Urteil nach Kickbox-Klage

Offenbach (mcr) -  Freispruch für Kickbox-Anklage, zehn Monate Haft für Suff und Drogen am Steuer:  Gerald D. ist schon wieder im Gefängnis. Weil er im August 2007 mit 1,37 Promille Alkohol und Kokainresten im Blut durch Bieber gefahren ist.

Und weil er in einer Mainacht letzten Jahres mit 2,89 Promille einer Kommissarin einen blauen Fleck ans Schienbein getreten hat, als die ihn im Hof einer Mühlheimer Großbäckerei festnehmen wollte. Für den mit Abstand spannendsten Posten der von Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg verfassten Anklageschrift (wir berichteten) allerdings muss D. nicht sitzen - im Zweifel für den Angeklagten.

Große Zweifel, dass Gerald D. dem Sporttrainer Deniz A. im Mai 2008 am Rande eines Kickbox-Turniers in der Halle der Edith-Stein-Schule den Kiefer doppelt gebrochen hat, plagten Stefan Mohr als Vorsitzenden Richter des Offenbacher Schöffengericht zwar nicht. Noch dazu, weil D. zugegeben hat, Deniz A. kräftig eine verpasst zu haben. Allein, Mohr: „Dass er nicht in Notwehr gehandelt hat, wie er sagt, das war ihm nicht zu beweisen.“

An Ärger mangelt es weder D. noch A.

Also Freispruch, zumindest in diesem Punkt, und zehn Monate Haft ohne Bewährung für Suff und Drogen am Steuer, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchte Körperverletzung. Dass D. glimpflich davon gekommen ist, hat er ausgerechnet seinem mutmaßlichen Opfer zu verdanken. Denn Deniz A. sagte aus, dass er zwar geschlagen worden sei, seinen Peiniger aber nicht in D. sehe, sondern in einem „Unbekannten“.

An Ärger mangelt es weder D. noch A. seit langer Zeit. Beide wurden aus der Untersuchungshaft unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in den Gerichtssaal geführt. D., dessen Kerbholz längst zu Sägemehl verfallen ist, hat viele Jahre hinter Gittern gesessen - Raub, Erpressung, Gewalt. Und A. wird sich bald wegen noch schlimmerer Taten verantworten.

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