Gelände der Matthäusgemeinde wird verkauft

Maßnahmen zum Überleben in der evangelischen Gemeinde

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Der untere kleine Zettel auf der Infotafel weist darauf hin, dass Matthäus- und Lukasgemeinde fusioniert haben. Nun will das evangelische Dekanat das Grundstück der Matthäusgemeinde an der Ostpreußenstraße verkaufen. Durch stetig sinkende Mitgliederzahlen steckt die Kirchengemeinschaft in finanziellen Schwierigkeiten.

Offenbach - Der Mitgliederschwund in der evangelischen Kirche führt zu weiteren Einsparungen. Nachdem zu Beginn des Jahres Lukas- und Matthäusgemeinde fusioniert haben, soll nun das Matthäus-Grundstück verkauft werden. Von Steffen Müller 

Auch die Räumlichkeiten der Familienbildungsstätte werden geschlossen, die Angebote sollen auf die einzelnen Gemeindezentren aufgeteilt werden. Auf den ersten Blick deutet nur ein kleiner Zettel darauf hin, dass die Matthäusgemeinde ihre Türen geschlossen hat. Das Grundstück ist gepflegt, der Rasen frisch gemäht und einige Fenster sind gekippt. In einem Info-Kasten klebt der Hinweis, dass sich seit dem 1. Januar 2016 das Büro der Matthäusgemeinde in der Weserstraße 42 in Tempelsee befindet, dort, wo die Lukasgemeinde ihre Räumlichkeiten besitzt.

Nur im hinteren Teil des Grundstücks, der von der Ostpreußenstraße kaum einsehbar ist, stapelt sich Sperrmüll. Eine Couchgarnitur, Sessel, ein Tischkicker. Überreste aus dem Gemeindehaus, wie Sabine Ullrich, Leiterin der Geschäftsstelle des Evangelischen Kirchengemeindeverbands Offenbach, bestätigt. Denn das Inventar wird nicht mehr benötigt. Das Gemeindehaus wird seit der Fusion mit der Lukasgemeinde nicht mehr genutzt. Jetzt soll das Grundstück verkauft werden.

„Die Räumlichkeiten stammen aus den 1960er-Jahren und sind stark sanierungsbedürftig. Wir mussten gemessen an dem Bedarf abwägen, ob sich die Kosten für eine Sanierung gelohnt hätten“, erläutert Sabine Ullrich, dass der Verkauf aus finanzieller Sicht getätigt werden muss. Durch stetig sinkende Mitgliederzahlen brechen der evangelischen Kirche die Einnahmen weg. Innerhalb von 15 Jahren ist die Zahl der Protestanten in Offenbach von 25 500 auf 19 000 gesunken. Auch in der Matthäus- und Lukasgemeinde schwinden die Mitglieder. 2014 hatte die Matthäusgemeinde noch 853 Mitglieder, 2015 waren es 830. Bei der Lukasgemeinde sank die Zahl von 915 auf 890.

Deshalb war eine Zusammenlegung eine Frage der Zeit. „Schon vor der Fusion haben beide Gemeinden viel gemeinsam unternommen, jetzt rücken sie noch enger zusammen und die Mitglieder lernen sich untereinander besser kennen“, nennt Dekanin Eva Reiß Vorteile, schiebt aber auch nach: „Natürlich fällt es schwer, einen Stadtteil allein zu lassen.“

Ein Käufer für das Grundstück ist noch nicht gefunden. Ullrich betont, dass aktuell Gespräche stattfinden und sich die Gemeinde so schnell wie möglich von ihrem Besitz trennen will. „Wir werden nichts auf die lange Bank schieben.“ Über den Kaufpreis, Interessenten und deren Pläne kann und will sich Ullrich nicht äußern.

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Und die Matthäusgemeinde ist nicht die einzige Einrichtung, von der sich die evangelische Kirche trennt, um ihre Finanzprobleme in den Griff zu bekommen. Die Evangelische Familienbildungsstätte soll ab Anfang 2017 dezentral betrieben werden. Bislang hatte das Angebot in angemieteten Räumen des Katharina-von-Bora-Hauses in der Kirchgasse 17 eine feste Adresse, zu Beginn des nächsten Jahres sollen die Kurse, Vorträge und Hilfsangebote in den einzelnen Gemeinden des Dekanats verteilt stattfinden. Die Miete für das Bora-Haus kann das Dekanat nicht mehr aufbringen. „Wir müssen unser Angebot zusammenziehen, um überleben zu können“, sagt Reiß. „Aktuell suchen wir Gemeinden, in denen wir das Programm der Familienbildung unterbringen können“, erläutert die Dekanin.

Der Grundstücksverkauf der Matthäusgemeinde und die Aufgabe des Katharina-von-Bora-Hauses sind nicht die ersten Schritte, die dem Einspardruck geschuldet sind. Bereits 2013 wurde das Gelände der Evangelischen Lauterborn-Gemeinde verkauft. Durch den Zusammenschluss von vier Gemeinden zur Mirjamgemeinde im Januar 2015 mit einhergehenden Stellenstreichungen wurden weitere Maßnahmen getroffen, um dem Sparzwang Rechnung zu tragen.

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