Streit um OB-Kandidatin der CDU

Juso-Attacke auf „Zockerin“

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CDU-Parteichef Stefan Grüttner (Mitte) und Stadtkämmerer Peter Freier sind von Jutta Nothacker als OB-Kandidatin überzeugt.

Offenbach - Die CDU-Oberbürgermeisterkandidatin ist noch nicht offiziell nominiert, da wird sie schon unter Beschuss genommen.

Die Offenbacher Jungsozialisten haben in der Vergangenheit von Jutta Nothacker gewühlt und fordern Stadtkämmerer Peter Freier (CDU) auf, der Bewerberin seine Unterstützung zu versagen. Freier will als Magistratsmitglied nichts dazu sagen, lässt nur anklingen, dass die Union unverdrossen zu der Frau stehe, mit der sie in den Direktwahlkampf ziehen will. Was die Jusos aktuell zum Thema machen wollen: Als seinerzeitige Kämmerin im Rheingau-Taunus-Kreis habe Jutta Nothacker einen der größten öffentlichen Finanzskandale der vergangenen Jahre mitverursacht, schelten sie. Die Verantwortlichen in Bad Schwalbach hatten zu Zeiten einer Großen Koalition von 2006 bis 2008 Kassenkredite in Schweizer Franken aufgenommen, weil der Kurs günstig erschien; am Ende stand aber ein Verlust von 70 Millionen Euro.

Beteiligt an der Pleite waren zunächst der SPD-Landrat Burkhard Albers und nach ihrem Amtsantritt CDU-Kämmerin Nothacker, die zwei der beschlossenen Kreditvorlagen unterzeichnete – ihr sei auch nichts anderes übrig geblieben, heißt es bei der Offenbacher CDU. Die Kommunalpolitikerin war wegen veränderter Mehrheiten 2011 abgewählt worden. „Aus irgendwelchen Gründen hat die CDU diesen Teil der Vita Nothackers in der Kandidateninformation außen vor gelassen“, stichelt der Offenbacher Juso-Vorsitzende Philipp Türmer und schießt scharf: „Was hat eine Frau, die es schafft, einen Landkreis im Speckgürtel Frankfurts finanziell zu Grunde zu richten, in Offenbach verloren?“

Die Nachwuchsgenossen fordern Kämmerer Freier auf, die theoretische Möglichkeit zu verhindern, „dass eine Zockerin ins Offenbacher Rathaus einzieht“. Der „erfolgreiche Kurs“ des abgewählten Kämmerer Felix Schwenke – das ist der örtliche SPD-Vorsitzende – dürfe auf keinen Fall gefährdet werden: „Es ist lachhaft, dass eine Partei, die stets anführt, die Wirtschaftskompetenz schlechthin zu haben, sich einen solchen Lapsus leistet.“

Nebeneinkünfte der Politiker: Top 10 in Hessen

Jutta Nothacker sei nach ihrem Ausscheiden von der hessischen CDU halbherzig auf der Stelle als Teilzeitgeschäftsführerin der Stiftung „Flughafen Frankfurt“ geparkt worden. Vor ihrer Zeit im Rheingau-Taunus-Kreis war die Politikerin Bürgermeisterin der Taunus-Gemeinde Glashütten gewesen und hatte auch einmal als Landrätin kandidiert. Die Offenbacher Jusos unterstellen der lokalen CDU auch, mit dieser Personalentscheidung klarstellen zu wollen, dass sich der grüne Koalitionspartner Peter Schneider keine Hoffnungen auf eine unterstützte OB-Kandidatur zu machen brauche. (tk)

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