Stiefvater angeklagt

Kein Deal im Prozess um Missbrauch

Offenbach - Im zweiten Anlauf ist gestern vor dem Landgericht Darmstadt ein Prozess wegen sexuellen Missbrauchs eines Mädchens durch seinen Stiefvater gestartet. Beim ersten Versuch Mitte Februar dieses Jahres war der 55-jährige Angeklagte G. nicht erschienen und auch nicht auffindbar. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Der Vorsitzende Richter der dritten Strafkammer, Jens Aßling, erließ daraufhin einen Haftbefehl. Seit dem 6. Juni sitzt der Offenbacher nun in der Weiterstädter Untersuchungshaft. Zu Beginn der Verhandlung brachte Verteidiger Michael Radeck gleich mehrere Anträge ein. Die Anregung, sofort ein verfahrensbeendendes Rechtsgespräch zu führen, lehnte Aßling ab. Allerdings ließ der Richter durchblicken, dass sich ein Geständnis des Angeklagten strafmildernd auswirken könnte.

Was die Verteidigung veranlasste, für die Aussagen des Offenbachers und seiner Tochter einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit zu stellen. Wider Erwarten gab Aßling diesem Antrag statt – was ungewöhnlich erscheint, denn das Privatleben eines erwachsenen potenziellen Sexualstraftäters wird vor Gericht normalerweise nicht unter Verschluss gehalten. So mussten sich die Prozessbeobachter mit der kurzen Anklageschrift zufrieden geben. Kurz deshalb, weil: „Es stehen viel mehr Vorwürfe im Raum, als tatsächlich angeklagt sind“, so der Richter.

Die Staatsanwaltschaft wirft G. vor, sich in vier Fällen an seiner Stieftochter vergangen zu haben, die zum Zeitpunkt der Taten zwischen fünf und 15 Jahren alt gewesen sein soll. 1998 oder 1999 soll der Offenbacher das Kind zum ersten Mal angefasst haben. Als es elf Jahre alt war, soll er sich ein weiteres Mal an ihm vergangen haben. Ein Jahr später soll er seine Stieftochter entjungfert haben – inzwischen war die Familie nach Kaltenholzhausen gezogen. 2009, der Wohnort war nun Dietzenbach, brachte die damals 16-Jährige ein Kind zur Welt, dessen Vater der Angeklagte sein soll. Das Urteil wird in der nächsten Woche erwartet.

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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