Neue Ausstellung beim Kunstverein

Das Grundgesetz als Kunstwerk präsentiert

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22 Künstler haben sich für eine Ausstellung des Offenbacher Kunstvereins mit dem Grundgesetz auseinandergesetzt.

Offenbach - Für eine neue Ausstellung des Offenbacher Kunstvereins haben 22 Künstler sich Gedanken darüber gemacht, wie man wesentliche Inhalte des Grundgesetzes in einem künstlerischen Format gestalten kann. Die Ergebnisse präsentiert der Verein seit Freitag im Einkaufscenter KOMM. Von Jan Schuba

Die Worte „Freiheit“ und „grenzenlos“ stehen im Mittelpunkt. Allerdings nur auf den ersten Blick: Beim Begriff „grenzenlos“ soll ein großes „G“ das durchgestrichene kleine „g“ ersetzen. Außerdem ist das Wort auseinandergerissen, sodass der Beobachter nun drei Worte liest: „Freiheit“, „Grenzen“ und „los“. Umrahmt sind diese Buchstaben von Stacheldraht und Ketten, ineinander verschlungen und voller Blut. „Den Betrachter mit seiner Begrenztheit konfrontieren“ will Künstlerin Astrid Hörr-Mann mit ihrer Bildmontage. Sie gehört zu den Künstler, die die sechs Artikel unserer Verfassung illustriert und interpretiert haben: Menschenwürde, allgemeines Freiheitsrecht, Gleichheit vor dem Gesetz, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

Die meisten Exponate widmen sich Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder Teilnehmer hat zu seinem Beitrag einen Text geschrieben, in dem er seine Sicht auf die Thematik noch einmal verdeutlichen. Zum Auftakt der Vernissage, die am Freitagabend mehr als 120 Gäste besuchten, spielte die Offenbacher Musiklehrerin Birgit Pfau auf der Geige „einen Satz aus dem Kaiserquartett von Joseph Haydn: Wenn Sie es erkannt haben, dürfen Sie gerne mitsingen“. Ein Schmunzeln ging durch den Saal, als sich das angekündigte Stück als die deutsche Nationalhymne entpuppte.

Die Idee zu dem Projekt ersann Anfang des Jahres Gisela von Slatow, stellvertretende Vorsitzende des Kunstvereins. In einer Zeit großer gesellschaftlicher Veränderung will die Gemeinschaft damit auf die Grundwerte der Bundesrepublik Deutschland aufmerksam machen. „Unsere Lebensqualität ist nur durch das Grundgesetz gewährleistet“, erklärte von Slatow. Aufgabe der 22 Künstler, die vom Vorstand des Kunstvereins ausgewählt worden waren, war es, das Grundgesetz nicht nur über Worte, sondern in Bildern und Emotionalität auszudrücken. Von Slatow zeigte sich erfreut über die Auswahl, die eine ungeheure Vielfalt zutage brächte: „Es ist toll, wie detailliert Künstler darüber nachdenken, was Verfassung bedeutet.“

Nach der Begrüßung hielt Kunstvereinsmitglied Hans-Gerd Nitz eine Laudatio auf die neue Ausstellung. Er lobte den „Aufruf, einmal hinter das Wort zu schauen, zu visualisieren, wofür wir einstehen und wofür wir kämpfen. Eine Demonstration für unsere Werte in Deutschland.“ Was schließlich dabei herausgekommen ist, hielt auch Nitz für beeindruckend: „Die Künstler haben die unterschiedlichsten Ansätze gewählt, von der direkten visuellen Darstellung eines Grundrechts bis zur Auseinandersetzung mit der Verletzung von Grundrechten.“

Mit Kniestrumpf und Wattebausch: Dekorationen vergolden

Die Vielseitigkeit und Fabulierfreude der Künstler macht einen Besuch lohnenswert: Auf dem „großen Blutbild“ von Julia Schlenga prangt eine Reihe von mit Namen versehenen Spritzen. Die Künstlerin will darauf hinweisen, dass „durch unsere Adern das gleiche Blut fließt“. Künstler Jens Lay hat sich für eine Materialcollage entschieden, in der er mit Texten, Fragmenten, Brain-storming und Gedankensplittern sechs Denkanstöße zum Grundgesetz liefern möchte.

Konrad Häggele präsentiert seine Interpretation mit Fotos: Eins davon zeigt eine Statue aus Stein, deren Kompaktheit und Stabilität symbolisch für das Grundgesetz steht. Ebenfalls spannend ist der Film von Zoltan Dippel: Auf fotografischer und multimedialer Ebene nimmt er den Betrachter mit auf eine Reise durch die wichtigsten Grundgesetze. Noch bis Mittwoch, 5. Oktober, ist die Ausstellung im KOMM von Montag bis Samstag zwischen 14 und 20 Uhr zu sehen. Danach, wünscht Gisela von Slatow, finden sich hoffentlich weitere Räume, um die Ausstellung fortzuführen.

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