Themenparks und Programm

Beim Jugendkirchentag mal etwas anderes erleben

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Wieder den Individualismus: Beim „Group-Art-Expermiment“ der Jugendwerkstatt Gießen ist wie bei vielen anderen Angeboten beim Jugendkirchentag Teamarbeit gefragt. Im Minutentakt wechseln die Bilder die Künstler, so dass am Ende Gemälde im Kollektiv entstehen.

Offenbach - Durch das aufgeregte Stimmengewirr beim Jugendkirchentag (JUKT) hört man am Freitagmorgen vor allem eines: Anfeuerungsrufe. Gerade haben sich die ersten von insgesamt 60 Gruppen auf die Konfi-Rallye gemacht. Von Christian Wachter 

Das ist eine Schnitzeljagd für Konfirmanden, die durch alle fünf Themenparks zwischen Mainvorgelände und Innenstadt führt und bei der verschiedene Herausforderungen zu bestehen sind. Da gilt es etwa an spinnennetzartigen Seilen hochzuklettern, Säfte am Geschmack zu erkennen oder zielsicher mit dem Bogen zu schießen. Die Konfis müssen sich im Vorfeld bei Leiter Robert Mehr anmelden. Und der Andrang ist groß. Eine Gruppe aus Wien hat es nur ins Teilnehmerfeld geschafft, weil eine andere abgesagt hat, erzählt der Fachberater für die Kinder- und Jugendarbeit in der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau.

„Bei der Rallye geht es hauptsächlich um Gemeinschaft, darum, dass man zusammen etwas erreichen kann“, erklärt Mehr. Damit gibt er den Grundgedanken vor, der häufiger von den Organisatoren und Ehrenamtlichen zu hören ist. Die Themenparks versuchen, ihre Namen zum Programm zu machen: Sie sie sind „Offen für Schöpfung/Dialog/Frieden/Gerechtigkeit/Kulturen“. So ist ein Angebot im Themenpark „Gerechtigkeit“ das gemeinsame Erstellen eines Bildes. Nach wenigen Minuten wird ein Gemälde weitergereicht, und der Sitznachbar malt weiter. Die Leitung hat die Jugendwerkstatt Gießen.

Organisatorin Cloé Cerri verfolgt mit dem spielerischen Malen einen ganz besonderen Zweck: „Die Jugendlichen sollen lernen, dass jeder etwas zu Gerechtigkeit beitragen kann und das man dabei auch akzeptieren muss, dass man Ideen gemeinschaftlich entwickelt.“ Nebenan lädt die Christoffel-Blindenmission (CBM) die Jugendlichen ein, sich einmal im Rollstuhl zu versuchen. Und das unter erschwerten Bedingungen. Sie müssen einen Hindernisparcours überwinden. „Damit wollen wir ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es auch in ärmeren Ländern Menschen mit Behinderungen gibt und diese oft nicht einmal auf einer geteerten Straße mit ihrem Rollstuhl fahren können“, erläutert Steffen Zellfelder

Im Themenpark „Frieden“ wiederum gibt es neben dem am Mainufer vertäuten Schiff auch einen Kletterturm. Der stehe da nicht einfach so, erzählt Hendrik Lohse vom Evangelischen Jugendwerk: „Wir wollen klar machen, dass Frieden eine Herausforderung ist, die man nur erreichen kann, wenn man auch mal einen Schritt zurückgeht.“ Auch wenn die Angebote begeistert aufgenommen werden – fragt man in die Runde, auf was sich die Teilnehmer am meisten freuen, bekommt man häufig erklärt: „Auf die Party auf dem Schiff natürlich“ und „auf den Hochseilgarten“.

Bilder: Jugendkirchentag in Offenbach

Der Hochseilgarten findet sich im Büsingpark im Themenpark „Schöpfung“. Dort kann man sich auf einer Seilbahn, Balancierseilen oder einer Riesenschaukel den Jugendkirchentag von oben betrachten. Wie so viele ist auch die Pfarrerin Anne Tennekes von der Luther-Gemeine in Worms mit ihren Jugendlichen dorthin auf den Weg. Der JUKT, erzählt sie, sei eine tolle Gelegenheit, um sich untereinander und auch andere kennenzulernen. Bedenken, ihre Konfirmanden auch einmal alleine losziehen zu lassen, hat sie nicht. „Ich kann mich auf die Jungs und Mädels verlassen, außerdem ist hier alles top organisiert, und man muss Jugendliche auch einmal selbst ihre Fähigkeiten entdecken lassen.“

Den letzten Satz dürfte Christian Leitner von der Evangelischen Jugend im Dekanat Büdinger Land vorbehaltslos unterschreiben. Zusammen mit vielen Ehrenamtlichen ist er für den Seilgarten verantwortlich. „Uns geht es um Spiritualität, den Blick von oben aber auch um das Austesten von Grenzen.“ Eine der ehrenamtlichen Helferinnen ist die 18-jährige Jasmin. Sie steht an der Riesenschaukel und erklärt, warum sie wie so viele andere gerne ihre Zeit opfert: „Wie den Gästen geht es auch uns um Gemeinschaft und darum, auch mal etwas anderes zu erleben.“

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