Ein junger Ort der Vielfalt

Multiversum: Zukunft des Studententreffs ungewiss

+
Die Stühle und Tische vor dem eher unansehnlichen Gebäude des Multiversums deuten die Gemütlichkeit im Inneren an. Hier können die Besucher des Studententreffs zusammenkommen, diskutieren und sich kulturell beteiligen. Allerdings droht der Immobilie der Abriss. Die Betreiber suchen bereits nach einer neuen Unterkunft.

Offenbach - In einem Mietshaus an der Bieberer Straße 13 bietet das Multiversum ein Ort für Kunst, Kultur und Politik. Seit einem Jahr gibt es das Projekt und es entwickelt sich mehr und mehr zu einer Erfolgsgeschichte. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Von Steffen Müller 

Der neue Besitzer der Immobilie möchte das Gebäude abreißen lassen. Die Suche nach einer neuen Unterkunft läuft auf Hochtouren. Der Eingang ins Multiversum sieht wenig einladend aus. Die Hausfassade ist schmutzig, es dringt kaum Licht nach draußen. Doch im Inneneren ergibt sich ein anders Bild: Zwar ist es immer noch ein wenig dunkel, aber mehrere Sitzecken, ein langer Tisch und eine aus Holz kunstvoll selbstgezimmerte Bar laden zum gemütlichen Zusammensein ein. Auf einer Couch haben es sich Christian, Sarah und Pauline bequem gemacht. Sie trinken einen Mate-Tee und quatschen. Es ist eine gesellige Runde, zu der sich wenig später noch Felix Sauer dazu gesellt. „Unsere Tür steht für alle offen“, sagt der 25-Jährige. „Wir sind eine sich selbst-verwaltende Kulturinitiative. Alles, was hier passiert, wird im Konsens beschlossen. Einen Chef gibt es bei uns nicht“, erklärt Sauer das Konzept des Multiversums.

Sarah Mai, Pauline Griesenbruch, Christian Öhl und Felix Sauer (von links) zählen zu den Stammgästen im Multiversum.

Die Idee dahinter: Das Haus an der Bieberer Straße 13 soll Raum für kulturellen und politischen Austausch bieten. Hier finden Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und politische Diskussionen statt. Wer auftreten oder ausstellen darf oder welcher Film gezeigt wird, bestimmt ein Plenum. Jeden Donnerstag tagt es und entscheidet über Anträge, plant die nächsten Veranstaltungen. Rund 15 bis 20 junge Erwachsene nehmen regelmäßig an den Plenumssitzungen teil. Die Anzahl an Besuchern zu den einzelnen Events ist deutlich höher. Die Teilnehmer kommen nicht nur aus Offenbach, sondern auch aus Frankfurt oder Heusenstamm. Das Multiversum ist über die Stadtgrenze hinaus bekannt.

Sehr beliebt ist beispielsweise die „Küche für alle“. Hier kommen jeden Dienstag manchmal bis zu 50 Leute, um gegen eine Spende gemeinsam zu kochen und zu essen. Im „Umsonst-Laden“ im ersten Stock des Hauses gibt es Klamotten, Bücher aber auch Beachball-Schläger oder einen Ventilator – gratis. An den Angeboten im Multiversum wird deutlich, wer hauptsächlich angesprochen wird: junge Menschen. Das Multiversum ist ein Treff von Studenten für Studenten. Gerade in einer Stadt wie Offenbach, in der die Hochschule für Gestaltung viele junge, kreative Köpfe hervorbringt, hat solch ein Treffpunkt bisher gefehlt.

Anlaufstelle für hier lebende Studenten

Vor einem Jahr dann wurden die Räume eröffnet. Die Idee dazu hatte Felix Sauer schon vor längerer Zeit. Dem Studenten der Human-Geographie an der Frankfurter Goethe-Universität, der in Offenbach lebt, vermisste eine Anlaufstelle für hier lebende Studenten und junge Leute. Also machte er sich mit Freunden auf die Suche nach passenden Räumlichkeiten. Nach zwei Jahren wurden sie in der Bieberer Straße fündig, wo eine ehemalige Boutique frei wurde. Eine hohe dreistellige Miete wird jeden Monat fällig, finanziert wird das Projekt durch Spenden. In dem unkommerziellen Café im Erdgeschoss zahlen die Besucher auch mal freiwillig 15 Euro für ein Glas Wasser. „Wir kommen gut über die Runden“, sagt Sauer.

Appartementhäuser für Studenten boomen: Fotos

Finanzielle Probleme hat das Multiversum nicht. Dafür treiben die Organisatoren andere Sorgen um. Im April wurde das Gebäude an einen neuen Eigentümer verkauft, der bereits angekündigt hat, die Immobilie abreißen zu lassen und ein fünfstöckiges Wohnhaus zu bauen. Noch sei zwar beim Bauamt keine Genehmigung eingegangen, berichtet Sauer, doch im Mietvertrag ist eine beidseitige zweimonatige Kündigungsfrist festgeschrieben. Da für das Mulitversum die Gefahr besteht, binnen kurzer Zeit aus dem Gebäude ausziehen zu müssen, suchen die Verantwortlichen nach einer neuen Bleibe.

Weitere Infos:

multiversum.blogsport.de

Dies ist jedoch gar nicht so einfach. „In Offenbach gibt es zwar viel Leerstand, aber auch viele Hausbesitzer, die kein Interesse haben, an uns zu vermieten“, sagt Sauer. Allerdings sind die Anforderungen an ein neues Gebäude auch recht hoch. Sauer: „Es muss zentral liegen, damit uns die Gäste auch gut erreichen können, wenn sie spontan vorbei kommen wollen, und genügend Platz bieten.“ Diese Spontaneität ist es, was das Multiversum ausmacht. Außer der Plenumssitzung und der „Küche für alle“ gibt es keine festen Öffnungszeiten. Wenn jemand da ist, beispielsweise um zu putzen, zu renovieren oder die Getränkevorräte aufzufüllen, steht die Tür für alle Interessierten offen. Ganz spontan wird am Samstag, 3. September, auch der erste Geburtstag des Multiversums gefeiert, „Open-Air in einem zentralen Ort in der Stadt.“ Mehr wollen die Veranstalter nicht verraten. Details werden deshalb erst kurzfristig auf der Homepage öffentlich. 

Studenten lassen Roboter fremde Planeten erkunden

Kommentare