Kulturfest der Nationen

Regen trübt südländisches Flair

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Exotische Speisen wie hier beim Stand des Vereins Niketon Bangladeschi lockten am Wochenende die Besucher zum Kulturfest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz.

Offenbach - Eigentlich soll das Kulturfest der Nationen für südländisches Flair stehen: Orientalische Tänze, exotische Spezialitäten, mediterrane Musik. All das wurde am Wochenende auf dem Wilhelmsplatz auch geboten – nur war das Wetter so gar nicht südländisch. Von Steffen Müller 

Pünktlich zur Eröffnung am Samstag um 18 Uhr öffnet der Himmel seine Schleusen. Es scheint, als würde der komplette Regen, der in den vergangenen Wochen ausgeblieben ist, auf einmal runterkommen. „Schade, wir haben gehofft, dass das Wetter hält, aber das hat leider nicht geklappt“, bedauert Organisatorin Waltraud Schäfer, Leiterin des Büros der Stadtverordnetenversammlung und Geschäftsführerin des Ausländerbeirats, dass zu Beginn des Festes noch nicht so viele Besucher gekommen sind.

Dabei tun die 22 teilnehmenden Vereine alles, damit ihre Gäste so gut es eben geht trocken bleiben. Hektisch werden noch kurz vor der Eröffnung Pavillons zusammengebaut und über den zahlreichen Biertischgarnituren aufgestellt. Geschützt vor dem Regen verfolgen die Besucher das Geschehen auf der Bühne und genießen die angebotenen Speisen. Denn genau das macht das Kulturfest der Nationen aus.

Die internationalen Offenbacher Kulturvereine bieten auf dem Wilhelmsplatz landestypische Speisen und Getränke an, auf einer großen Bühne vor dem Markthäuschen präsentieren sie in teilweisen sehr wertvollen Trachten Folklore, Volkstänze oder heimische Musik. „Das Fest hat für uns einen sehr großen Stellenwert“, sagt Alois Kovac, Vorstandsmitglied der Kroatisch Demokratische Gemeinschaft.

Kovac und seine Vereinsmitglieder bieten an ihrem Stand Spezialitäten aus der „einheimischen Küche“, auch wenn damit Essen aus Deutschland und speziell Offenbach gemeint sein könnte. „Wir haben zwei Heimaten“, sagt Kovac, der aber froh ist, seine kroatischen Wurzeln auf dem Fest präsentieren zu können. „Es ist eine schöne Gelegenheit, Deutschland etwas von Kroatien zu zeigen, aber wir wollen auch eine Anlaufstelle für hier lebende Kroaten sein.“

Bilder: Kulturfest der Nationen

Mit selbstgemachten Cevapcici oder dem Kräuterlikör Pelinkovac löst die Kroatisch Demokratische Gemeinschaft Heimatgefühle aus. Flyer und Broschüren werben gleichzeitig für eine Urlaubsreise in das Land im Südosten Europas. Aus dem Süden Asiens stammt das Essen, das sich Besucherin Heidi Kneerich schmecken lässt. Beim Verein Niketon Bangladeschi hat sie sich mit Reis und überbackenem Gemüse eingedeckt. „Der Besuch lohnt sich immer. Es gibt leckeres Essen und exotische Spezialitäten. Außerdem trifft man immer viele Leute. Schade nur, dass das Wetter nicht besser ist.“

Das wird es zum Glück am Sonntag. Zwar kommen die sommerlichen Temperaturen nicht zurück, doch dafür bleibt es trocken, als die Vereine erneut ihre landestypischen Speisen anbieten und das Bühnenprogramm wiederholen. So kann Abdelkader Rafoud, der Vorsitzende des Ausländerbeirats, eine insgesamt erfreuliche Bilanz ziehen: „Mit dem Samstag bin ich nicht ganz zufrieden. Die Stände waren zwar gut besucht und die Vereine haben viel verkauft, dafür war auf der Mitte des Platzes und vor der Bühne weniger Stimmung als im letzten Jahr. Der Sonntag dafür lief aber richtig gut.“

Fotos: Kulturfest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz

Für Rafoud nehmen die Vereine in Offenbach eine wichtige Rolle bei der Integration ein. Das Kulturfest, das es in dieser Form seit 29 Jahren gibt, nennt er einen wichtigen Bestandteil, um die „in Offenbach gut funktionierende Integration“ zu unterstützen. „Wir haben hier ein großes Netzwerk, das Eingliederung fördert. Viele Vereinsvorsitzenden sind auch im Ausländerbeirat. Natürlich gibt es immer wieder Probleme, aber insgesamt bekommen wir das sehr gut hin.“ Um existierende Probleme zu beseitigen und noch enger zusammen zu arbeiten, richtet sich Rafoud an den neu zuständigen Dezernenten Peter Freier. „Wir hoffen, dass die Integrationspolitik fortgesetzt wird und stehen jederzeit für Gespräche zur Verfügung.“ Allerdings seien auch die Bürger gefordert, Hand in Hand mitzuarbeiten.

Fest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz

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