Flüchtlingshelfer prallen ab

„Unwürdige Zustände“ in Zweigstelle am Kaiserlei

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Bei der Offenbacher Zweigstelle des BAMF ist Geduld gefragt: Manche Antragsteller warten bis zu zwölf Stunden dort.

Offenbach - Die örtliche Flüchtlingshilfe kritisiert die Zweigstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) am Kaiserlei. Von „unwürdigen Zuständen“ ist die Rede. Die Ehrenamtlichen haben umgehend ihre Hilfe angeboten. Von Sarah Neder 

Doch damit sind sie bislang auf taube Ohren gestoßen. Wer die Dependance des Bundesamtes sucht, irrt zunächst durch die industrielle Peripherie Offenbachs. Keine Passanten, keine Supermärkte, keine Schilder, die auf die BAMF-Filiale hinweisen. Zu erkennen ist das Amt nur an den vielen Menschen, die vor dem Gebäude warten. Eric Wolf weiß, wo er das BAMF findet. Der Mitbegründer Offenbacher Flüchtlingshilfe hat vor einigen Wochen eine Syrerin, die für ihre Anhörung aus Kassel an den Kaiserlei kommen musste, begleitet. Wie alle Antragsteller musste sie um acht Uhr da sein. Bis 17 Uhr hat Wolf mit ihr gewartet. „Sie hatte eine halbe Literflasche Wasser dabei, das hat gerade so gereicht“, schildert der ehrenamtliche Helfer.

Seit zwei Monaten sitzt das Bundesamt im ehemaligen Areva-Gebäude in der Kaiserleistraße 29-35. Ganz still hat es sich dort niedergelassen. Bis vor Kurzem wusste noch nicht mal die Stadt Offenbach, dass dort 154 Bundesangestellte Asylanträge bearbeiten. Die Zweigstelle ist noch nicht einmal auf der Website des Amtes gelistet.

Aus Berichten und aus eigener Erfahrung weiß Wolf, dass dort „unwürdige Zustände“ herrschen. Manche Flüchtlinge müssten von 8 bis 20 Uhr warten. Teilweise ohne Verpflegung. Zwölf Stunden ohne Essen und Trinken könne man niemandem zumuten, sagt Wolf. „Erst recht nicht Kindern, Kranken oder alten Menschen.“ Von der Pressestelle des BAMF heißt es: „Es wird den Antragstellern sowohl während der Wartezeiten als auch während der Anhörungen Wasser angeboten.“ Wolf hält es jedoch für wichtig, dass sich die Menschen selbst versorgen könnten. Dafür, das habe ihm ein Mitarbeiter gesagt, seien die Wasserhähne auf den Toiletten da. Ein zusätzliches Problem: „Es gibt keine Warteliste“, schildert Wolf. Niemand weiß, wann er drankommt. Wer also das Gebäude verlässt, um etwas einzukaufen, riskiert, seinen Aufruf zu verpassen. Der 48-Jährige betont: „Das kann böse Folgen haben, bis hin zur Ablehnung.“

Nun wollte Wolf den Verantwortlichen der Dependance seine Unterstützung anbieten und den Flüchtlingen aus der Zwickmühle helfen. „Wir könnten eine kleine Ecke einrichten zum Teekochen“, schlägt er vor. Außerdem habe sich der Hafen 2 als Wartestation empfohlen. Das funktioniere nur, wenn die Antragsteller ihre Wartedauer abschätzen könnten, gibt Wolf zu bedenken. Wieso es nicht möglich ist, ein Nummernsystem einzuführen, dazu äußern sich die BAMF-Sprecher nicht. An der Kaiserleistraße hat sich bisher auch niemand mit den Ideen der Flüchtlingshilfe befasst. Wolf hat zwar die Telefonnummer der Bereichsleiterin herausbekommen – erreicht hat er bis zum Termin mit unserer Zeitung trotz hartnäckiger Anrufe niemanden. Er verdeutlicht: „Ich will keinen Aufstand machen, ich will nur meine Hilfe anbieten.“

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Bei einem spontanen Besuch in der BAMF-Filiale treffen wir die Bereichsleiterin mit ihrer Referentin, die das Gespräch eifrig mitschreibt. Die Chefin gibt zu verstehen, dass Fragen nur über die Pressestelle des Bundesamtes in Nürnberg beantwortet würden. Jedoch scheint sie generell bereit, sich mit den Offenbacher Ehrenamtlichen zusammenzusetzen. Das ist auch im Sinne der Offenbacher SPD. Die Sozialdemokraten springen den Ehrenamtlichen zur Seite: Sie unterstützten „die Aufforderung der Offenbacher Flüchtlingshilfe an die Leitung der Offenbacher Zweigstelle des BAMF, in einem gemeinsamen Gespräch nach Lösungswegen zu suchen“.

Weiter heißt es, die Zustände in der Zweigstelle seien nicht tragbar. Das Bundesamt sei nun in der Pflicht. Es müsse gewährleistet sein, dass ein Mindestmaß an Versorgung erfolge. Auch Oberbürgermeister Horst Schneider äußert sich zu den Missständen am Kaiserlei: „Da steht einem ja der Verstand still.“ Merkwürdig findet er, dass das Bundesamt ins Areva-Gebäude eingezogen sei und nicht in die noch bis 2017 vom Land angemieteten benachbarten Räume der Erstaufnahmeeinrichtung. Eine Verschwendung öffentlicher Gelder, meint Schneider. „Das ist kommunikativ unterste Schublade.“ Der Sozialdemokrat hat nun versucht, Kontakt mit dem Bundesamt aufzunehmen.

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