Sana-Klinikum schafft die Wende

Klinikum Offenbach: Operation und Kur gelungen

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Nach dem Abriss des Strahlenbunkers freier Blick auf die Fassade: Zwischen Parkhaus und Bettenhaus soll die „Ruhe ausstrahlende grüne Mitte“ entstehen. Für den vom Land mit 8,5 Millionen geförderten Neubau der Psychiatrie laufen die Planungen an.

Offenbach - Davon haben Offenbacher Krankenhaus-Verantwortliche lange geträumt: dass die Ausgaben für den Klinikbetrieb nicht die Einnahmen überschreiten. Von Thomas Kirstein 

Was unter kommunalpolitischer Aufsicht jahrelang nicht vergönnt war, darf drei Jahre nach dem Zwangsverkauf der Sana-Konzern verkünden: Am Ende des Geschäftsjahrs 2015 bleibt ein Gewinn von 1,1 Millionen Euro übrig. Eigentlich war für die sprichwörtliche „Schwarze Null“ das Jahr 2018 angepeilt. Geschäftsführer Sascha John kann sie aber schon für das vergangene Jahr als überwunden abhaken. Ein nicht unerheblicher Aufstieg aus den wirtschaftlichen Tiefen eines kommunalen Krankenhauses: 2012 belief sich das Defizit aus dem reinen Betrieb auf 27 Millionen Euro. Der Schuldendienst für den 200-Millionen-Euro-Neubau addierte sich noch. Nach dem vom Land verordneten Verkauf für einen symbolischen Euro (viele Offenbacher sprechen noch von einem Geschenk) blieb eine Last von 300 Millionen Euro an der Stadt hängen.

Unabhängig von politischen Vorgaben hat Sana seit Juli 2013 vieles für seine Bilanz richtig machen können. Klinikchef John nennt die beiden Säulen: Reduzierung der Kosten besonders durch Nutzung der Einkaufvorteile eines bundesweiten Konzerns; deutliche Steigerung der Zahl der stationären Patienten (von unter 34.000 bis 2012 auf nunmehr 37.513, das sind 2000 mehr als im Vorjahr). Das erhöht den Umsatz auf 173,3 Millionen Euro. 2012 waren es 27 Millionen weniger gewesen.

Professor Norbert Rilinger, unter städtischer wie privater Hoheit der Ärztliche Direktor am Starkenburgring, erkennt eine zunehmende Attraktivität des Hauses. Die Notaufnahme kümmerte sich 2015 um 62.000 Patienten, 11.000 mehr als 2014. Das belegt für Rilinger das Vertrauen, das Rettungsdienste ins Offenbacher Klinikum haben, besonders bei Verbrennung und Schlaganfällen. Offenbar hat auch das Bemühen um die jahrelang eher skeptischen Hausärzte der Region gefruchtet – neuerdings tritt die Klinik dem Hausärztemangel auch mit einem Weiterbildungsverbund entgegen.

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In erster Linie aber misst der oberste Chefarzt den Zuwachs dem erweiterten medizinischen Spektrum zu. Die Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie hat ihr Therapieangebot erweitert, seit April 2015 gibt es die neue Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, die 2014 gegründete und bestens angenommene Adipositas-Klinik verdoppelte ihre Kapazität von Betten für Fettleibige, unter zwei von Sana geholten renommierten Medizinern etablierte sich ein Zentrum für die Chirurgie der Baucheingeweide. Seit der Übernahme wurden acht neue Chefärzte verpflichtet.

Das positive Ergebnis ist indes kein Ausfluss von personellen Sparmaßnahmen, sieht man von der Ausgliederung von Reinigung, Catering, Transportdiensten und Pforte in Sana-Tochterfirmen ab. Bei der Pflege hingegen gibt es Zuwachs. Pflegedienstleiterin Sabine Braun berichtet von 60 neuen Stellen – rund 2000, wie die Leitung betont, sehr motivierte Mitarbeiter sind es insgesamt. Um den steigenden Bedarf zu decken, werden auch ausländische Fachkräfte angeworben, aus Spanien und neuerdings, bundesweit einmalig, sogar aus Vietnam. Etwa 50 Stellen besonders in der Operations- und Intensivpflege wären noch zu besetzen.

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Demonstration der Klinikum-Mitarbeiter

Rund 45 Millionen Euro wird Sana nach eigenen Angaben bis Ende 2016 in das Offenbacher Haus gesteckt haben. Zehn Millionen sind in die Aufwertung der Medizintechnik geflossen (Eingriffsraum in der Kinderintensivstation, zweiter Herzkathedermessplatz, hochmoderner Magnetresonanztomograph, Thulium-Laser).

Der Rest wurde für Instandhaltung, IT-System, Umbauten und Abrissarbeiten ausgegeben. Der alte Strahlenbunker ist verschwunden, Bagger nagen an den Schwesterwohnheimen. Der ganz große Brocken ist freilich noch lange nicht dran, weder praktisch noch in der Kalkulation. Der alte Zentralbau wird frühestens 2018 fallen, wenn die dort noch untergebrachte Apotheke in einen Neubau gezogen ist, verriet der Geschäftsführer. 15 bis 17 Millionen Euro müssten veranschlagt werden, um zu beseitigen, was, so Sascha John, „fast zum Wahrzeichen geworden ist“.

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