Am Polizei-Domizil in Frankfurter Straße beginnen Arbeiten

Neue Luisenhof-Wohnungen: Bauprojekt mit Beigeschmack

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OB Horst Schneider übergibt den Schlüssel zum Polizeigelände an Dr. Holger Koppe, PG Luisenhof (Mitte). Zur offiziellen Übergabe kamen auch Landesvertreter wie Stephan Hieke (links).

Offenbach - Besitzerwechsel am Polizeigelände an der Frankfurter Straße: Die Beamten sind ausgezogen, ab nächster Woche beginnen die Arbeiten für den zweiten Bauabschnitt des Luisenhofs. Damit die Frist eingehalten werden konnte, mussten der Bauherr und die Stadt das Ausweichquartier der Landesbehörde finanzieren. Von Julia Radgen 

„Das ist doch mal was: Deutsche Bürokratie auf dem Hof und im Stehen“, so kommentiert Oberbürgermeister Horst Schneider die Freiluft-Übergabe des Polizei-Grundstücks an der Frankfurter Straße. Hier soll Ende 2017 der zweite Bauabschnitt des Luisenhof-Wohnprojekts mit 81 neuen Wohnungen fertiggestellt sein. Seit Anfang der 50er Jahre sind auf dem Areal die Funkwerkstatt, eine Fahrzeughalle, Garagen sowie ein Bürogebäude untergebracht. Das Übergabeprotokoll und die Schlüssel für das Gelände wechseln nun offiziell den Besitzer: Vom Land Hessen als Träger der Polizei an die Stadt Offenbach, von dieser wiederum an die Projektgesellschaft PG Luisenhof.

Was unkompliziert klingt, schien vor neun Monaten noch zum Scheitern verurteilt. „Am 14. August 2015 wären wir fast vom Stuhl gefallen“, sagt Dr. Holger Koppe, Geschäftsführer der PG. Der Grund: Die Polizei konnte ihr altes Domizil noch nicht verlassen, da das neue Präsidium auf dem Buchhügel noch nicht fertig ist. Das sollte eigentlich 2015 bezogen werden sollte, nach aktuellem Stand ist der Umzug für 2019 geplant. „Es sah so aus, als ob es mit dem zweiten Bauabschnitt nichts werde“, erinnert sich Koppe. Zusammen mit der PG und dem Land Hessen habe man Krisensitzungen für Lösungen anberaumt, sagt Schneider.

Und man fand eine: Die Polizeibeamten sollten das Areal bis Mitte Juni 2016 räumen und in eine Interimsunterkunft umziehen, damit die Bauarbeiten für die neuen Wohnungen pünktlich beginnen konnten. Die Krux, die bei der offiziellen Übergabe nicht mehr zu Sprache kam: Weil die einstmals kommunale Polizei als Landesbehörde ein ewiges Nutzungsrecht für die Liegenschaften im städtischen Besitz hatte, wurde die Stadt an den Kosten dafür beteiligt. Sie trat ihren Kaufpreisanteil an das Land ab, rund 686.000 Euro. Die PG gab ihrerseits 435.000 Euro hinzu, plus 20.000 Euro für eine Räumung bis 1. Juni.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

„Was wir als unmöglich angesehen haben, ist gelungen“, freut sich Koppe. Die Büros und Garagen an der Frankfurter Straße stehen leer. In der vergangenen Woche ist die Polizei umgezogen, wie vorgesehen zur Bereitschaftspolizei nach Mühlheim. Anders als geplant ist die Art der Interimslösung für die Beamten: Anstelle von Containern sind sie in einem Holz-Neubau untergebracht. „Die Preise für eine Containerlösung haben sich durch die Flüchtlingssituation verdreifacht“, erklärt Koppe. Binnen fünf Monaten wurde ein zweigeschossiges Haus mit rund 680 Quadratmetern Fläche gebaut, dass nun langfristig genutzt werden kann.

„Alle haben was davon“, betont Koppe, dessen PG kommende Woche mit den Abbrucharbeiten beginnen will. Im Gebäude seien Schadstoffe verbaut. Welche das sind, will die Projektleitung partout nicht verraten, auch nicht, ob es sich um Asbest handelt. Die Stoffe müssen jedenfalls mühsam herausgelöst werden, was bis Mitte Juli dauern soll. Dann beginnt der rund 22 Millionen teure Neubau, der Ende 2017 fertig sein soll.

Anschließend vervollständigt ein dritter Bauabschnitt den Luisenhof bis 2019 mit dann insgesamt rund 250 Wohnungen. OB Schneider betont, das Bauprojekt Luisenhof sei von großer Bedeutung für die Stadt und mit den Vorhaben an Berliner Straße und auf dem ehemaligen Kappus-Gelände in bester Nachbarschaft. Ob dieser Gewinn für die Stadt seine Kosten aufwiegt, bleibt wohl abzuwarten. Ebenso, ob das Polizeipräsidium wirklich zeitgleich 2019 umzieht.

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