Ärger um Multifunktionshalle

Nachbarschaftsstreit am Kaiserlei

Offenbach - Weil sich die neue Mehrheit im Offenbacher Rathaus gegen den geplanten Bau einer etwa 13.000 Zuschauer fassenden Multifunktionsarena ausgesprochen hat und damit eine Vereinbarung mit Frankfurt aufkündigt, wird die gute Nachbarschaft auf eine harte Probe gestellt. Von Frank Pröse und Peter Schulte-Holtey

Die Frankfurter werben schon viele Jahre für eine Multifunktionshalle an der Stadtgrenze zu Offenbach. Dort aber waren sie schon immer skeptischer, bis auf einen: Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD). Der konnte eine Mehrheit für eine Vereinbarung mit den Frankfurtern organisieren, wonach bei erfolgreicher Investorensuche für den Bau der Arena der Bebauungsplan (B-Plan 610) zur Flächenbereinigung geändert wird.

Die neue Mehrheit in Offenbach macht den Planungen jetzt einen Strich durch die Rechnung, lehnt die Tansania-Koalition das Vorzeigeprojekt für nachbarschaftlich gute Zusammenarbeit doch rigoros ab. Ihr springt die IHK Offenbach zur Seite, die ihre Forderung an beide Städte erneuert, das fragliche Gebiet zum im Offenbacher Masterplan vorgesehenen hochwertigen Gewerbestandort zu entwickeln. Die Filetstücke am Kaiserlei sollten nicht leichtfertig mit einer anderen Nutzung belegt werden, meint IHK-Präsident Alfred Clouth.

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Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU) gibt sich gelassen. Das Planungsdezernat fährt aber vorsorglich schon mal schwerere Geschütze auf, droht via Zeitung, unnötig angefallene Planungskosten in Millionenhöhe zurückzufordern. Frank will jetzt erst einmal Kontakt zur neuen Koalition in Offenbach suchen: „Parallel dazu werden die Gespräche mit zwei Interessenten, die sich für das Projekt bewerben, weitergeführt.“ Der CDU-Politiker fügte hinzu: „Wir haben großes Interesse, die Multifunktionshalle gemeinsam mit Offenbach zu realisieren. Die Vereinbarungen mit Offenbach können auch weiterentwickelt werden, der Projektausstieg ist für uns kein Thema.“

Offenbachs OB Schneider negiert die Drohung. Für ihn steht das Ansinnen der neuen Mehrheit im Gegensatz zur Beschlusslage. Schließlich seien sowohl die mit 8,7 Millionen Euro zu Buche schlagenden Grundstücksverkäufe an Frankfurt vom Parlament abgesegnet als auch die kostenlose Übertragung der Erschließungsfläche, falls diese 20.000 Quadratmeter für die Errichtung der Arena benötigt würden. Schneider kann es sich nicht verkneifen, vor allem die CDU auf die Widersprüchlichkeit hinzuweisen, gegen die im B-Plan 610 festgehaltene gewerbliche Erschließung des Geländes gestimmt zu haben.

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Mit Erstaunen und großem Befremden haben die Sportkreise Frankfurt und Offenbach die Entscheidung der Tansania-Koalition zur Kenntnis genommen, den Bau der Multifunktionshalle abzulehnen. Der Verzicht auf das Projekt wäre laut der Sportkreisvorsitzenden Roland Frischkorn (Frankfurt) und Peter Dinkel (Offenbach) eine vergebene Chance für die Region. Frischkorn plädiert im Hinblick auf die Wirtschafts- und Standortentwicklung dafür, interdisziplinär zu denken: „Die Äußerungen zeigen ausgeprägtes Unwissen über die Sportentwicklung in der Rhein-Main-Region. Denn ob sich Firmen ansiedeln, hängt neben der Existenz von Bildungs- und Kultureinrichtungen auch von der Sportinfrastruktur ab.“ Beide Sportkreise mit 400.000 Mitgliedern raten zu einem runden Tisch mit allen Akteuren.

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Rubriklistenbild: © dpa

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