Brutaler Raubüberfall auf Offenbacher Unternehmer

Lange Haftstrafe für Peiniger aus Dietzenbach

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Offenbach - Bis zum Schluss beteuert „Sammy“, nicht am Tatort gewesen zu sein. Die 12. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt glaubt ihm das nicht. Sie verurteilt den 52-jährigen Dietzenbacher gestern wegen besonders schwerem Raub in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu zehn Jahren Gefängnis. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Trapp sieht es als erwiesen an, dass der 19-fach und einschlägig vorbestrafte N. – Spitzname „Sammy“ – am 4. Juli 2014 in Offenbach den damals 65-jährigen Metallhändler K. brutal in dessen Lauterborner Wohnung misshandelt und beraubt hat. Mit einem bis heute unbekannten Mittäter soll N. das körperlich kleinere und unterlegene Opfer bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen, getreten, gewürgt, gefesselt und in Decken eingewickelt haben. Nachdem die Täter 5500 Euro in einer schwarzen Tragetasche fanden, verteilten sie zur Vertuschung ihrer Spuren den Inhalt eines Feuerlöschers in der gesamten Wohnung und türmten mit der Beute.

Der Senior schaffte es, sich selbst zu befreien und die Polizei zu rufen. Die rechtsmedizinische Sachverständige Stefanie Plenzig: „Man kann von großem Glück reden, dass K. überlebt hat.“ Sieben gebrochene Rippen, Luftansammlungen in Lunge und Mittelfellraum, eine Trommelfellverletzung, ein Augapfeltrauma und eine Gehirnerschütterung sind dabei „nur“ als physische Folgen der Tat zu nennen. „Jedes Mal, wenn ich wieder zu Bewusstsein kam, schlug mir einer der beiden mit einem schwarzen Gegenstand auf den Kopf“, erinnert sich der Unternehmer. Kein Wunder, dass der wichtigste Zeuge zu den Tätern wenig sagen kann - obwohl diese mit Kapuzenpullis und einem Handtuch auf dem Kopf alles andere als gut getarnt auftraten. „Ich habe mich seit Jahren nicht mehr schuldig gemacht. Ich kann dazu nur immer wieder dasselbe sagen: dass ich nichts sagen kann“, so der Angeklagte in seinem letzten Wort. Während der Tatzeit stand er noch unter Bewährung, ein Alibi kann er nicht präsentieren.

Staatsanwalt Thomas Glab glaubt N. kein Wort. „Ich habe im Laufe der Jahre schon viele Raubüberfälle gehabt, aber diese Geschichte ist eine der Übelsten“, leitet Glab sein Plädoyer ein, „und es gibt absolut keine Zweifel, dass N. der Täter ist.“ Hauptargument ist die am Tatort gefundene Fingerkuppe eines Handschuhs, die die DNA des Angeklagten und des Opfers trägt. Diese war auch nicht mit Löschschaum getränkt - ein Indiz dafür, dass das Stück Stoff nicht im Vorfeld der Tat durch einen dummen Zufall in die Wohnung gelangt war. Eine weitere, nicht weg zu diskutierende Tatsache ist das Wort „Sammy“, das das Raubopfer eindeutig aus dem Mund eines der beiden Männer hörte.

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Eine undurchsichtige finanzielle Situation, ein versuchter Bankraub in der Ganoven-Vita und belastende Telefonüberwachungen komplettieren die Überführung als Täter. Der Staatsanwalt fordert elfeinhalb Jahre Gefängnis. Allein der positive Bericht der Bewährungshelferin und ein alles andere als auf Rosen gebetteter Lebenslauf mildern seinen Strafantrag ein wenig ab. Richter Trapp folgt in seiner Urteilsbegründung weitestgehend der Argumentation des Anklägers.

Konträr dazu stehen die Ausführungen der Verteidigung im Raum. Thilo Münster räumt zwar die DNA-behaftete Handschuhfingerkuppe als „einziges Totschlagargument“ ein. Er will dieses aber als lediglich „mobiles Beweisstück“ zur Überführung seines Mandanten nicht gelten lassen. Münster fordert für seinen Mandanten Freispruch. Er will - in Absprache mit dem 52-Jährigen - Revision einreichen. Ohne mit der Wimper zu zucken, nimmt der Angeklagte das harte Urteil entgegen. Die Wachtmeister erlauben ihm, noch einmal seine weitaus weniger gefasste, weinende 35-jährige Tochter tröstend in den Arm zu nehmen, bevor er wieder seine richterlich angeordnete, fortdauernde Untersuchungshaft antreten muss.

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