SPD ist erzürnt über Magistratsbeschluss

Annette Schroeder-Rupp (FW) wird Chefin der GBO

Offenbach - Was unsere Zeitung schon vermeldet hatte, ist nun offiziell: Der von der Tansania-Koalition dominierte Magistrat hat beschlossen, die Fraktionschefin der Freien Wähler auf einen gut dotierten Chefposten im Stadtkonzern zu hieven. Von Matthias Dahmer

Wird Chefin von GBO und GBM: Annette Schroeder-Rupp.

Kämmerer Peter Freier (CDU) erläuterte nun die Beweggründe, die Sozialdemokraten schäumen und Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) wird wohl Widerspruch einlegen. Drei Jahre hat der Stadtkonzern an einer Neuausrichtung gefeilt. Ein Ergebnis dieses „Convenio“ genannten Projekts war die Zusammenlegung von Geschäftsführungen einiger Gesellschaften. So sollte nach dem altersbedingten Ausscheiden von GBO/GBM-Chef Winfried Männche zum 1.Januar 2017 der gesamte Immobilienbereich von Daniela Matha, derzeitige Geschäftsführerin von OPG und Mainviertel, geführt werden. Mit der Berufung der FW-Frakionsvorsitzenden Annette Schroeder-Rupp, die bereits zum 1.Oktober als Nachfolgerin von Männche einsteigt, dann als Doppelspitze mit Matha fungiert und dafür mit etwa 150000 Euro jährlich entlohnt wird, macht Tansania die Rolle rückwärts.

Man sei nach erneuter Bewertung des Projekts Convenio zu einem anderen Ergebnis gekommen, heißt es in der Begründung des Magistratsbeschlusses. Der Geschäftsbereich Wohnen und Gebäudeverwaltung stelle mit seinen speziellen Anforderungen ein eigenständiges Fachgebiet dar, das der vollen Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit einer eigenen Geschäftsführung bedürfe. Peter Freier betont, die Grundstrukturen von Convenio würden mit der Entscheidung nicht berührt. Bei den Kosten bleibe es beim Status Quo, es werde keine neue Stelle geschaffen. Schroeder-Rupps Gehalt liege sogar unter dem von Männche, zudem entfalle die geplante zweite Führungsebene.

Freier bestätigt, die Stelle sei nicht ausgeschrieben worden. Schroeder-Rupp habe sich Ende vergangenen Jahres bereits einem Auswahlverfahren gestellt, als es gemäß Convenio-Plan um die Geschäftsführung der gesamten SOH-Immobiliensparte ging. Das Rennen, machte damals, es wird kolportiert einstimmig, Daniela Matha, Schroeder-Rupp kam an zweiter oder dritter Stelle. Für Kämmerer Freier ist die FW-Frakionsvorsitzende und Architektin Annette Schroeder-Rupp „versiert und erfahren“, sie werde mit Daniela Matha ein „starkes Frauenduo“ bilden.

OB Horst Schneider gibt sich bei dem Thema einsilbig. Er prüfe Rechtsmittel gegen die Entscheidung und werde sich rechtzeitig dazu äußern. Etwas deutlicher wurde er in einem uns vorliegenden Schreiben an Mitglieder des Aufsichtsrats der GBM: Falls der Beschluss zur Bestellung einer weiteren Geschäftsführerin falle, werde er gegebenenfalls Widerspruch gemäß § 74 HGO einlegen.

Von Ostfriesland bis Mauritius: Koalitionen in der Region

Der SPD-Fraktion kommt der Beschluss der Tansania-Koalition „irrsinnig“ vor, Fraktionschef Andreas Schneider ist entsetzt: „Eine Geschäftsführerstelle ohne Ausschreibung zu besetzen, wäre früher mit Freien Wählern und Grünen nicht möglich gewesen“, sagt er. Beide seien stets darauf bedacht gewesen, dass man wichtige Stellen ausschreibe und die Besetzung transparent sei. Per Eilvorlage im Magistrat sei Schroeder-Rupp nun „durchgedrückt“ worden. Tansania mache sich „die Stadt zur Beute“.

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