Leichte Skepsis bei Unternehmen in Stadt und Kreis

Kleine Wolken am Konjunkturhimmel

Offenbach - Trotz Zuversicht ist die Stimmung bei den Unternehmen in Offenbach etwas getrübt. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt bleibt aber gut. Von Marc Kuhn 

Die Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach schwächelt leicht. Der Konjunkturklimaindex der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach ist gegenüber dem Anfang des Jahres um 3,5 auf 123,8 Punkte gefallen. „Trotz kleiner Wolken am Konjunkturhimmel: Die weiterhin stabile Verfassung der Konjunktur lässt darauf schließen, dass das Vertrauen aber immer noch vorhanden ist“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner. „Dies zeigt sich insbesondere auch in der Investitionsbereitschaft, die seit nun einem Jahr auf einem relativ positiven Niveau liegt.“ Getragen werde die wirtschaftliche Entwicklung durch die stabile Binnenkonjunktur, die durch wachsende Beschäftigung, steigende Löhne und niedrige Zinsen begünstigt sei.

„Die leicht gestiegene Skepsis und die heruntergeschraubten Exporterwartungen zeigen aber, dass verschiedene Unsicherheitsfaktoren im Raum stehen“, sagte Weinbrenner weiter. Neben China seien auch aus vielen anderen Regionen, darunter die erdölexportierenden Schwellenländer, schwächere Wachstumsimpulse zu vernehmen gewesen. „Auch aus der in Kürze anstehenden Entscheidung der Briten über den Verbleib in der EU könnten unmittelbare negative Folgen für die dort aktiven Unternehmen erwachsen und Turbulenzen an den Finanzmärkten herbeigeführt werden.“ Hinzu komme noch die Flüchtlingssituation. Durch das Abkommen mit der Türkei hätten sich zwar die Personenströme in die EU beruhigt. Grenzkontrollen, Unstimmigkeiten zwischen den EU-Staaten und Terrorangst seien aber nach wie vor vorhanden.

„Die Wirtschaft braucht ein klares Bekenntnis zu der für sie wichtigsten Errungenschaft der europäischen Integration: dem Binnenmarkt“, verlangte Weinbrenner. „Die EU-Staaten müssen hier an einem Strang ziehen und dafür Sorge tragen, dass der freie Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital dauerhaft gewährleistet ist.“

Die aktuelle Geschäftslage in der Region Offenbach werde etwas schlechter als zu Beginn des Jahres beurteilt. „Trotzdem bezeichnen immer noch 39 Prozent ihre Situation als gut, 52 Prozent als befriedigend und nur neun Prozent als schlecht“, erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer. „Der Einzelhandel und das Verkehrsgewerbe schätzen die derzeitige Lage im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft schlechter ein. Die unternehmensbezogenen Dienstleister, aus Branchen wie Information, Kommunikation, Grundstücks- und Wohnungswesen, halten ihre gegenwärtige Situation weiterhin für günstig.“ Die Geschäftserwartungen kühlten etwas ab, blieben aber optimistisch. 89 Prozent gingen von besseren oder gleich bleibenden Geschäften aus. Das Gastgewerbe schaue positiv auf das anstehende Sommergeschäft. Auch die Industriebetriebe seien wieder zuversichtlicher. Der Einzelhandel und das Verkehrsgewerbe rechneten in den nächsten Monaten dagegen mit ungünstigen Geschäften.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Die Investitionsbereitschaft bleibe auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn, berichtete die IHK. Allerdings verschiebe sich der Anteil derer, die entweder mehr oder weniger investieren wollen, hin zu den Unternehmen, die ihr Budget auf bisheriger Höhe halten möchten. Die Investitionsneigung der Branchen ändere sich ebenfalls: Das Verarbeitende Gewerbe und der Einzelhandel wollten mehr investieren, die Dienstleister weniger. Insgesamt sei der Ersatzbedarf das am häufigsten genannte Motiv für Investitionen.

„Die extrem hohe Exporterwartung der letzten Umfrage war anscheinend überbewertet“, sagte Weinbrenner. „Der Saldo fällt um 18 Prozentpunkte unter den langjährigen Durchschnittswert. Dies dürfte der geringen Dynamik der Weltkonjunktur durch die eingangs genannten Gründe geschuldet sein.“

Im Verlauf des Jahres sei weiter mit einem Beschäftigungsaufbau zu rechnen, jedoch verlangsame sich die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Weinbrenner: „22 Prozent der Unternehmen wollen mehr Mitarbeiter einstellen, 14 Prozent bauen in nächster Zeit Personal ab.“

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