Jedes Bild ein Missbrauch

Offenbacher gesteht Besitz und Verbreitung von Kinderpornos

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Offenbach - Frank K. hat eine gefährliche Neigung. Er steht auf Minderjährige. Das allein ist noch keine Straftat. Doch der 43-Jährige ist zu weit gegangen. Wieder einmal. Er hat Kinderpornos verbreitet, getauscht, gebunkert. Das Schöffengericht hat ihn nun verurteilt. Von Sarah Neder 

Klick. Klick. Enter. Hochladen. Senden. Speichern. Seine Taten begeht Frank K. im Sekundentakt. Per Chat schickt er am Tag Dutzende, manchmal auch Hunderte Dateien durchs Netz. Fotos, Videos, Zeichnungen. Schmutzige Dokumente. Jedes ein Missbrauch für sich, denn sie zeigen Kinder nackt, entblößt, misshandelt. Frank K., 43 Jahre alt, ist wegen der Verbreitung und des Besitzes von Kinderpornografie vorm Amtsgericht Offenbach angeklagt. Dort ist er kein Unbekannter. Bereits 2014 wurde K. wegen des Konsums und des Speicherns solcher Bilder verurteilt. Damals war von drei Fällen die Rede, diesmal sind es 53.

Das Ausmaß seiner Taten zeigt sicht drastisch, als der Staatsanwalt die Anklage vorliest. Von Februar bis Juli 2013 hat K. Tausende obszöne Fotos und Filme von Minderjährigen über das Nachrichtenportal ICQ getauscht. Der Ankläger braucht etwa eine Viertelstunde, um die einzelnen kriminellen Dialoge aufzuzählen. Außerdem soll K. Dateien auf USB-Sticks, SD-Karten und Laptop gespeichert haben.

K. wirkt unsicher, läuft geduckt in den Saal, sein Blick ist fahrig. Er wirkt deutlich jünger als Mitte 40, unreif auch. Trägt Kapuzenpulli, Jeans, artikuliert sich behäbig. „Ich bin damals in ein schwarzes Loch gefallen“, rechtfertigt Frank K. seine Taten. „Der Tausch war ein Ventil für meine Angst und Aggression“, sagt er. Im Frühjahr 2013 habe er sich umbringen wollen: „Ich bin ins Auto gestiegen und habe gedacht: Der nächste Baum gehört dir.“

Der Grund für seine Depressionen und den damit verbundenen Konsum der Kinderpornografie sei eine bevorstehende Haftstrafe gewesen, zu der er vom Landgericht Darmstadt verurteilt wurde: drei Jahre und sechs Monate Freiheitsentzug für sexuellen Missbrauch einer Minderjährigen.

Was bedeutet eigentlich Sicherungsverwahrung?

Weil sich Frank K. damals weigert, die Strafe anzutreten, vollstreckt die Polizei den Haftbefehl im November 2013. Bei dieser Festnahme gesteht K., dass er erneut illegale Dateien getauscht und gesichert hat. Ermittlerin Ludmilla S., die als Zeugin geladen ist, erinnert sich: „Er hat uns den Schlüssel für den Raum gegeben, wo die Bilder versteckt waren.“ Sie glaubt, K. habe sich mit dem Geständnis entlasten wollen. Denn: „Wenn er nichts gesagt hätte, hätten wir auch nicht gesucht“. Auf Laptop, Speicherkarten und USB-Sticks, die K. in einem Wäschekorb versteckte, haben die Beamten Hunderte illegale Dateien und den Chatverlauf gefunden. Der zeigt, dass K. wohl auch 14-jährige Mädchen angeschrieben und mit Amazon-Gutscheinen bestochen hat, ihm Nacktbilder zu schicken.

An der Verifizierung dieser Kontakte, und auch am Prüfen anderer Bildquellen sind die Ermittler gescheitert. Oberkommissar Daniel W. berichtet im Zeugenstand: „ICQ gehört mittlerweile einem russischen Unternehmen, das keinerlei Daten herausrückt.“

Dass Frank K. redet, rechnet ihm Richter Manfred Beck an. „Das erspart uns die unangenehme Beweisaufnahme“, sagt er. Beck berücksichtigt zudem, dass sich K. im Kasseler Gefängnis in Therapie begeben hat. „Sie versuchen, klar Schiff zu machen“, stellt er fest. „Ich will mich in die Gesellschaft zurück kämpfen“, beteuert der Angeklagte, der als Zeichen der Wiedergutmachung monatlich Geld an ein SOS-Kinderdorf spendet. Andererseits sei der Offenbacher „erheblich vorbelastet“, stellt Beck fest. Der Richter und seine Schöffen entscheiden sich deshalb für eine Haftstrafe von weiteren eineinhalb Jahren.

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