Wertschätzendes Arbeitsklima

„Gütesiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber“ für Amtsgericht

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Auf einige Zertifikate können Amtsgerichtsdirektor Stefan Mohr und Stellvertreterin Petra Schott-Pfeifer im Zusammenhang mit dem Bemühen der Behörde um bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits verweisen.

Offenbach - Ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement, Betreuungsangebote und noch flexiblere Arbeitszeitmodelle – beim Amtsgericht legt man sich tüchtig ins Zeug, um nicht nur als Justizbehörde wahrgenommen zu werden, sondern auch als Dienstherr, dem die Zufriedenheit seiner 214 Beschäftigten etwas wert ist. Von Harald H. Richter 

Nicht von oben verordnet, sondern von unten gemeinschaftlich entwickelt, greifen bereits erste attraktivitätssteigernde Maßnahmen, um vor allem auf dem Gebiet der Familienfreundlichkeit zu punkten. Dazu wurde eine aus allen Hierarchieebenen besetzte Arbeitsgruppe gebildet, um eine Zielvereinbarung zu schließen und neue Ideen zu prüfen. „90 Prozent der Tätigkeiten werden bei uns inzwischen am PC ausgeführt, vieles davon lässt sich von zu Hause erledigen“, stellt Stefan Mohr fest. „Also warum nicht mehr Heimarbeitsplätze schaffen?“ Diese Frage beantwortet der Amtsgerichtsdirektor mit einem klaren Ja. „Was flexible Arbeitszeiten angeht, waren wir schon recht gut aufgestellt, wir aber können noch besser werden.“ Besonders die Rechtspflege nimmt dank sehr guter technischer Ausstattung eine Vorreiterrolle ein. Durch eine sichere Datenübertragung kann digital auf sämtliche Vorgänge zugegriffen werden. Deswegen würden zwar immer noch Akten hin und her bewegt, aber deutlich weniger als früher. Aktuell nutzten über 70 Belegschaftsangehörige des Amtsgerichts die Möglichkeiten des Home Office. „Für einen Mitarbeiter, der etwa aus dem Raum Fulda jeden Tag nach Offenbach zu seiner Arbeitsstätte fahren muss, bedeutet die Heimarbeit etwa an zwei oder drei Tagen der Woche eine enorme Zeitersparnis und einen Gewinn an Lebensqualität“, ist Mohr überzeugt. Dass sich das auch für die Behörde auszahlt, liegt auf der Hand.

Vorgesetzte, die ihren Beschäftigten Verständnis und Vertrauen für deren familiäre Verpflichtungen entgegenbringen und entsprechende organisatorische Rahmenbedingungen schaffen, können mit hoher Loyalität und Einsatzbereitschaft rechnen. „Es entsteht ein wertschätzendes Arbeitsklima“, fügt Vize-Chefin Petra Schott-Pfeifer hinzu. Und das ist wichtig, zumal die Belegschaft erkennt, dass auch die Führungskräfte der Behörde ihren Teil dazu beitragen. Schott-Pfeifer ist durch eine Zusatzausbildung als Gesundheitsmanagerin zertifiziert und setzt auf diesem Gebiet Akzente. Eine Wiedereingliederung von Mitarbeitern, der Arbeitsschutz und verschiedene Maßnahmen der Gesundheitsprävention sind bereits Bestandteile einer gelebten Dienststellenkultur. 2015 war das Amtsgericht Offenbach der Charta zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in Hessen beigetreten und hatte es beim bundesweiten Wettbewerb um den Otto-Heinemann-Preis zur gleichen Thematik geschafft, sich unter den besten Dienststellen zu platzieren. Die dabei zuerkannte Geldprämie verwendet die Behörde nun dafür, einen mobilen Spielecontainer anzuschaffen. „Damit können wir in Betreuungsnotfällen Mitarbeitern entgegenkommen, wenn etwa an Brückentagen Kindertagesstätten geschlossen sind, ihre Kleinen aber trotzdem behütet werden müssen“, so Schott-Pfeifer.

Die Top 50 der begehrtesten Arbeitgeber der Welt

Das Amtsgericht beschäftigt momentan 137 Frauen 47 davon in Teilzeit. Um für sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, etwa wenn daheim ein pflegebedürftiger Angehöriger zu versorgen ist, gibt es weitere konkrete Hilfen. Über die Ausweitung von Telearbeitsplätze hinaus seien sowohl interne, aber auch behördenübergreifende Informationsveranstaltungen zum Thema Pflege angedacht, die während der Arbeitszeit angeboten und somit Teil der eigenen Weiterbildung werden. So ist mit dem Diakonischen Werk vereinbart, einen in sechs Module gegliederten Grundkurs zu starten, der für die Teilnehmer kostenfrei bleibt. Auch soll es Ende August ein Treffen mit Vertretern des weitaus personalintensiveren Polizeipräsidiums Südosthessen und des Finanzamts geben, um kooperative Möglichkeiten zu erörtern.

Teambuilding-Aktionen im Überblick

Die Bemühungen des Amtsgerichts um mehr Familienfreundlichkeit sind der Landesregierung in Wiesbaden nicht entgangen. Vor kurzem hat Innenminister Peter Beuth der Behörde das „Gütesiegel Familienfreundlicher Arbeitgeber Land Hessen“ verliehen. Es steht in den ausgezeichneten Institutionen für die Entwicklung allgemein verbindlicher Standards, um die Vereinbarkeit weiter auszubauen. Mittlerweile tragen über 100 Institutionen das Siegel, das erstmals 2015 in einem Projekt mit Dienststellen aus der Region Darmstadt-Dieburg entwickelt worden war. „Da unter unserem Dach bereits eine Zweigstelle der Staatsanwaltschaft Darmstadt ansässig ist, waren wir gewissermaßen schon teilzertifiziert“, sagt Direktor Stefan Mohr. „Das hat uns schließlich ermutigt ganz durchzustarten.“ Eine Zufriedenheitsabfrage bei der Belegschaft bestätigt die Richtigkeit des eingeschlagenen Wegs.

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