Nach Tod am Schultheisweiher

Angehörige pöbeln gegen Rettungsschwimmer

+
Der Schultheisweiher in Offenbach.

Offenbach - Trauer schlägt nach dem Badeunfall am Schultheisweiher bei einigen Angehörigen in Aggressionen um. Sie fahren an den See und pöbeln dort gegen die Rettungsschwimmer, die am Dienstagnachmittag um das Leben des 15-Jährigen gekämpft hatten.

Ein tragischer Unfall: Am vergangenen Dienstag ertrinkt im Schultheisweiher ein 15-jähriger Junge. Er kann kaum schwimmen, geht trotzdem ins Wasser. Gegen 17.30 Uhr wird er von seinen Familienangehörigen als vermisst gemeldet. Wenig später machen sich die Berufsfeuerwehren Offenbach und Frankfurt auf die Suche, Rettungsschwimmer ziehen den Jungen an Land, dort versorgt ihn ein Notarzt. Er wird ins Krankenhaus gebracht, stirbt aber noch am Abend. "Das Personal am Weiher hat alles richtig gemacht", sagt Polizeisprecher Rudi Neu.

Einen Tag später kommen Angehörige zurück an den Ort des Geschehens. Dort pöbeln sie gegen zwei der Rettungsschwimmer. „Vermutlich sind sie mit genau diesem Vorsatz an den Weiher gefahren", erklärt Neu. Die Polizei wird wegen Bedrohung gerufen, vorsichtshalber rücken sechs Streifenwagen aus. „Am Weiher selbst stellte sich die Situation als weniger drastisch heraus", sagt der Polizeisprecher. Den reißerischen Bericht eines Boulevardblattes am Wochenende, in dem sogar von Morddrohung die Rede ist, kann Neu nicht bestätigen. „Wir haben die Situation am Weiher geklärt und den Beschuldigten Platzverweise erteilt."

Wasserrettungseinsatz am Main

Auch die Stadt Offenbach verurteilt die Pöbeleien scharf: „Trotz Kummer und Trauer gibt es keine Rechtfertigung für ein solches Verhalten", sagt der städtische Pressesprecher Fabian El Cheikh. „Zumal die Rettungsschwimmer alles getan haben, um das Leben des Jungen zu retten". Direkte Konsequenzen möchte die Stadt nicht ziehen. Sie sei zwar gesetzlich nicht dazu verpflichtet, Aufsichtspersonal für den Schultheisweiher einzusetzen. Es handele sich um eine präventive Maßnahme im Interesse der Besucher. Der Vorfall zeige aber, weshalb genügend Rettungsschwimmer benötigt werden. Denn: „Baden in einem Weiher ist immer gefährlicher als in einem Schwimmbad. Das Wasser ist trüb, unter der Oberfläche können zum Beispiel Unebenheiten lauern." Jetzt komme es darauf an, ob die Rettungsschwimmer Anzeige gegen die Angehörigen erstatten. Bisher liegt der Polizei nichts vor. eml

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion