Durch Umbau

Klingspor-Direktor erhofft sich neue Wahrnehmung des Museums

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Wo sonst Vitrinen stehen, wird gerade gebaut: Zum Wohle des Bestandes bekommt das Klingspor-Museum eine Klimaanlage. Museumsdirektor Stefan Soltek freut sich ebenfalls darüber, dass der Ausstellungsraum im Zuge der Umbauarbeiten etwas höher wird und eine neue Beleuchtung erhält.

Offenbach - Während Besuchern der Zugang zum Ausstellungssaal des Klingspor-Museums derzeit verwehrt bleibt, gehen Handwerker ein und aus. Das Archiv und der Saal erhalten eine Klimaanlage. Räumliche Veränderungen sollen außerdem ein neue Wahrnehmung der Exponate bei Besuchern schaffen. Von Christian Wachter

Stefan Solteks Augen leuchten, als er im leeren Ausstellungssaal des Klingspor-Museums steht. Endlich, so der Museumsdirektor, habe man sich der abgesenkten Decke aus den 70er Jahren entledigen können. Der Raum sei nun höher und auch durch eine neue Beleuchtung könne man das Besondere der Exponate der internationalen Buch- und Schriftkunst bald besser zeigen. Decke und Beleuchtung sind dabei ein Nebeneffekt einer größeren Umbaumaßnahme. Sowohl das Archiv als auch der Ausstellungssaal erhalten derzeit eine neue Klimatisierung, weshalb der Saal auch noch bis zum 13. Oktober für Besucher geschlossen ist. „Eine stabile Temperatur von circa 20 Grad und höchstens 50 Prozent Luftfeuchtigkeit sind für unseren Bestand von zentraler Bedeutung“, erklärt Soltek.

Schwankende Temperaturen könnten das Papier von Büchern wellig machen oder bei Einbänden und Stoffen dafür sorgen, dass sich die Farbe ändere oder gleich ganz abbröckele. „Außerdem haben wir durch die Modernisierung die Chance, hochkarätige Leihgaben zu erhalten“, so Soltek. Für die konstante Temperatur sorgen Lüftungskanäle, die zwischen den Regalreihen des Archivs und durch den Ausstellungssaal verlaufen werden. Das Kühlgerät, das die Luft einspeist, soll auf der Terrasse zwischen Flügel- und Hauptbalkon stehen. Der Umbau, erläutert Soltek, werde vom städtischen Bauamt betreut und sei ein Zusammenspiel von Elektrikern, Malern, Trockenbauern und Kühltechnikern.

Dass die Kosten von insgesamt 400.000 Euro überhaupt zu stemmen waren, liege auch daran, dass man vom letzten Umbau noch ungefähr 60.000 Euro vom privaten Förderverein übrig gehabt habe. Zuletzt wurde das Dachgeschoss rekonstruiert und 2011 eingeweiht. Mit dieser Basis habe man eine Unterstützung vom Land beantragen können und auch die Stadt habe sich in ganz erheblichem Maße beteiligt.

Wenn das Museum Mitte Oktober wieder öffnet, werden die Gäste auch ein verändertes Raumkonzept vorfinden. So soll der Büroraum im Erdgeschoss einem Museumsladen weichen. Perspektivisch, so Soltek, könne er sich auch ein kleines Café vorstellen. Auch im ersten Stock wird sich etwas ändern: In einem bisherigen Ausstellungsraum sitzen dann auf der einen Seite die Bibliothekare, während auf der anderen ein neuer Lesesaal eingerichtet wird. „Wir wollen nicht einfach nur eine Klimaanlage einbauen, sondern eine neue Wahrnehmung schaffen und die Begegnung mit der Sammlung neu akzentuieren,“ betont Soltek. Die Menschen wüssten oft gar nicht, welche Schätze sie sich von den Bibliothekaren zeigen lassen und ohne große bürokratische Hürden im Lesesaal begutachten könnten.

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Komplett zufrieden gestellt ist Soltek allerdings noch nicht. „Es ist ein großer Schritt nach vorne, aber wegen unserer Bestandsgröße hoffen wir, irgendwann auch neue Räume zu erhalten.“

Wer schon vor der Wiedereröffnung einen Blick ins Museum werfen möchte, findet am Sonntag, 11. September, 17 Uhr, dazu Gelegenheit. Der Vortagsabend „Two Hearts in New York“ befasst sich mit den Anschlägen vom 11. September 2001. Zu Gast ist die Künstlerin Barbara Farner, außerdem werden vom Museumsdirektor die Entwürfe einer Reisegeschichte von Käthe Steinitz vorgestellt, die 1936 aus Deutschland nach New York floh.

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