Ohne Strom, Wasser und Heizung

Stadt reagiert auf Zustände in der Luisenstraße 24

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Ein Fall für viele Ämter: Luisenstraße 24.

Offenbach - Niemand braucht viel Fantasie, um sich die Entwicklung eines von bis zu 80 Menschen bewohnten Gebäudes vorzustellen, das von Wasser- und Stromversorgung abgeschnitten ist. Programmiert sind slumartige Zustände mitten in der Stadt. Von Thomas Kirstein 

Deren Verwaltung will deshalb nicht tatenlos zusehen, was aus dem Mehrfamilienhaus Luisenstraße 24 wird. „Wir nehmen die Liegenschaft unter allen Aspekten genau unter die Lupe“, versichert Ordnungs- und Sozialdezernent Felix Schwenke (SPD).

Wie berichtet, hat die Energieversorgung Offenbach (EVO) am 10. Februar die Leitungen gekappt. Jahrelange Bemühungen, vom Eigentümer des größten Teils der 13 Wohnungen Zahlungen zu erhalten, waren erfolglos geblieben. Seit 2010 aufgelaufene, auch vom Gerichtsvollzieher nicht einzutreibende Außenstände des Vermieters, der sich in der Türkei aufhält, sollen sich auf 50.000 Euro summieren. Mehrere schriftlich in der Liegenschaft ausgehängte Angebote an die Mieter (2013, 2014, Anfang 2015), die monatlichen Abschläge direkt an die EVO zu überweisen, seien ohne Reaktion geblieben, heißt es beim Stromversorger.

Laut Sprecher Harald Hofmann sind die Wasseruhren bereits im Oktober 2014 mehrfach abgeklemmt, von Unbekannten aber immer wieder in Betrieb genommen worden. Jetzt hat eine Tiefbaufirma dort abgeriegelt, wo kein Laie Zugriff bekommt. Das wirkt sich auf die Heizung aus. Von 13 Einheiten, so Hofmann, seien jedoch vier weiter mit Elektrizität versorgt, weil deren Bewohner regelmäßig zahlten. Nach dem gestrigen Bericht unserer Zeitung über die Vorgänge an der Luisenstraße hat der zuständige Dezernent ein koordiniertes Vorgehen seiner betroffenen Ämter angekündigt. „Wir müssen auch das Umfeld schützen“, erklärt Felix Schwenke. Gesundheitsamt, Sozialamt mit Mainarbeit, Bauaufsicht und Ordnungsamt wollen nach einer gemeinsamen Begehung weitere Schritte erörtern. Zu verhindern sind unhygienische, Krankheiten befördernde Zustände; zu klären ist, auch melderechtlich, die Frage einer eventuellen Überbelegung des Hauses. Es werde keine Lösung auf einen Schlag geben, dämpft Felix Schwenke Erwartungen, doch nach und nach werde sicher Wirkung erzielt.

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Der Sozial- und Ordnungsdezernent, als Stadtkämmerer auch für die Finanzen zuständig, will unterdessen keinen Zweifel daran lassen, dass es für ihn ausgeschlossen ist, mit Steuergeld einzuspringen: „Wir werden doch nicht indirekt dubiose Vermieter subventionieren, indem wir denen staatliches Geld in den Rachen schmeißen.“ Wenn den Menschen in der Luisenstraße 24 geholfen werden soll, muss sich wohl der für den Konflikt verantwortliche Eigentümer auf die EVO zubewegen.

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