Schock und Mut

Kommentar zum Urteil im Fall Mark Herbert

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Was die Richterin im Mark-Herbert-Prozess besonders schockiert, ist die in ihren Augen völlige Sinnlosigkeit der Tat; es habe keinerlei erkennbares Motiv gegeben, das Opfer habe sich der Angeklagte beliebig ausgesucht, wird sie zitiert. Sie spricht damit aus, was viele Beobachter des spektakulären Verfahrens immer wieder fassungslos gemacht hat. Von Peter Schulte-Holtey

Was der Fall aber auf sicherlich auch zeigt: In unserer Gesellschaft braucht es ist eine breitere Debatte über den Umgang mit Gewalt und Zivilcourage. Noch immer werden viele Fehlentwicklungen oftmals auf die leichte Schulter genommen. Es wird höchste Zeit, ein Klima der Offenheit zu schaffen, damit sich die Opfer – wie Mark Herbert es vorbildlich gemacht hat – und Zeugen von brutalen Attacken trauen, zu reden.

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Nach der spektakulären Tat am Aussichtsturm in Offenbach vor vier Jahren und der erstaunlich langen vergeblichen Fahndung (mit mehreren öffentlichen Aufrufen in Medien und einer bewegenden Videobotschaft des Opfers bei einem Fußballspiel der Offenbacher Kickers) bestand ja die Gefahr, dass sich möglicherweise noch mehr Menschen entmutigen lassen und einfach wegschauen, wenn sie zum Beispiel in der Bahn oder auf der Straße unmittelbar mit Gewalt konfrontiert werden. Denn natürlich ist die Angst gewachsen, für die so wichtige Zivilcourage unter Umständen selbst schwer verletzt zu werden oder entschlossenes Eintreten gegen Gewalt gar mit dem Leben zu bezahlen.

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Doch die Zeugen im Mark-Herbert-Prozess, die sich danndoch noch entschlossen haben, dem heute 27-Jährigen – der jetzt im Rollstuhl sitzt – im Gerichtssaal zur Seite zu stehen, belehren uns jetzt eines Besseren. Ihre Mithilfe bei der Aufklärung unterstreicht: Es lohnt sich, den Mut zusammenzunehmen, wenn’s drauf ankommt!

Bilder: Prozess gegen Schläger von Mark Herbert 

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