Bürgerinitiative bemüht sich erfolgreich um Aufwertung

Lauterborn: Heute ein ganz normaler Stadtteil

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Wer Lauterborn hört, denkt oft an Hochhäuser. Doch lebt ein Viertel der Menschen dort in Eigenheimen. Und: Großzügig mit Freiflächen konzipiert ist das nach einem alten Brunnen benannte Viertel der grünste Stadtteil Offenbachs. Die alte Lokomotive an der John-F.-Kennedy-Promenade ist Teil des Industriebahnwegs.

Offenbach - Es kann nicht oft genug betont werden: Die Stadt ist viel besser als ihr Ruf. Das gilt auch für jenen ihrer Stadtteile, dem der Google-Suchvorschlag immer noch „Brennpunkt“ anhängt. Doch Lauterborn ist lebenswert, befinden die, die sich genau darum bemühen. Von Thomas Kirstein 

Die kleine, aber effektive Bürgerinitiative nennt sich „Besser leben im Lauterborn“. Das will sie in den knapp zehn Jahren ihres Bestehens auch erreicht haben. Bilanz und Ausblick kommen von einem (fast) neuen Vorstand. Überzeugte Lauterborner der ersten Vereinsstunde – Apothekerin Dr. Heidrun Weber-Grandke, Ex-Sparkassenchef Hans-Peter Kloppenburg, Ex-Bibliotheksleiter Ernst Buchholz – sind abgetreten. Neu sind Vertreter von einflussreichen Institutionen: als Vize-Vorsitzende Ingrid Wittfeld vom Caritas-Projekt „Aktiv altern im Lauterborn“, Quartiersmanager Markus Schenk (Schatzmeister), Sabine Süßmann von der Stadt- und GBO-Initiative „Besser leben in Offenbach“ (Schriftführerin).

Geblieben ist, trotz schwerer Krankheit, der Vorsitzende. Dieter Jahn, Jahrgang 1944 und nach Jahrzehnten kein Stadtverordneter (Freie Wähler) mehr, fasst selbstbewusst zusammen: „Heute sind wir ein ganz normaler Stadtteil.“ Mit allen Problemen, die sich in einem solchen städtebaulichen Konstrukt mit vielschichtiger und vielsprachiger Bevölkerung (siehe Kasten) zwangsläufig ergeben, versteht sich. Aber gefährlicher, wie oft behauptet, wohnt sich’s dort nicht.

„Besser leben“ ist 2007 freilich nicht als Dorfverschönerungsverein gegründet worden, sondern aus konkreter Sorge. „Gib acht auf Dein Lauterborn“ hieß der Verein zunächst. Dieter Jahn schildert, wie das Viertel unter Vandalismus litt. Besonders in der Einkaufspassage ging es rund. „Einmal in der Woche ist eine Schaufensterscheibe mit einem Kanaldeckel eingeworfen worden“, erzählt er. Sogar die berüchtigte, heute nicht mehr existierende Kneipe „Göttertrunk“ litt unter Sachbeschädigungen. Ein Geschäft nach dem andern zog aus.

Der neue Vorstand des Stadtteilvereins: (v.l.) Markus Schenk, Ingrid Wittfeld, Dieter Jahn, Sabine Süßmann.

Notar Sven Fröhlich, damals noch Lauterborner, nahm Kontakt zu Polizeiführung und Justiz auf, weil die Behandlung von erwischten Tätern wenig wirkungsvoll erschien; Eigentümer wurden sensibilisiert, Architekt Arthur Mähner etwa kaufte weitere Gebäude auf; die GBO übernahm die Vermarktung von leer stehenden Läden und setzte Belohnungen auf Schmierer aus. Und es wurde die geforderte Videoüberwachung installiert. Die Aufwertung der Passage sei gelungen, heißt es heute, die Läden sind wieder vermietet. Der Verein kümmert sich besonders um die älteren Lauterborner, um jene aus der Erstbezugs-Generation, die es nicht ganz einfach haben. Markus Schenk, seit 2010 mit dem städtischen Stadtteilbüro dort vertreten, kennt die Klagen von über 70-Jährigen, die sich in ihren Häusern unter einer Mehrheit von jungen Familien meist aus anderen Kulturen fremd fühlen. „Da hört man oft: Das hat’s früher nicht gegeben“, sagt Schenk.

Schon früh wurde die Trägerschaft des städtischen Seniorenclubs übernommen. Zur konzeptionellen Neuausrichtung seitens des aktuellen Vorstands gehört nun auch, neben der Unterstützung für das einmal wöchentliche Angebot der „Lauterborner Küche“, die „Vermittlung zwischen jungen, eventuell neu zugezogenen Familien und Alt-Eingesessenen“. Noch findet keine Vermischung verschiedener Herkünfte statt. Man bleibt eher unter Seinesgleichen.

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Die stellvertretende Vorsitzende Ingrid Wittfeld kommt vom Caritas-Projekt „Aktiv altern“ und fokussiert sich auf das altersgerechte Wohnen. Zu den Angeboten zählen etwa Kurse in Hauskrankenpflege für muslimische Familien. Sabine Süßmann engagiert sich dafür, dass zwei- bis dreigeschossige Häuser mit Aufzügen nachgerüstet werden. Zukunftsidee ist ein Mehrgenerationenhaus. Kurzfristig geht es um Blumenkübel und Patenschaften für diese, um eine seniorengerechte Sitzbank mit Rollator-Parkplatz, um Gemüse-Hochbeete, um Beratungsangebote und die Vorbereitung des Lauterbornfests 2017.

Der Vorstand freut sich über eine starke Identifizierung vieler Menschen mit ihrem Stadtteil. Die Jahns etwa sind vor 30 Jahren ins Lauterborner Eigenheim gezogen, weil es dort kurze und sichere Wege für die Kinder gab. „Wir gehen hier sicher nicht mehr freiwillig weg“, schmunzelt Dieter Jahn.

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