Besser besucht als in den letzten Jahren

Museumsnacht in Offenbach: Unterbewertet und entspannend

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Alle drei Museen Offenbachs machen mit und bieten Besonderes: Im Ledermuseum tanzt der Rock’n’Roll- Club Jeunesse (oben), im Klingspormuseum führt der Chef Dr. Stefan Soltek persönlich, im Haus der Stadtgeschichte ist Kuratorin und Künstlerin Katja M. Schneider mit ihrem Stempelexperiment eingesprungen.

Offenbach - Besser besucht als in den letzten Jahren zeigte sich die „Nacht der Museen“ in Offenbach, während es in Frankfurt nach ersten Schätzungen weniger lebhaft als gewohnt zugegangen sein soll. Von Claus Wolfschlag 

„Der große Saal war bei unserem ersten Auftritt sogar voll, und die Leute sind richtig mitgegangen“, schwärmt René Kleinstück im Ledermuseum. Er ist im Rock’n’Roll- Club Jeunesse aktiv und führt mit seiner Frau Elisabeth und vier Vereinsfreunden diverse Tänze zwischen Swing und Charleston auf. Die Bedingungen im Ledermuseum unterscheiden sich von Auftritten des Paars, die oft in kleinerem Rahmen stattfinden: „Hier haben wir eine Bühne, Platz, super Licht und eine gute Musikanlage.“ Etwa 120 Tänzer sind im Club Jeunesse aktiv, darunter viele Kinder. Der fortgeschrittene Teil besteht aus 40 Tänzern, deren harter Kern die Besucher der Museumsnacht mit zwei Auftritten beglückt. Besonders die Kleinstücks treten dabei hervor, haben beide doch Acrobatic Rock’n’Roll gelernt und zeigen dies durch geschickte Drehungen und Überschläge. Nach der Vorführung werden Besucher zu einem ruhigeren Nina-Simone-Lied auf die Bühne gebeten, um dort auf Anleitung erste Schritte im Swing-Tanz zu üben.

„Mir hat die Show sehr gut gefallen“, sagt der junge Jan aus Frankfurt. Mit Großmutter Ulla absolviert er einen kleinen Museumsgang durch Offenbach und zeigt großes Interesse an den zahlreichen Schuhmodellen in den Vitrinen des Ledermuseums. Das Interesse teilen sie mit Doro und Barbara, die sich länger vor einem Fetisch-Schuh aufhalten. Vor zwei Jahren aus Ulm und Kiel in die Lederstadt gezogen, nutzen sie die „Nacht der Museen“ zur Entdeckung ihrer neuen Heimat. Schon bei der letzten Luminale hielten sie sich vorrangig in Offenbach auf. „Unterbewertet und entspannend“ sei es hier, erklären sie. Das Frankfurter Mainufer sei ihnen viel zu voll und stressig. Und so zieht es viele Besucher schließlich ins Foyer, um bei Häppchen und Wein ganz entspannt den Jazz-Liedern des Duos Jochen Kessler und Doro Ignatz zu lauschen.

Stressfrei geht es auch im Klingspormuseum zu. Allerdings: So richtig verstehen viele Besucher zunächst nicht, was das Team der Agentur Grafische Allianz U9 wortkarg vor verschiedenen Computerbildschirmen werkelt. Leopold Lenzgeiger fasst sich schließlich ein Herz und erläutert, dass es sich bei dem „Design in Aktion“ um ein interaktives Projekt handelt. Besucher können entweder „Selfies“ schießen, die dann auf den Rechnern der Agentur landen, oder sie können sich diverse Buchstaben auf die Kleidung kleben und werden dann gescannt. Zudem steht ein Kopiergerät bereit, auf dem man seine Körperteile vervielfältigen kann, sowie eine Schreibmaschine für schriftliche Beiträge.

Impressionen von der „Nacht der Museen“ 2016

Die so entstandenen grafischen Elemente werden vom Designer-Team in einer Collage verarbeitet. „Ziel ist eine Publikation, die im Klingspormuseum verkauft werden soll“, so Lenzgeiger. Das von den Darmstädter Studienfreunden Britta Wiesbach und Andreas Grass gegründete Designbüro U9 sitzt seit 1999 in Offenbach. Museumsdirektor Stefan Soltek hat den Kontakt hergestellt und die Idee einer als Performance gestalteten Publikation ins Spiel gebracht.

Einen herben Verlust hatte das Haus der Stadtgeschichte zu beklagen. Aufgrund eines Trauerfalls in der Familie muss die traditionelle Druckvorführung der Grafischen Werkstatt diesmal entfallen. Einen kleinen Ersatz bietet Kuratorin und Künstlerin Katja M. Schneider mit ihrem „Stempelexperiment“. Schneider hat einen ganzen Tisch mit Farbkissen und Stempeln aufgebaut, die sie sonst für ihre Collagen benutzt. Blätter und Papiertüten wollen bestempelt werden, und der Andrang ist groß. „Ich komme heute eigentlich kaum zu eigenen Arbeiten, so sehr bin ich mit den Leuten beschäftigt“, sagt Schneider.

Nebenan liest Autorin Katharina Eismann Schilderungen von Marktszenen auf dem Balkan zwischen Temeswar und Belgrad vor. Und Museumsleiter Jürgen Eichenauer zeigt sich sichtlich zufrieden angesichts der großen Zuhörerzahl. Kulinarische Köstlichkeiten hat dazu der Mozaik-Kulturverein aufgetischt - mit Käse gefülltes Brot oder Sarma, mit Reis gefüllte Weinblätter.

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