Ausbreitung besorgt Pferdebesitzer und Umweltamt

Jakobskreuzkraut: Giftpflanze auf dem Vormarsch

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Auch Sabine Woggon aus Rumpenheim hat Angst um ihre Pferde, denn dieses Jahr ist die Ausbreitung des Jakobskreuzkraut besonders schlimm. Die Alkaloide können auch bei Kühen, Ziegen und Schafen zu Leberzirrhose mit tödlichen Folgen führen.

Offenbach - Pferdebesitzer beobachten es mit Sorge: Ein heimtückisches Gewächs breitet sich aus wie nie, die Gefahr, dass ahnungslose Spaziergänger auf den Koppeln stehende Tiere damit füttern, ist groß. Inzwischen warnt das Offenbacher Umweltamt vor dem giftigen Jakobskreuzkraut.

Der Klimawandel ist schuld. Das Jakobskreuzkraut gibt es zwar schon seit 2000 Jahren in unseren Breiten, doch erst in jüngerer Zeit bahnt es sich verstärkt seinen Weg auf Weideflächen und Wiesen Deutschlands. Umweltamtschefin Heike Hollerbach: „Als giftige Art, die für den Verzehr ungeeignet ist, stellt es für Pflanzenfresser eine Gefahr dar.“ Allerdings ist es, wie andere toxische Wildpflanzen auch, ein unentbehrlicher Bestandteil der hiesigen Vegetation. Mit einfachen, ökologisch vertretbaren Mitteln kann es von landwirtschaftlich genutzten Flächen ferngehalten werden. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen empfiehlt, die Samenbildung zu verhindern und so die Einwanderung in Grünland abzuwehren. Dass Behörden etwas gegen die Verbreitung unternehmen, ist nicht vorgesehen. „Weil die Wirkung dieser Stoffe allein von der Nutzung der Pflanzen abhängt und durch die Pflanze keine generelle Gefährdungssituationen für die öffentliche Sicherheit oder den Naturhaushalt entsteht“, erläutert Hollerbach.

Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaeae), auch Jakobs-Greiskraut genannt, ist eine zweijährige Pflanze, zwischen 30 und 120 Zentimeter hoch. Im zweiten Jahr entwickelt es leuchtend gelbe Zungenblüten, in denen sich die höchste Konzentration an giftigen Pyrrolizidinalkaloiden befindet. Grundsätzlich halten Bitter- und Geruchsstoffe Tiere vom Verzehr ab. Jedoch ist dieses Kraut giftig, bevor es bitter wird – eine Falle, besonders für Jungtiere. Hinzu kommt, dass sich die Alkaloide in konserviertem Futter nicht abbauen. Der Duft von Heu oder Gärsäuren überdeckt den abstoßenden Eigengeruch der Pflanze.

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Seine hauptsächliche natürliche Verbreitung hat das Jakobskreuzkraut in den steppenartigen Lebensräumen Vorderasiens und des Mittelmeerraumes. In Deutschland ist das Kraut meist an Weg- und Straßenrändern, Bahndämmen oder auf Brachäckern, weniger auf intensiv genutztem Wiesen- und Weideland zu finden.

Erst nach dem extrem trockenen, nahezu frostfreien, Winter 2006/2007 trat es erstmals in größerer Anzahl auf Wiesen und Weiden auf. Im Zuge des Klimawandels ist künftig mit länger andauernden Trockenperioden mit „Steppenklima“ zu rechnen. „Dadurch wird sich das Jakobskreuzkraut auch in der Zukunft weiter verbreiten“, sind sich Amtsleiterin Hollerbach und ihre Experten sicher. Als Gegenmaßnahme empfehlen sie: Am besten ist es, Einzelpflanzen inklusive ihrer Wurzel auszustechen oder die Pflanzen zu Blütebeginn und auch bei wiederholter Blüte des Nachtriebs abzumähen. Ob ausgestochen oder gemäht, alles muss vernichtet werden. Zum Dichthalten der Grasnarbe empfiehlt sich die jährliche Übersaat lichter Stellen. Hollerbach: „Wir bitten alle Landwirte und Eigentümer von Flächen die entsprechenden Gegenmaßnahmen zu ergreifen.“ (tk)

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