Konzert in der Stadthalle

Kollegah in Offenbach: Meister der Selbstdarstellung

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Rapper Kollegah war auch bei den Echos erfolgreich.

Offenbach - Eigentlich müsste das Publikum am Donnerstagabend ja „Purple Rain“ in Endlosschleife hören und Kondolenz-Kränze flechten. Aber, R. I. P. Prince, wenn der Boss schon mal in Offenbach ist, führt selbst Trauer nicht an ihm vorbei. Von Peter H. Müller 

Die Rede ist vom „King“ der deutschen HipHop-Szene. Echo-Gewinner Kollegah, so was wie der fiese Ronaldo des Rap, lädt zur „Redlight“-Audienz in die Stadthalle – und feiert dort das Böse-Buben-Zuhälter-Klischee. Vielleicht ist die entscheidende Frage, ob der Zuschauer diesen grandiosen Dicke-Eier-Unsinn – „Waffen, Koks, Money und Bitches“, Lamborghini, Monster-Goldketten und Muskelgeprotze – tatsächlich ernst nehmen will. Denn dann schreien automatisch alle „Sexismus, Chauvinismus, Homophobie“-Sirenen. Wer sich hingegen zurücklehnt, kommt dem Phänomen Kollegah viel eher auf die Spur. Der bosshafteste aller Bosse, der da zum „Du bist der Sohn einer Hure“-Intro noch als XL-Silhouette hinterm Vorhang posiert, um kurz darauf zu „Bye Bye Mr. President“ Dollarscheine in den Saal zu schießen, heißt eigentlich Felix Antoine Blume. Er hat in Mainz mal Jura studiert. Kollegah, wie er sich seit gut einer Dekade nennt, arbeitet knallhart am Image des Bösewicht-Rappers. Er schleppt die meiste Zeit Kohle kistenweise durch seine Songs, fährt Supersportwagen mit Gold-Felgen, protzt mit „MK5“-Ballermännern und „Blutdiamanten“. Er hat diese provokante Attitüde, die „Ich-hab-den-Längsten“-Videoclip-Stereotype der US-Gangsta-Rapper irgendwie rekultiviert.

Der 31-jährige Kraftprotz ist ein Meister der Selbstdarstellung, wenn nicht Selbstinszenierung – auch wenn Zuhörer die Ironie zwischen seinen Brachialzeilen gelegentlich mit der Lupe suchen müssen. Unbestritten bleibt: Keiner rappt so rasend schnell wie er, keiner bemüht so krass verpackte Metaphern, keiner hat seine Kunstfigur so zur Marke stilisiert. Denn nichts anderes ist dieser bizarr überzeichnete Oberboss. Live – mit ziemlich souveräner Band, DJ und Kumpels John Webber sowie Seyed – ergibt das eine gejagte Show mit Stakkato-Beat, die fast als Action-Comic daherkommt. Das ist keine kreative Unterhaltung zum Schwärmen. Aber: „Empire Business“, „Kalter Krieg, „Sommer“, „West Side“, „VIPIMP“ oder „Keine neuen Freunde“ – die 1 200 Köpfe starke Kollegah-Gemeinde, in der erstaunlich viele „Bitches“ mitgrooven, feiert verlässlich mit. Zwischendurch gibt es dann noch eine Hanteldrücken-Herausforderung für Fan Roland, der wacker „die Ehre der Offenbacher“ rettet, dazu eine blonde Lapdance-Dame und jede Menge Mitmach-Punchlines.

Alles im Lack also im Stadthallen-„Toys’R’Us!“. Wenn, ja wenn da nicht die traurige Nachricht aus Minneapolis wäre. Dort hat sich nämlich ein wirklich Großer verabschiedet. Für immer.

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