiktempels.

50 Jahre Stadthalle – auf was freuen Sie sich am meisten?

Am Jubiläumsabend freue ich mich auf die Ausstellung zur Geschichte der Stadthalle, mit alten Plakaten und Tickets, Bühnenanweisungen und Gästebuch-Einträgen. Sie zeigt, in was für einem tollen und geschichtsträchtigen Haus wir arbeiten.

Was war für Sie das außergewöhnlichste Erlebnis mit und in der Stadthalle?

Da fällt mir spontan das Konzert der Metal-Band Manowar Anfang 2010 ein: An dem Abend gab es eine Bombendrohung, und die Polizei beschloss, den Saal zu räumen. Tausende von Fans mussten gut eine Stunde lang bei minus acht Grad in der Kälte bibbern. Aber es hat alles super geklappt, die Stimmung blieb friedlich, und die Drohung erwies sich zum Glück als Fehlalarm.

Was ist denn das Besondere an der Stadthalle, und wie sieht es mit der regionalen Konkurrenz aus?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass sich die Bühne im Gegensatz zu anderen Häusern an der Querseite der Halle befindet – so haben die Besucher auch vom hintersten Platz aus eine gute Sicht auf das Geschehen. Bei unbestuhlten Konzerten passen hier knapp 4000 Gäste in den Saal: Von der Größe ist da die Jahrhunderthalle in Frankfurt die einzige Konkurrenz. Bei bestuhlten Veranstaltungen sieht es schon anders aus: Da kommt die Alte Oper hinzu, mit deren Ambiente wir nicht mithalten können.

Wie ordnet sich die Stadthalle im Wettbewerb innerhalb der Region ein?

Andere Stadthallen oder Bürgerhäuser sind zwar kleiner, haben aber ganz andere finanzielle Voraussetzungen und werden zum Teil mit zwischen ein und zwei Millionen Euro pro Jahr voll subventioniert. Dafür bemühen wir uns immer wieder um Neues – seien es Messen und Märkte wie der Fashion Flash und die Edelsteinbörse oder Konzerte und Comedy für türkisch- oder russischstämmige Zielgruppen. Wir wollen eine Halle für alle sein und das Beste aus den vorhandenen Gegebenheiten machen.

Welche Modernisierungsmaßnahmen konnten in den letzten Jahren realisiert werden?

Als ich 2005 anfing, haben wir uns gleich den Backstage-Bereich vorgenommen, der war in einem schlimmen Zustand. Die Stadthalle wurde ja ursprünglich in erster Linie als Sporthalle konzipiert, und die Crews der Bands haben damals in Mannschaftsduschen gekocht, gegessen und sich umgezogen. Mit der GBO als Hauseigentümerin haben wir die Sanierung der Duschen vorangetrieben und in einem alten Lager einen schönen Cateringraum sowie Garderoben und Produktionsbüros eingerichtet. Ganz wichtig für uns war 2011 die Verstärkung der Dachlast von fünf auf 13 Tonnen – nur damit konnten wir weiterhin größere Produktionen ermöglichen, denn die Bands reisen ja mittlerweile mit mehreren Trailern voller Licht- und Tontechnik an, die dann über der Bühne aufgehängt werden müssen. Außerdem haben wir die Rangbestuhlung erneuert und die alten Plastikstühle durch gepolsterte Sitze ersetzt. Und quasi als Jubiläumsgeschenk hat uns die GBO in den vergangenen Tagen einen Wärmeschleier am Eingang eingebaut, sodass wir unseren Gästen in der kalten Jahreszeit einen gemütlichen Empfang bereiten können.

Was würden Sie persönlich sich für die Stadthalle wünschen?

Unser Haus hat eine legendäre Geschichte. Unser Team stemmt ein großes Programm, und im Jahr erreichen wir um die 80 000 Besucher. Daher würde ich mir wünschen, dass die Wertschätzung für die Stadthalle steigt und wir mehr Unterstützung für unsere Belange bekommen. Ganz persönlich wünsche ich mir auch für 2017 tolle Konzerte in der Stadthalle – mit 3 Doors Down, den Beginnern und Mark Forster steht in diesem Jahr noch einiges bevor! (pso)

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