Personalkarussell der künftigen Koalition

Ein lukrativer Chefposten für FW-Vorsitzende

Offenbach - Die Offenbacher Koalitionäre in spe betonen gern den Vorrang inhaltlicher Fragen. Doch werden bereits personelle Pflöcke wenn nicht schon eingeschlagen, so doch zumindest angespitzt. Von Frank Pröse und Thomas Kirstein 

Das betrifft nicht nur den Magistrat, sondern auch die Stadtwerke Holding: Nach Informationen unserer Zeitung soll Annette Schroeder-Rupp, die gegenwärtige Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, in die Geschäftsführung der Immobiliensparte einziehen. „Tansania“ ist noch nicht besiegelt, hat aber bereits seine erste Bewährungsprobe hinter sich: Schwarz (CDU), Grün (Grüne), FDP (Gelb) und und Freie Wähler beantragten gemeinsam und erfolgreich, die städtische Hauptsatzung bezüglich der Kopfzahl des Magistrats zu ändern. Statt drei werden der Stadtregierung künftig vier hauptamtliche, statt sechs demnächst acht ehrenamtliche Beigeordnete angehören.

Bei den Profis dürfte es keine Überraschung geben: Dem nicht abwählbaren SPD-Oberbürgermeister sollten – nach Abwahl von SPD-Stadtkämmerer Felix Schwenke – dann der derzeitige CDU-Fraktionschef Peter Freier, wie bisher Grünen-Bürgermeister Peter Schneider und der FDP-Parteichef Paul-Gerhard Weiß als bezahlte Wahlbeamte zur Seite stehen. Überraschender kommt da schon eine Entwicklung, die bislang offiziell unter der Decke gehalten wird. Die Freien Wähler, mit zwei Stadtverordneten die kleinste Truppe im Viererbündnis, haben offenbar nicht nur einen Sitz im ehrenamtlichen Magistrat in Aussicht, sondern auch einen lukrativen Posten im Geflecht der städtischen Gesellschaften.

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Fraktionschefin Annette Schroeder gilt als Anwärterin auf die Nachfolge von Winfried Männche, dem ausscheidenden Chef der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) und der Gebäudmanagement GmbH (GBM). Diese Stelle hätte eigentlich im Zuge der Umstrukturierung des Stadtkonzerns nicht mehr besetzt werden sollen. Derzeit wird die Immobiliensparte der Stadtwerke übergangsweise gemeinsam von Männche und Daniela Matha, der Geschäftsführerin der Stadt-Töchter Offenbacher Projektgesellschaft und Mainviertel GmbH geleitet. Nach Männches Eintritt in den Ruhestand sollte Matha alleinige Chefin werden. „Tansania“ will es anders, die Partner sollen in der Sache schon beim Oberbürgermeister vorstellig geworden sein. Realisiert sich der Plan, dürften vorgesehene und auch von der Politik angemahnte Einspareffekte bei den Offenbacher wegfallen.

Ein Geschäftsführer-Gehalt auf der Ebene unterhalb von Stadtwerke-Chef Peter Walther dürfte bei um die 150.000 Euro liegen – also über dem, was die hauptamtlichen Dezernenten im Jahr einstreichen. Dazu kommen die Kosten für das sogenannte Back-Office einer solchen Positionen, insgesamt eine Viertelmillion dürfte nicht unrealistisch sein. Kommt es dazu, was immer mehr Spatzen nicht nur vom Rathausdach pfeifen, dürfte zum Start einer Koalition ohne die immer der Lust am Geldausgeben verdächtige SPD erst einmal nicht das Sparen Priorität haben. Auch der zusätzliche Profi-Stadtrat schlägt samt seinem Stab mit an die 300.000 Euro im Jahr zu Buche. Zwei zusätzliche ehrenamtliche Magistratsmitglieder sind billiger: Deren Entschädigung summiert sich auf 20.000 Euro.

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