In Stadtteilbüro

Islamische Spendengala: Nutzung war ein Missbrauch

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„Neben einem Café und einer Spielecke verfügt das Stadtteilbüro über mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Räume, die von Einzelpersonen und Gruppen nach vorheriger Anmeldung genutzt werden können“, heißt es im städtischen Internetauftritt.

Offenbach - Die Verantwortlichen für das Stadtteilbüro Nordend fühlen sich hinters Licht geführt. Für Anfang August hatte eine Offenbacherin die dortigen Räume gemietet und angegeben, es handele sich um eine Privatveranstaltung. Von Thomas Kirstein 

Tatsächlich stieg am Goetheplatz eine „Benefizgala“ des Darmstädter Vereins „Islamic Care“. Dabei wurden Spenden für nicht näher bezeichnete Projekte in Ostafrika gesammelt. Das Stadtteilbüro ist Bestandteil des Quartiersmanagements der Stadt Offenbach in Kooperation mit der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO). Es steht nach Anmeldung Gruppen, Vereinen und Privatleuten zur Verfügung. Nicht aber für Veranstaltungen mit politischen oder weltanschaulichen Hintergründen, wie Stadtsprecher Fabian El Cheikh erläutert. Als solche aber wird die Spendensammlung nun eingestuft: „Es hat sich im Nachhinein herausgestellt, dass es sich um eine missbräuchliche Nutzung handelt. Hätte man gewusst, dass es sich um ,Islamic Care’ handelt, hätte es keine Räume der Stadt gegeben.“ Der deutschen Anmelderin wurde inzwischen untersagt, noch einmal eine städtische Einrichtung zu nutzen.

Das Problematische am Verein „Islamic Care“, der noch bis Mai dieses Jahres „Al-Ansar“, „die Hilfe“, hieß, ist, dass niemand so recht weiß, was sich dahinter verbirgt. Verbindungen zu ganz konservativen islamischen Gemeinschaften sind aber unverkennbar. Prediger, die bei ihm auftreten durften, haben mindestens Verbindungen zu Salafisten. Laut Polizei ist der Verein legal, allerdings wird die Einschätzung geteilt, dass vor der Zurverfügungstellung öffentlicher Einrichtungen mal genauer hingeschaut werden sollte. Fotos oder Videos im Zusammenhang mit „Islamic Care“ zeigen meist junge Männer mit Attributen, die oft dem islamischen Fundamentalismus zugeordnet werden – typische Barttracht, Bet-Mal auf der Stirn.

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Auf seiner Homepage distanziert sich „Islamic Care“ von Gewalt und politischen Gruppierungen. Man leiste humanitäre Hilfe für notleidende Menschen. Dass das alles sei, zweifelt die Offenbacher Sozialdemokratin Sigrid Hermann-Marschall an, die seit langem in ihrem Blog gegen fundamentalistische Umtriebe Stellung bezieht. Mit einem gefälligeren Namen versuche man, über die islamistische Grundlinie hinwegzutäuschen. Wofür das für die Mildtätigkeit eingeworbene Geld verwendet werde, sei ganz unklar. Die Veranstaltung im Stadtteilbüros soll im multikulturell geprägten Nordend übrigens 1700 Euro erbracht haben.

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