Mehr als nur ein Verwalter

Leiter Heinrich Kößler verlässt nach 38 Jahren Theodor-Heuss-Schule

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Heinrich Kößler geht in Ruhestand – an Neubaufenstern haben Schüler eine Danksagung angebracht.

Offenbach -  Innerlich und äußerlich hat sich an der Theodor-Heuss-Schule viel verändert, seit Heinrich Kößler vor 38 Jahren dort anfing. Von Julia Radgen 

Zum Schuljahresende verabschiedet sich der Leiter der Beruflichen Schule für Wirtschaft und Gesundheit in den Ruhestand, tauscht das Rektorenzimmer mit Blick auf den Innenhof gegen sein Segelboot. Stolz führt Schulleiter Heinrich Kößler durch einen überdimensionalen Klassenraum im Neubau der Theodor-Heuss-Schule. Hier hat alles Rollen: Tische, Stühle, Zwischenwände. Zudem ist das multifunktionale Klassenzimmer des Beruflichen Gymnasiums auf dem Buchhügel mit sogenannten Activboards ausgestattet, elektronischen weißen Tafeln, die auf Fingerdruck reagieren. All das sind Errungenschaften des 2011 entstandenen Neubaus, der zukunftsträchtig sein sollte. „Weniger Frontalunterricht, mehr Gruppenarbeit und selbstorganisiertes Lernen“, fasst Kößler zusammen. „Es war sehr schwierig, diese großen Räume umzusetzen“, sagt er mit Bezug aufs Stadtparlament. Geplant worden war zunächst ohne Mitsprache der Schule.

Heute können die rund 2000 kaufmännischen Berufsschüler in drei großen offenen Räumen lernen, die miteinander verbunden sind. „Ein Vorzeigeobjekt“, meint Kößler. Trotz moderner Ausstattungen finden sich darin noch klassische Schiefertafeln. „Die sollen auch bleiben.“, sagt der Schulleiter. Sie waren noch nicht wegzudenken, als Kößler Ende der 70er-Jahre an die Theodor-Heuss-Schule kam. Der heute 65-Jährige, der aus dem Badischen stammt, fand über Umwege in den Lehrerberuf und nach Offenbach. Er lernte Industriekaufmann, dann Bäcker. „Meine Eltern hatten eine Bäckerei“, verrät der Mann mit grauem Haar, Schnauzbart und Brille.

Es folgte das Wirtschaftsstudium mit einer Prise Pädagogik. „Die Kombination fand ich spannend, heute bin ich froh darüber.“ Damals als sich noch niemand Tafeln mit Touchscreen vorstellen konnte, war er seiner Zeit voraus. „Ich habe mich auf Wirtschaftsinformatik spezialisiert, als das noch nicht als Fach galt.“ Dann flatterte die Zuweisung zum Referendariat nach Offenbach ins Haus. So kam er an die THS, wurde 2001 schließlich Schulleiter.

Ihre größten Zäsuren, sagt Kößler, habe die Schule in den vergangenen zehn Jahren erlebt. Schon vor dem Neubau nahm die THS 2005 als eine von 17 hessischen Berufsschulen am Modellprojekt „Selbstverantwortung Plus“ des Staatlichen Schulamts teil. Das Ziel: Die Schule ist nicht mehr so stark vom Amt abhängig, kann selbst über Personal oder Budget entscheiden. Sechs Jahre dauerte die „Testphase“, anfangs gab es durchaus schulinterne Skeptiker und Gegner, weiß Kößler. „Es gab teils heftige Auseinandersetzungen, ich musste das Kollegium erst überzeugen.“ Mit Erfolg: 2012 wurde die THS offiziell selbstständige Berufliche Schule. „Wir haben uns dadurch inhaltlich weiterentwickelt“, resümiert der scheidende Leiter.

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Er selbst habe nie Zweifel an den Vorteilen des Projekts gehabt – mehr Aufgaben, Verantwortung, Selbstinitiative schreckten Kößler nicht ab. Im Gegenteil: „Das war eine der produktivsten Zeiten meines Schullebens“. Und fügt hinzu: „Ich nehme lieber Herausforderungen an, als dass ich nur verwalte.“ Das zeigte sich schon, als der damalige Informatiklehrer vor 30 Jahren begann, die Unterrichtsplanung elektronisch zu erfassen. „Das hat mich als junger Lehrer gereizt“, erinnert sich der bald Pensionierte, der seit den 80ern im Personalrat aktiv war. Als die ersten Stundenplanprogramme aufkamen, war man in Offenbach schon eine Nasenspitze voraus. Die Weiterentwicklung der Schule, sagt Kößler, habe ihn immer interessiert. Die muss er Nachfolger Horst Schad aus Michelstadt überlassen.

In ein Loch will Kößler im Ruhestand nicht fallen. „Ich werde die Zeit ausgiebig zum Segeln nutzen, mein Boot habe ich drei Jahre nicht mehr bewegt“, sagt der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes. Außerdem will er für zwei Halbmarathons trainieren. Und: „Ohne Termine in den Tag hineinleben, ist auch schön.“

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