Unter Wasser beschäftigen sich Besucher mit religiösen Fragen

Jugendkirchentag: Sinnsuche im Tauchbecken

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Auf der Suche nach der Reformation bleibt noch genügend Zeit für Faxen mit dem Tauchlehrer: Im Container mit fast 40.000 Litern konnten sich Kinder und Erwachsene in der Wassersportart austoben und sollten im Becken versteckte Karten zur kirchlichen Erneuerungsbewegung Martin Luthers finden.

Offenbach - Ein Tauchkurs mitten in der Innenstadt? Diese Aktion des Jugendkirchentags begeisterte nicht nur jene, die tatsächlich abtauchten, sondern auch viele Passanten. Doch neben dem Spaß sollten sich die Teilnehmer an eine knifflige religiöse Aufgabe wagen: Die Suche nach der Reformation. Von Julia Radgen 

Luis fröstelt. In sein Handtuch gehüllt, ist er dankbar für den warmen Tee, den ihm eine Mitarbeiterin der evangelischen Jugend Groß-Gerau und Rüsselsheim reicht. „Die Taucherbrillen waren entweder zu groß oder zu klein“, beklagt der Achtjährige. Seine sei ihm deshalb vom Gesicht gerutscht und Wasser in die Augen gestiegen. Es ist der erste Tauchversuch gewesen für den Jungen aus Iserlohn. „Ein bisschen leichter hast du’s dir schon vorgestellt, oder?“, fragt die Mama. Luis nickt, ist aber fest entschlossen: „Ich werd’s auf jeden Fall nochmal versuchen!“ Nicht in Offenbach, aber im Urlaub. Zwischen Imbissen und Einzelhändlern zu tauchen, ist einzigartig. Der große, leuchtend blaue Container am Aliceplatz, der für den Jugendkirchentag aufgestellt wurde, gehörte schon früh zu den Attraktionen der Großveranstaltung der Evangelischen Kirche Hessen Nassau.

Schnell umringt eine Menschentraube den 40 Kubikmeter Wasser fassenden Tauchtruck. Ein kleiner Junge telefoniert aufgeregt: „Papa, du musst kommen, hier kann man tauchen!“ Von einer Gruppe Jugendlicher hört man Ausrufe wie „Das ist ja geil!“ und „Wahnsinn!“ Und ein kleiner Junge fragt seinen Vater im Vorbeigehen, ob der Container denn sauber sei. Alex Kurz kann ihn beruhigen. „Das Wasser ist gefiltert und auf 35 Grad geheizt“, sagt der Dekanatsjugendreferent aus dem Kreis Groß-Gerau. Begleitet wird jeder Tauchwillige von einem Lehrer eines lokalen Clubs. Die Profis tragen Neoprenanzüge, die Besucher können in Badekleidung abtauchen. Leihsachen und ein Umkleidezelt stehen bereit.

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Die Aktion der evangelischen Jugend Groß-Gerau und Rüsselsheim soll aber mehr sein als ein kostenloser Workshop. Selbst wenn Kurz zugibt: „Für die meisten steht das Tauchen klar im Vordergrund.“ Die Jugendlichen ab acht Jahren werden nicht nur mit einer Sauerstoffflasche ins Nass geschickt, sondern auch mit einer Aufgabe. „Wir haben 200 Kärtchen im Becken versteckt, darunter sind nur 50 mit richtigen Hinweise zur Reformation“, erklärt Kurz. Für die Taucher gilt es, die richtigen Karten herauszufinden und sich nicht von falschen Fährten irritieren zu lassen. Auf sie sind Text und Bilder gedruckt, es wird nach Jesus’ Geburtsdatum oder der Sprache des Alten Testaments gefragt. Die Aktion passe zum 500-jährigen Jubiläum der Erneuerungsbewegung im kommenden Jahr, so Kurz.

Bilder: Jugendkirchentag in Offenbach

Das ist während eines zehnminütigen Tauchgangs zu erledigen, bei dem der ein oder andere noch mit Widrigkeiten der Ausrüstung und des Wasserdrucks zu kämpfen hat. Keine leichte Aufgabe. Während sich der achtjährige Luis vollkommen auf den Unterwassersport konzentriert, hat der 14-Jährige Maxi mehr Erfolg mit der Aufgabe. „Ich hatte zwar erst ein bisschen Angst, weil es sich komisch angefühlt hat“, gibt der Junge zu. Der Tauchlehrer habe ihm aber erklärt, wie er am besten atmen solle. „Es war ziemlich schön“, resümiert der 14-Jährige, „ein bisschen wie schwerelos sein.“ Was die Zuordnung der versteckten Karten angeht, ist Maxi optimistisch: „Ich glaube, ich habe die richtigen erwischt.“ Gut vorbereitet war der Offenbacher ohnehin: „Ich wurde vor kurzem konfirmiert und habe einiges über Martin Luther gewusst.“

Aber ganz gleich, ob alle Hinweise entschlüsselt werden, jeder Teilnehmer erhält am Ende ein gerahmtes Erinnerungsbild von seinem Tauchgang. Vielleicht denkt so mancher beim nächsten Tauchausflug an seine Premiere in Offenbach – und an den großen deutschen Reformator.

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