Neue Philharmonie ist seit 2005 im Offenbacher Capitol daheim

„Lichterfest-Kapelle“ wie ein Sechser im Lotto

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In diesen Tagen ist das Capitol anderweitig belegt, deshalb probt die Neue Philharmonie in der Stadthalle für das heutige Lichterfest. Das Konzert beginnt um 20 Uhr, Einlass in den Büsingpark, den 70.000 Lichter illuminieren werden, ist bereits um 16 Uhr. Ein wenig Geduld wäre mitzubringen, denn erstmals sind Taschenkontrollen vorgesehen. Das Wetter soll mitspielen: um die 22 Grad, geringe Regenwahrscheinlichkeit.

Offenbach - Vom „Frankfurt“ im Namen mag sich die Neue Philharmonie nicht trennen, obwohl sie seit mehr als elf Jahren in Offenbach daheim ist. Von Thomas Kirstein 

Es war im Januar 2005, als der damalige Oberbürgermeister Gerhard Grandke stolz verkündete, dass die Stadt sozusagen ein eigenes Orchester bekomme. Wenn heute Abend „Männersachen“ von der Terrasse des Büsingpalais erschallen, dürfte nicht jedem Lichterfest-Besucher parat sein, dass – etwas despektierlich formuliert – dort klassisch wie rockig die Offenbacher Hauskapelle musiziert. Die Neue Philharmonie, ein meist 50-köpfiges, zu speziellen Projekten zusammen kommendes Orchester aus studierten Profis, ist im städtischen Capitol an der Goethestraße daheim. Dort bestreitet sie die erfolgreiche Reihe „Classic Lounge“, dort (falls besetzt, in der Stadthalle) probt die Philharmonie, dort hat sie ihr Büro und ihr Notenarchiv. Wie eng inzwischen die Verbindungen zur Stadt sind, belegt eine Personalie: Der promovierte Musikwissenschaftler Ralph Philipp Ziegler, seit jeher der künstlerische Leiter der Philharmonie und auch heute Abend wieder eloquenter Moderator des Lichterfest-Konzerts, wirkt inzwischen als Leiter des Amts für Kultur- und Sportmanagement.

Addiert etwa anderthalb Monate im Jahr, so überschlägt Ziegler, verbringen die aus der gesamten Republik stammenden Instrumentalisten probend und aufführend in Offenbach. Sie sind, bei einem vergleichsweise niedrigen Altersdurchschnitt, von Mitte 20 bis Mitte 50. Seit dem Einzug in Offenbach hat die Philharmonie „ein ähnliches Gesicht behalten“, wie Ziegler sagt: „Wir halten die Qualität und steigern sie stetig.“

Dass Offenbach ein klassisches Orchester beherbergt, ist indirekt einem Punkrock-Konzert zu verdanken. Dirk Eisermann, Konzertveranstalter (Shooter) und kaufmännischer Leiter der Neuen Philharmonie erzählte Stadthallen-Chefin Birgit von Hellborn bei einem Auftritt von Green Day vom Problem fehlender Büros und Übungsräume. Wer das Konzert miterlebte, weiß: Das Gespräch muss vorher oder nachher beziehungsweise im Freien stattgefunden haben.

So schön war das Lichterfest 2015 im Büsingpark: Bilder

Auf jeden Fall war es in beiderseitigem Interesse fruchtbar. Birgit von Hellborn konnten schnell GBO-Geschäftsführer Winfried Männche als Hausherrn begeistern: Das Capitol wurde Heimat der Philharmonie, deren wesentlicher Beitrag zum Lichterfest stellt seitdem quasi die Mietzahlung dar. „Für uns war das ein Sechser im Lotto“, sagt Eisermann heute, „vorher mussten wir uns Kirchenräume zum Üben suchen.“ Das Bild vom Hauptgewinn gilt im Gegenzug längst auch für Offenbachs Kulturleben.

Eisermann und Ziegler haben das Orchester 1999 in Hanau gegründet, wo es immer noch die „Wilhelmsbader Sommernächte“ beschallt. Schnell machte sich die Neue Philharmonie einen Namen als Crossover-Orchester, das neben Sinfonien auch Stücke aus Rock und Pop beherrscht: Die Musiker begleiteten etwa Ian Anderson von Jethro Tull, Nena, Robin Gibb, Deep Purple, die Geigerin Vanessa Mae oder den Sänger und Dirigenten Bobby McFerrin.

Lichterfest 2014 im Büsingpark

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