Traditionshaus an der Fähre in neuer Hand

Markthaus-Wirt übernimmt Schiffchen in Rumpenheim

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Offenbach - Wenn es in Offenbach optisch markante Lokalitäten des Gastgewerbes gibt, dann sind das das Markthaus am Wilhelmsplatz und das Schiffchen in Rumpenheim. Beide haben demnächst denselben Wirt. Eric Münch übernimmt ab 9. August zusätzlich das Traditionshaus an der Fähre. Von Thomas Kirstein

Eine lange sorgfältig abgewogene Entscheidung war es nicht, eher ein spontaner Entschluss. „Drei Wochen, dann war alles klar“, erzählt Eric Münch. Schiffchen-Wirt Jochen Weber entschließt sich aufzuhören; Getränkeverleger Hans-Peter Kampfmann fragt den Markthaus-Macher; der denkt nicht lange nach und sagt zu. Seit 13 Jahren ist der aus einer alten Bürgeler Familie stammende Münch am Wilhelmsplatz tätig, zunächst gemeinsam mit Bruder Jörg. Der betreibt seit vier Jahren „Münch’s Restaurant am OTC“. Die Freude am Bewirten haben beide von Mutter Gusti – „Auch bekannt wie’n bunter Hund“, sagt Sohn Eric – geerbt. Für sie ist bereits eine Rolle im Schiffchen reserviert. Sie soll sich beim Mittagsbetrieb in Rumpenheim um die Gäste kümmern.

Das Markthaus hat seine Ursprünge im Jahr 1910, war Domizil des Marktmeisters, Polizeiwache, Klohäuschen. Erst 1986 wurde es Lokal; der illustre Franzose André Dubost baute das Marktmeisterdomizil zum Restaurant Clochemerle um. Dem nachfolgenden Pächter Münch hat die Stadt im Zuge einer Sanierung des Baudenkmals die Erweiterung ermöglicht. Die Tradition des Schiffchens im bis 1942 selbstständigen Rumpenheim geht viel weiter zurück. Als das Fachwerkhaus im 18. Jahrhundert errichtet wurde, brachten die Landgrafen von Hessen-Kassel im heutigen Stadtteil noch ihre Witwen unter. Bewirtet wird dort nachgewiesenermaßen seit 1796. Namen aus der Anfangszeit sind nicht bekannt. 1860 kaufte eine Familie Walter das Anwesen, Generationen der Nachfolge-Familie schenkten bis zur Zwangsversteigerung 1974 aus.

„Offenbacher Juwelen“: Unter diesem Namen füllt Winzer Stefan Sack im kleinsten Vollerwerb-Weingut des Rheingaus für Eric Münch eine trockene Riesling-Spätlese und einen Rosé aus St. Lauren- und Spätburgunder-Trauben ab, im Herbst kommt aus Hochheim ein Rotwein ins Sortiment.

Bis 2011 wurde am Ende der Schmiedegasse jugoslawische Küche serviert. Ab 2013, da war das Haus schon von einer Frankfurter Familie ersteigert, versuchten sich zwei junge Damen eher erfolglos im Schiffchen. 2014 übernahm der Offenbacher Kaufmann Jochen Weber (Sohn von Rennfahrer und Edelmarken-Händler Michel Weber) mit einem als Koch erfahrenen Kompagnon. Diese Zusammenarbeit hat sich aus diversen Gründen erledigt; nach den „Dauerregen-Katastrophenmonaten“ rechnete der gastro-ferne Betriebswirt Weber nun alles durch und sieht keine Perspektive mehr. „Ich gehe keineswegs im Groll“, betont der Mittfünfziger, der auch als Ruder-Bundestrainer im Deutschen Behindertensportverband tätig ist. Die nahtlose Nachfolge macht Jochen Weber froh und optimistisch: „Der Eric, der hat ja im Gegensatz zu mir das Geschäft von der Pieke auf gelernt.“ Und der Neue kann von dem profitieren, was man heute Synergieeffekte nennt.

Wirt Münch tanzt jetzt also auf zwei Hochzeiten, erfindet aber fürs Schiffchen nichts neu. Dieses wird, so weist es auch das Emblem auf der künftigen Speisekarte aus, zum „Markthaus am Maa“. Heißt: Es wird gereicht, was sich am Wilhelmsplatz an „gut bürgerlicher Küche, modern interpretiert“ bewährt hat. Dafür sorgt Koch Carsten Warnke, der in beiden Küchen herrschen wird. Der Nähe zum Fluss trägt eine größere Fischauswahl Rechnung, der Nachbarschaft zu Maintal Spitzen-Kelterer Jörg Stier, der Äppler und Apfel-Secco auf die Fähre lädt.

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„Mal sehen, wie’s mit der Doppelbelastung wird“, meint Eric Münch, der in beiden Häusern präsent sein will. Sein 18-köpfiges Team erweitert er um vier Schiffchen-Mitarbeiter. Umgebaut wird erstmal nicht groß, nur ein bisschen heller soll’s innen werden. Mehr Veränderungen hat er für draußen im Sinn: charmanteres Mobiliar für Terrasse und Weinlaube, große Pläne für die Wiese am Main. Dort könnte im nächsten Jahr – Genehmigung liegt vor – ein Biergarten mit bis zu 300 Plätzen entstehen. Zwei denkmalgeschützte Offenbacher Gaststätten in einer Hand: Wird Eric Münch zum Traditionslokal-Sammler? Kaum, sagt der 49-Jährige und grinst: „Obwohl, in Bieber steht der Bach-Nikles schon ewig leer...“

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