Kultivierte Zeitverschwendung

 Kunst-Aktion "Hidden View" startet

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Kunstaktion: Der AFZ-Wagen hält in Offenbach.

Offenbach -  Ein dezenter Biergeruch umweht den am Rand des Offenbacher Wilhelmsplatzes geparkten, blauen Kleinwagen. Was nach Überresten eines Gelages riecht, ist das Ergebnis einer künstlerischen Aktion. Von Eugen El 

Der Frankfurter Künstler Jochem Hendricks ließ vor einigen Tagen den präparierten Wagen mit etwa 2500 Liter Bier füllen. „Der Schaum stand bis nach oben“, berichtet der Künstler. Das Bier ist aber wegen eines Lecks ausgelaufen. Der Bierwagen ist Teil des Ausstellungsprojekts „Hidden View“, mit dem das Offenbacher Amt für Kultur- und Sportmanagement auf die unscheinbaren Seiten des städtischen Raums hinweisen möchte. Die Kuratorinnen Britt Baumann und Nadia Ismail haben zwölf internationale Künstler eingeladen, ortsbezogene Arbeiten zu entwickeln. Der Wilhelmsplatz beherbergt zwei weitere Installationen. Die Performancekünstlergruppe „Geheimagentur“ hat dort einen Wohnwagen aufgestellt, der als „Agentur für Zeitverschwendung“ (AFZ) fungiert. Die fiktive Behörde bietet Interessenten Hilfestellungen bei der Vergeudung von Zeit.

Der in San Francisco und Berlin lebende Künstler Michael Zheng bringt die verborgene Vorgeschichte des Wilhelmsplatzes zum Sprechen. Unter dem Pflaster des Platzes, der einst als Friedhof genutzt wurde, hat Zheng eine Soundinstallation platziert. Es werden unter anderem Namen aus alten Offenbacher Adressbüchern vorgelesen. Auf dem Vorplatz des Deutschen Ledermuseums hat der Berliner Künstler Marc Aschenbrenner ein Gestell aus Metallgerüstteilen von der Größe eines Zimmers aufgebaut. Das Gestell dient dem Künstler als Ort für Performances, die eine „extreme Körpererfahrung“ mit sich bringen.

Ein Dorf wird zur Leinwand - Street-Art-Projekt Djerbahood

Im Dreieichpark, am westlichen Rand Offenbachs, begegnet man einer Skulptur des Kölner Künstlers Gereon Krebber. Dass ihre Form nicht eindeutig zuzuordnen ist, hat Krebber einkalkuliert. „Sieht aus wie eine geschmolzene Skulptur von Henry Moore“, scherzt er. Die Plastik besteht aus einer Holzkonstruktion, Folie und Paketklebeband. Sie ist mit einer braunen Dickschicht bestrichen. Auf dem Teich nebenan schwimmen etwa 280 Bälle der französischen Künstlerin Elsa Tomkowiak. Der Alte Friedhof und der ehemalige Richtplatz im heutigen Senefelder-Quartier beherbergen weitere künstlerische Beiträge. Ein Sandstein, der die Grenze zwischen Offenbach und Frankfurt markiert, ist ebenfalls eine Station der Schau. Wegen der Entfernungen empfiehlt es sich, die Ausstellung auf dem Fahrrad zu erkunden. Nicht immer erschließen sich die Bezüge der Werke zu den jeweiligen Orten. So wirken sie zuweilen wie Fremdkörper. Das ist zugleich das Gute an „Hidden View“. Die Ausstellung trägt dazu bei, Offenbachs Stadtraum einmal anders wahrzunehmen.

Eröffnung heute, 19 Uhr, am Wilhelmsplatz in Offenbach. „Hidden View“ ist bis 16. Oktober zu sehen, Infos unter www.hiddenview.de, Anmeldung für Übernachtung im AFZ-Wagen unter 069/80652360.

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