Kommunalwahl am 6. März

Wie funktioniert Kumulieren und Panaschieren?

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Sie haben die Wahl: Am 6. März werden in Hessen die Kommunalparlamente für die nächsten fünf Jahre gewählt: Stadtverordnetenversammlungen, Gemeindevertretungen, Kreistage und – sofern vorhanden – Ortsbeiräte. Wer teilnimmt, kann die Zukunft seines direkten Umfelds mitbestimmen.

Offenbach - Keine Lust auf Kumulieren und Panaschieren? Macht nichts. Wer es sich beim Wählen einfach machen möchte, kann weiter seine favorisierte Partei wählen, indem er ein Kreuz bei der entsprechenden Liste macht. So einfach – und so langweilig. Denn Kumulieren und Panaschieren macht Spaß. Von Christoph Zöllner

Einfach mal ein paar Namen quer durch alle Parteien hindurch rauspicken, andere durchstreichen, vieles ist möglich: Seit 2001 können die Hessen bei Kommunalwahlen ihre Stimmen häufen (Kumulieren) und auch aus verschiedenen Wahlvorschlägen auswählen (Panaschieren). Zugegeben: Das kostet ein bisschen Zeit, so dass es an der Wahlurne schon mal zur Schlangenbildung kommen kann. Wer seine Nerven schonen will, fordert daher rechtzeitig in seiner Kommune Briefwahlunterlagen an.

Jeder Stimmzettel enthält zu jedem Wahlvorschlag (Liste) den Namen und die Kurzbezeichnung der Partei oder Wählergruppe und die dazugehörige Listennummer. Darüber hinaus werden für jede Liste höchstens so viele Bewerber abgedruckt wie Sitze zu vergeben sind. Die Reihenfolge der Listen wird übrigens von drei Faktoren bestimmt: Im Landtag vertretene Parteien wie CDU und SPD werden nach der jüngsten Landtagswahl eingestuft. Bei lokal agierenden Parteien gilt der Ausgang der Kommunalwahl 2011. Dahinter folgen Parteien, die diesmal neu antreten. Bei mehr als einem Bewerber entscheidet das Los über die Reihenfolge auf dem Stimmzettel.

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Doch zurück zum „Kungeln und Panschen“: Jeder Wähler hat also so viele Stimmen, wie das Parlament vor Ort Sitze hat. In der Stadt Rodgau etwa zählt die Stadtverordnetenversammlung 45 Plätze, also sind dort jeweils 45 Stimmen zu verteilen. Die Kreistage des Kreises Offenbach und des Main-Kinzig-Kreises zählen 87, Darmstadt-Dieburg 71 Sitze bzw. Stimmen.

Wie kann ich meine Stimmen auf dem Zettel verteilen?

Zunächst einmal einzeln an beliebige Bewerber mit jeweils bis zu drei Stimmen. Infrage kommen auch Kandidaten aus verschiedenen Wahlvorschlägen. Wer will, kann auf seinem Zettel gleichzeitig kumulieren und panaschieren. Aber Obacht: Immer darauf achten, dass die Gesamtstimmenzahl nicht überschritten wird.

Sind noch Stimmen übrig – etwa weil auf einer Liste weniger Namen stehen als Vertreter zu wählen sind –, wird die Stimmenverteilung von oben nach unten so lange wiederholt, bis alle Stimmen aufgebraucht sind oder jeder Kandidat der angekreuzten Liste die maximale Zahl von drei Stimmen erhalten hat. Restliche Stimmen verfallen gegebenenfalls.

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Kann ich auch nur einen Teil der Stimmen einzeln vergeben?

Aber ja. Damit der Rest der Stimmen nicht verfällt, darf der Wähler zusätzlich zur Vergabe von Einzelstimmen eine Liste in der Kopfleiste ankreuzen. Diese Stimmen werden dann den Kandidaten in der Liste von oben nach unten so zugeteilt, dass jeder, der weniger als drei Einzelstimmen erhalten hat, eine weitere Stimme erhält. So lange, bis alle Stimmen verteilt sind oder alle nicht gestrichenen Bewerber der angekreuzten Liste drei Stimmen haben.

Kann ich Namen auch durchstreichen?

Selbstverständlich. Wer eine Partei oder Wählergruppe in der Kopfleiste ankreuzt, kann einzelne Namen aus der Liste streichen. Dies führt dazu, dass die gestrichenen Kandidaten keine Stimmen aus dem vergebenen Kontingent erhalten. Die Stimmen werden dann auf die übriggebliebenen Bewerber verteilt.

Nur Mut: So viel falsch machen kann man gar nicht. Ungültig ist ein Stimmzettel etwa dann, wenn zwei Listen angekreuzt sind, aber keine Stimmen an Kandidaten vergeben wurden. Oder wenn mehr Stimmen auf die Listen verteilt werden, als zur Verfügung stehen. Na, immer noch keine Lust bekommen? Dann bleibt immer noch das Listenkreuz. So wie früher halt.

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