Kita-Kündigung über Nacht

Eltern-Kritik wird in Bürgeler Kita nicht immer gerne gesehen

Offenbach - Die Suche nach einem Platz in einer Krabbelgruppe kann oft langwierig sein. Wie ein Fall aus Bürgel zeigt, sollte man es sich da manchmal gut überlegen, ob man Kritik an der Leitung äußert. Von Christian Wachter 

Die Werbebotschaft in dem Video auf der Internetplattform Youtube ist eindeutig. „Wir nehmen uns viel Zeit, um das Vertrauen der Eltern und der Kinder zu gewinnen“, heißt es über die Krabbelstube Regenbogen, die in freier Trägerschaft mit dem Jugendamt kooperiert. Das sei ein wichtiger Bestandteil, um gelassen voneinander zu lernen. Dass die Realität manchmal etwas anders aussehen kann, musste Erika K. (Name von der Redaktion geändert) erfahren. Ab Januar hatte ihr einjähriger Sohn einen Platz, zwei Monate später flatterte schon die Kündigung des Vertrags ins Haus. „Aufgrund von verhaltensbedingten Gründen“, wie es in dem Dokument heißt. Gemeint war nicht das Verhalten ihres Sohnes, sondern ihr eigenes.

Was die Krabbelstubenleitung so nachhaltig empört haben könnte, darüber rätselt die junge Mutter. Sicher, es habe Unstimmigkeiten gegeben. So sei die Einrichtung täglich von 7.15 bis 15.45 Uhr geöffnet gewesen, nicht wie vertraglich vereinbart von 7 bis 16 Uhr. Vom Konto abgebucht habe man zudem 226 Euro zuzüglich Essensgeld. Die Beitragsordnung der Stadt, an die sich bezuschusste Betreuungseinrichtungen halten müssen, sieht für einen Zeitraum von acht bis achteinhalb Stunden täglich allerdings nur 188 Euro vor. Als K. die Leiterin darauf hinwies, habe diese perplex und etwas verärgert reagiert, die Öffnungszeiten aber angepasst.

Zu einem kleinen Streit sei es gekommen, als aus einer Krabbelgruppe zwei gemacht werden sollten: „Als ich gefragt habe, ob mein Kind weiterhin von der Erzieherin betreut werden könnte, an die es sich schon gewöhnt hat, zeigte die Leiterin wenig Verständnis“, erzählt die Mutter. Danach habe man etwas hitzig debattiert, auch über ihren Wunsch, ihr Kind möge doch bitte mit dem Schnuller nach Hause kommen, den es morgens mitnehme.

Zweimal traf sich K. mit der Leiterin zu einem Gespräch, danach sei fristlos gekündigt worden. Die Kündigung sei an einem Donnerstagabend im E-Mail-Posteingang gewesen, und habe dazu aufgefordert, alle Gegenstände des Kindes noch bis zum nächsten Tag abzuholen, berichtet Erika K. Für die wieder schwangere Mutter eine Hiobsbotschaft. Sie und ihr Mann sind beide berufstätig, da wird eine Kündigung von heute auf morgen zur logistischen Herausforderung. „Am meisten ärgert mich, wie machtlos ich mich gefühlt habe und das es keine Chance auf ein klärendes Gespräch gab. Hätte ich meine Einwände doch besser für mich behalten.“

Eine Kündigung mit sofortiger Wirkung sieht der Vertrag zwar vor, allerdings nur aus „wichtigem Grund“. Die Frage, weshalb solche Diskussionen bereits einen wichtigen Grund darstellen, wollte die Leiterin der Krabbelstube auf Anfrage unserer Zeitung nicht beantworten. Gleiches gilt für den Streitpunkt, ob die Öffnungszeiten zwischenzeitlich vertragswidrig geändert worden seien. Das sei, so die Leiterin, eher eine Sache für die Gerichte als für eine Zeitung. Ausserdem gebe es Kündigungen ja beispielsweise auch bei einem Vertrag zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Familie K. hat inzwischen wieder einen Betreuungsplatz für ihren Sohn gefunden - mit Hilfe des Jugendamtes. Dieses ist auch über die Kündigung informiert und will den Fall jetzt prüfen. Man habe die Krabbelstube aufgefordert, dem Amt alle Vertragsunterlagen zukommen zu lassen, sagt Behördenleiter Hermann Dorenburg. Schließlich sei jede Einrichtung, die Betriebskostenzuschüsse bekomme, verpflichtet, sich an die Beitragsordnung zu halten. Ob allerdings die Kündigung für den Sohn von Familie K. gerechtfertigt war, wird das Jugendamt nicht klären können, weil in dem Streit das Privatrecht gilt.

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